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Stefan Scheurer
Stefan Scheurer; Foto: SWR3
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Ausgerechnet im Osten Deutschlands geht der Wilde Westen los: mit Western-Stadt, Cowboys und einem Saloon. Warum sich das alles ändert als der Indianer stirbt, erklärt Tatortchecker Stefan Scheurer.

El Doroda heißt das künstliche Städtchen: Es ist ein kleiner Familienpark gleich hinter Weimar. Hier sieht alles aus wie in einer Western-Kulisse. Vom Pferd bis zur Saloon-Nutte gibt es hier heile Western-Welt – aber ohne den Ober-Indianer geht nix. Er war der Chef und liegt nun im Fluss. Die Kommissare Lessing und Dorn ermitteln widerwillig verkleidet.

Szenenbilder aus „Der höllische Heinz“; Foto: MDR

Ein toter Indianer wird aus der Ilm gefischt. Es handelt sich um Wolfgang Weber, dem die Westernstadt El Dorado gehörte.

MDR

Christian Ulmen legt sich mit Banditos an

Nora Tschirner heuert undercover als Cowgirl im Stall an, während Christian Ulmen protzig mit der Polizei-Karre durch den heißen Sand fährt. Seine Gespräche laufen eher einsilbig im schrägen Western-Dialog. Die Einwohner werden erst redselig, als er ein Duell mit den örtlichen Banditos überlebt – übrigens nicht ohne dass vorher der Bestatter Maß nimmt… wie das eben so üblich ist.

John Wayne wieder da

So ein richtiger Western-Krimi kommt natürlich nicht ohne John Wayne aus. Schauspieler Peter Kurth wurde hier perfekt gecastet. Er sieht dieses Mal wirklich aus wie John Wayne. Ich vermute, dass es wirklich John Wayne ist, ausgebuddelt für den Tatort. Derzeit ist er Geschäftsführer der Westernstadt – und er hat nicht nur Freunde. Alle wollen ihm ans Leder, gleich zu Beginn wird er stilistisch korrekt mit Strick um den Hals auf dem Pferd am nächsten Baum aufgehängt – beinahe zumindest.

Eins wird immer klarer: Keiner hier sagt die Wahrheit. Cowboys, Goldschürfer, Bestatter und Saloon-Besitzerin – sie alle verheimlichen was Großes. Diese Stadt birgt ein ungewöhnliches Geheimnis.

Nora Tschirner burlesk

Der Weimarer Tatort ist natürlich komplett skurril: das ganze Set, die Dialoge und zu aller Freude eine fast schon burleske Nora Tschirner, die auf der Saloon-Bühne ein Liedchen trällert. Wer's tragen kann…

Eigentlich ein sehr guter Tatort, der nur am Anfang etwas zu schräg daherkommt, da muss man durch. Später finden die Macher die richtige Mischung zwischen Witz und Spannung und auch der eigentliche Krimi-Teil kommt dann nicht mehr zu kurz. Das Finale ist grandios, es fällt eine Leiche nach der andern – wie sich das für einen ordentlichen Western gehört. Ein würdiger Start ins neue Tatort-Jahr 2019.

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Stefan Scheurer
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SWR3