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Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
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In seinem dritten Tatort gerät Wotan Wilke Möhring in Konflikt mit der Bundespolizei. „Kaltstart“ entpuppt sich als komplexes Flüchtlingsdrama, bei dem die Ermittler selbst zwischen die Fronten geraten.

Ein verlassener Containerhafen, eine einsame Fischerhütte, ein scheinbar schlafender Mann auf dem Sofa, zwei Polizisten mit gezogener Waffe – und dann der Schwenk auf eine Zeitschaltuhr. „Scheiße“ ist das letzte Wort der Polizistin, dann explodiert die Bombe. Der schlafende Mann und die beiden Polizisten sind tot.

Taort-Kaltstart; Foto: daserste.de

Der neue Fall für die Ermittler aus Bremen: Bei einer Gasexplosion in der Nähe eines Containerterminals kommen ein Menschenhändler und zwei Polizisten ums Leben.

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Zwischen Pflicht und Befangenheit

Doch wem galt die Tat? Der Mann auf dem Sofa war Manager bei der Hafenlogistik und stand im Verdacht, Flüchtlinge aus Afrika nach Europa zu schleusen. Die tote Polizistin war die „Ab-und-zu-Spaß-haben-Freundin“ von Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring).

Tatort-Kaltstart; Foto: daserste.de

Die Flüchtlinge haben Angst. Werden Sie abgeschoben?

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Deshalb trauert der Ermittler, ist ständig gereizt und lässt das an seinen Kollegen aus. Dadurch entsteht eine miese Stimmung in der Truppe. Und dann kommt die Depressivitäts-Spirale so richtig in Schwung.

Ein Flüchtlingskind wird seinem Vater entrissen, ein pleitegegangener Spediteur dreht durch und wird richtig irre. Die Kollegin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) hadert mit ihrem neuen Job, weil sie Flüchtlinge festnehmen muss, die dann abgeschoben werden.

Zu viele Themen in kurzer Zeit

Ich kann mich diesem Elend allerdings nicht völlig hemmungslos hingeben und ins Sofakissen weinen, weil ich mich auf die vielen Facetten der Story konzentrieren muss: Arbeitslosigkeit, Verzweiflung, Pleiten und ein Flüchtlingsdrama. Fast vergesse ich, dass es eigentlich „nur“ um einen Mord geht. Da tauchen afrikanische Milizionäre auf, während auf meinem Fernseher ständig grünliche Aufnahmen einer Überwachungskamera laufen.

Fazit

Es ist ein bisschen zu viel von allem. Zu viel Elend, zu viel Schwermut, zu viel reingepackt und letztendlich zu viele offene Fragen. Von mir gibt es für „Kaltstart“ nur zwei von fünf Elchen.

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Brigitte Egelhaaf
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