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Bertram Quadt
Bertram Quadt; Foto: SWR3
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Tatort Konstanz, Leiche am Bodensee-Ufer. Soweit, so standard. Doch der tote Arbeitslose hat eine Flasche edelsten Wein in der Tasche – den Kommissarin Klara Blum im Dienst ausbechert.

Ermittler am Fundort der Leiche.; Foto: ARD-Foto/SWR/Peter Hollenbach

Klara Blum und Kai Perlmann müssen den Mord an einem Arbeitslosen klären. Der Gerichtsmediziner hat die Leiche untersucht. Im Rucksack des Toten: Eine verschlossene Flasche Wein, die den Ermittlern besonders vorkommt.

ARD-Foto/SWR/Peter Hollenbach

Obacht – es wird geschichtlich, es wird landesgeschichtlich, es wird literaturgeschichtlich – und es wird ein historischer Reinfall.

Am Seeufer liegt ein Toter – so geht's in Konstanz eigentlich immer los, wenn Tatort ist. Diesmal nicht, der Tatort beginnt am 12. April 1848. Die „Freie Republik Baden“ wollte Friedrich Hecker an dem Tag in Konstanz aufrufen, aber das ging bekanntlich in die Hosen. Warum, das erfährt der Zuschauer später.

Ein Toter mit einer berühmten Weinflasche

Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff; Foto: ARD Foto/SWR/Peter Hollenbach

Zeitsprung: Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff irrt durch das nächtliche Konstanz der 1848er Jahre.

ARD Foto/SWR/Peter Hollenbach

Jetzt liegt erst mal der übliche Tote im Konstanzer Hier und Jetzt am Seeufer: ein Arbeitsloser, ermordet, mit einer historischen Weinflasche in der Tasche. Soll angeblich der Hochzeitswein der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff gewesen sein, die 1848 einen gewissen Nikolaus Levin hätte heiraten wollen.

Das ist zwar völlig frei erfunden, aber sei's drum. Es beginnt wildes Ermitteln. Im Zentrum dieser Ermittlungen stehen eine noble Schweizer Auktionatorin, ein Weinpapst vom Bodensee, ein schmieriger Wäschereibesitzer und eben der Droste-Hülshoff-Wein. Offenbar haben die Drehbuchautoren ein wenig zu tief in diversen Weinflaschen recherchiert, denn dieser Tatort birst vor gut gesetzten Schwachsinnigkeiten.

Da wird beispielsweise eine dieser Hochzeitsweinflaschen verkostet. Jahrgang 1832. Der Weinpapst jubelt sich fast zum Orgasmus über den Wein und seine krautigen Salznoten, bis er zum abschließenden Urteil kommt: „Ein Hauch von Verwesung. Der ist echt“. Ah ja. Der Wein wird als Château Lafite-Rothschild hingestellt. Dummerweise ging Château Lafite erst 1868 an Rothschild. Aber was soll's...

Unglaubwürdig gestrickt, nur der Kommissar glänzt

Und übrigens: die Ausrufung der Republik Baden ging nicht in die Binsen, weil der Adel was dagegen hatte. Nein, sondern weil der Geliebte von Annette Droste-Hülshoff lebendig eingemauert wurde, und weil er eigentlich nicht der Geliebte der ollen Hülshoff war, sondern in Wahrheit der Lover des badischen Revolutionärs Hecker!

Dazu noch ein unglaubwürdig gestrickter Fall und eine Kommissarin Blum, die erst das Hauptbeweismittel, nämlich den Hochzeitswein, im Dienst bei einer Weinprobe ausbechert, sich dann in ihren Schweizer Kollegen verknallt und darüber hinaus kuhäugig-glotzend verliebt durch die Szenerie wandelt.

Kai Perlmann in der Bibliothek; Foto: ARD-Foto/SWR/Peter Hollenbach
ARD-Foto/SWR/Peter Hollenbach

Will das jemand sehen? Nein, der ist grausam schlecht, dieser Tatort. Lediglich Sebastian Bezzel als Perlmann – sowieso die Bank des Konstanz-Teams – und Uwe Bohm als schmierig-fieser Wäschereibesitzer reißen noch was raus, nämlich zwei von fünf Elchen.

SWR3-Elchcheck

Titel:
Château Mort
Sendetermin:
08.02.2015, 20:15 Uhr
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