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Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
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Eigentlich steht der Täter fest, aber wie soll er einen Mord begehen, während er im Knast sitzt? Der Stuttgarter Tatort-Ermittler Bootz hat einen Verdacht. Eine beängstigende Story mit ein paar Längen, aber einem spannendem Finale.

Täter-DNA unter den Fingernägeln einer toten Frau, da jubelt die Spurensicherung und der Fall scheint gelöst, nach fünf Minuten. Aber dann kommt Spielverderber Sebastian Bootz und sagt lapidar: „Der kann es nicht gewesen sein. Der hat ein Alibi.“ Eigentlich das beste Alibi, das man haben kann. Dieser Mann sitzt nämlich im Gefängnis. Hat sich die Spurensicherung geirrt? Kann der Mann durch Wände gehen? Zweimal Nein. Also muss was faul sein im fiktiven Zuffenhausener Knast.

Szenenbild Tatort „Freigang“; Foto: SWR/Johannes Krieg
SWR/Johannes Krieg

Kollege Lannert ermittelt Undercover und freundet sich mit dem jungen Wärter Scheffler an. Der erhängt sich wenig später. „Mach’s da unten besser, als hier oben, Scheffler“, so lautet der Kurzkommentar seines Chefs bei der Beerdigung. Der King, wie der Sicherheitschef genannt wird, ist eine Ratte, ein mieses Schwein und ich glaube Herbert Knaup hatte Spaß dran, den zu spielen. Jedenfalls ist er in dieser Rolle absolut überzeugend.

Wenn schon Dialekt, dann bitte richtig!

Weniger überzeugend ist dagegen der schwäbische Dialekt der Gefängnisdirektorin. In diesem Tatort wird wieder mehr geschwäbelt. Ich habe kein Problem damit. Aber dann muss man das auch können, sonst klingt’s albern.

Eher beängstigend ist die Story des Tatorts um die verschworene Gemeinschaft im Knast, „die Familie“, in der Geld, Erpressung und Abhängigkeiten fatale Folgen haben.

Bei den Kommissaren menschelt es zunehmend

Ab und zu hat die Story zwar Längen und zu wenige beeindruckende Bilder, dafür ein spannendes Finale und es menschelt zunehmend im Stuttgarter Tatort.

Kommissar Bootz ist völlig von der Rolle, erzählt beim konspirativen Treffen im Bordell was von Zähne putzen vor dem Schlafen gehen, was wiederum Lannert nervt. „Könntest du bitte, so lange du hier im Puff bist, ein bisschen überzeugender den erschöpften Freier spielen, anstatt mit deinen Kindern zu telefonieren?“, bittet er ihn. Aber Bootz leidet eben wie ein Hund, weil seine Frau jetzt endgültig die Scheidung eingereicht hat. Und wenn wir ihn die 90 Minuten begleitet haben und er am Schluss behauptet, dass er sich an den Zustand des Alleinseins gewöhnen wird, dann wissen wir, dass das gelogen ist.

Gedreht wurde übrigens in einem echten Gefängnis, in Göttingen. In Baden-Württemberg ist so ein Dreh in einer Vollzugsanstalt nämlich nicht erlaubt.

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Brigitte Egelhaaf
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