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Michael Haas
Michael Haas; Foto: SWR3
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Valentinstags-Romantik im Tatort? Von wegen. Der Zoff unter den Kommissaren scheint die größte Spannung im neuen Fall aus Ludwigshafen zu bringen. Doch kann der kaltblütige Mord an einem Bodybuilder und die mögliche Selbstjustiz noch für Action sorgen?

Ein Typ mit fettem Tattoo kommt aus einer Muckibude und geht ins Parkhaus. Als er seine Sporttasche in den Kofferraum legt, heult ein Motor auf und ein Auto fährt diesen Typen über den Haufen. Eben hat er noch gepumpt, jetzt ist er platt. Ein bisschen ordinär erzählt, aber passend zur nächsten Szene. Im Bild: Kommissar Kopper, wie er im Parkhaus bräsig gegen eine Wand pinkelt – ein Stockwerk über dem Leichenfundort. Verwirrt versuche ich eine Deutung, was mir nicht gelingt.

Foto: SWR/Alexander Kluge
SWR/Alexander Kluge

Hauptsache, es wird ordentlich gestritten

Die Kommissare nehmen also ihre Arbeit auf. Und schnell ist Schluss mit lustig. Denn wie sich herausstellt, hat der Tote vorher selbst ein fürchterliches Verbrechen begangen – und wurde wohl deswegen ermordet. Und an dieser Stelle ist für mich die Luft raus! Selbst ich als Zuschauer ohne Polizeiausbildung weiß an der Stelle schon, wer der Mörder ist. Nur die Kommissare ermitteln noch in der Gegend rum, und das auch noch einseitig im Milieu der Muckibuden und bei Rapper-Gangs.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich die drei Kommissare andauernd in der Wolle haben. Die neue Profilerin streitet mit Lena Odenthal, Odenthal streitet zurück, Kopper streitet mit allen – schrecklich! Wann werden Tatortmacher verstehen, das wir Zuschauer nur eins wollen: Einen Fall, zwei Kommissare, und zum Schluss wird der Fall aufgeklärt. Fertig! Ich will doch sonntags abends mit einem guten Gefühl ins Bett und in Frieden einschlafen können, ohne dass mir hässliche Streitszenen im Kopf rumschwirren.

Spannung bleibt bis zum Schluss aus

Die Kommissare können einem schon fast leid tun, da im neuen Ludwigshafen-Tatort jetzt auch ein schicker neuer Filter eingesetzt wird – wie zum Beispiel bei den Tschiller-Tatorten. Dadurch wirkt alles bräunlich, schmutzig, cool. Aber es lässt die Schauspieler, vor allem die Frauen, ziemlich alt aussehen. Falten und Hautflecken werden fett betont. Aber das sei nur am Rande bemerkt. Wer mit der Streiterei leben kann, und keine knisternde Spannung braucht, der erlebt bei aller Kritik doch einen sehenswerten und gut gemachten Tatort. Ich gebe drei von fünf Elchen.