Autor
Michael Haas
Michael Haas; Foto: SWR3
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Tim ist 14 Jahre alt und verkauft sich im Netz, um sein Taschengeld aufzubessern. Als er aus unerklärlichen Gründen ermordet wird, bringen die Tatort-Kommissare Leitmayr und Batic eine erschreckende Wahrheit ans Licht.

Szenenbild Tatort „Das verkaufte Lächeln“; Foto: BR/Elke Werner

Tim Kiener (Justus Schlingensiepen) posiert vor seinem Computer. Er bietet über eine eigene kostenpflichtige Website freizügige Bilder und Videos von sich an.

BR/Elke Werner

Der Titel Das verkaufte Lächeln ist weit untertrieben, denn die Jugendlichen verkaufen mehr als ihr Lächeln – im Internet zeigen sich die erst 14-jährigen nackt. Gezwungen werden sie dazu nicht, aber gelockt: mit Geld und Geschenken. Ein engagiertes Thema für einen Tatort, aber auch ein reales, denn die Story geht auf einen Zeitungsartikel aus der New York Times (englisch) zurück.Der Drehbuchautor Holger Joos will Eltern warnen, die denken: „Wenn mein Kind zu Hause ist, dann kann ihm nichts passieren Das hat sich im Internet-Zeitalter als kolossal falsch herausgestellt“, sagt er.

Machenschaften im Geheimen

Szenenbild Tatort „Das verkaufte Lächeln“; Foto: BR/Elke Werner
BR/Elke Werner

Und so wird dann auch eines Tages einer der Jugendlichen erschossen am Ufer der Isar gefunden. Ein ersichtliches Motiv für die Tat gibt es nicht. Tim hatte keine Probleme zu Hause oder in der Schule. Das sagen die Eltern, aber die dachten auch ihr Sohn programmiere Apps. Sie ahnten nicht einmal, dass er freizügige Bilder und Videos von sich im Netz verkauft. Natürlich konzentrieren sich die Ermittlungen sofort auf die Kunden der Internetseite. Darunter ist auch ein Familienvater, der auch Fußballtrainer bei einer C-Jugend-Mannschaft ist. Für Batic ist das der Mann, der Tim auf dem Gewissen hat. Anders Leitmayr. Der sieht noch jede Menge andere Verdächtige…

Viel Raum für eigene Urteilsbildung

Der Tatort ist eine Gradwanderung zwischen Verharmlosung und Vorverurteilung, sowohl auf Seiten der Jugendlichen als auch bei deren Kunden. Dadurch bleibt aber viel Raum für eigene Wertungen. Was das angeht ist die Geschichte absolut geglückt. Am Anfang ist die Erzählung noch etwas verworren, später glasklar und stringent.

Klischeehafte Darstellung der sozialen Schichten

Szenenbild Tatort „Das verkaufte Lächeln“; Foto: BR/Elke Werner
BR/Elke Werner

Schade nur, dass die Sozialstudie so verunglückt ist. Wir lernen: Menschen aus sozial schwierigen Verhältnissen rauchen zu Hause, arbeiten nachts an der Tanke und zum Abendessen gibt es Burger. Bei den Reichen sind die Eltern fast nie zu Hause und das asiatische Hausmädchen spricht nur englisch.

Tatort-Titel lässt Fragen offen

Übrigens bleibt völlig offen, warum der Tatort Das verkaufte Lächeln heißt. Es liegt nahe, dass es sich um eine Anspielung auf Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen handelt, zumal einer der 14-jährigen auch Tim heißt. Jedoch bleibt der Tatort einen Hinweis schuldig.

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Michael Haas
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SWR3