Autor
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer; Foto: SWR3
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Es ist mal wieder Nacht im Tatort, wie so oft. Dieses Mal befinden wir uns auf Streife mit drei Polizisten: Ein erfahrener alter Kollege, eine junge hübsche Beamtin, aber schon ein paar Jährchen dabei, und ein Polizei-Praktikant. Der Anfänger ist Tolja Rubin, der Sohn von Kommissarin Nina Rubin. Dies lässt die Fallhöhe dieses Tatorts schon erahnen: Tolja mag die Mordkommission nicht!

Die Straße mit ihrer ganzen Aufregung, der Herausforderung, aber auch dem Dreck und den Abgründen, das ist Tolja viel lieber. Die Drei müssen zu einer Ruhestörung, die irgendwie gar keine ist. Alles an der Haustür ist merkwürdig. Sie entschließen sich, in die Wohnung einzudringen. Wenige Sekunden später schauen die Drei in den Lauf von mehreren Pistolen, denn die beiden Bewohner sind etwas … heute würde man sagen „aggro“ drauf.

Szenenbilder aus dem Tatort

Szenenbilder Tatort Der gute Weg; Foto: © rbb/Stefan Erhard

Nächtlicher Streifendienst in Berlin: Polizeihauptmeister Harald Stracke mit seinen jungen Kollegen Tolja Rubin und Polizeimeisterin Sandra Ehlers. © rbb/Stefan Erhard

© rbb/Stefan Erhard

Ein paar Sekunden später ist alles ruhig, die ganze Szenerie vorbei, denn es gab eine größere Schießerei, mehrere sind tot oder verletzt. Aus der Ruhestörung wurde also ein Schlachtfeld – so kann sie sein, die Straße, die sich der Sohn von Nina Rubin irgendwie anders vorgestellt hat. Zu allem Überfluss muss seine Mutter sofort zu diesem Schauplatz. Sie soll gemeinsam mit ihrem arroganten Macho-Kollegen ermitteln, der in dieser Tatort-Handlung wirklich völlig überflüssig ist. Mehr und mehr stellt sich heraus, dass sich fast alle fünf Personen kannten – und auch erkannten. Nicht jeder der Überlebenden gibt das offen zu.

Der ganz normale Wahnsinn auf Streife

Der Tatort aus Berlin zeigt nicht nur das alltägliche Drama ganz normaler Streifenpolizisten, jenen Menschen, die an der Basis als unterbezahlte Beamte wirklich hart für uns alle und für das Funktionieren der Gesellschaft arbeiten, oft mit viel Leidenschaft und Freundschaft. Der Tatort führt uns auch in die Zusammenhänge, die entstehen, wenn man nur lang genug Streife fährt: Kollegen kennen sich und vertrauen sich blind. Fast immer ein Vorteil, manchmal aber nicht. Täter und Polizisten kennen sich oft. Auch fast immer ein Vorteil, manchmal aber nicht. Abhängigkeiten und Routinen entstehen auf der einen Seite, auf der anderen bleibt der Rechtsstaat und Gerechtigkeit, was nicht immer dasselbe ist.

Konzentration ist gefragt

Alle fünf Beteiligten der Schießerei, die Guten wie die Bösen, haben Vorgeschichten, die sich im Laufe der 90 Minuten ineinander verweben, und das bedeutet für uns Zuschauer: Hier müssen wir besonders gut aufpassen, damit wir den Anschluss nicht verlieren.

Der Tatort ist eher traurig, schicksalhaft, nah am echten Leben eben und dem harten Job der Polizeistreifen. Als Zuschauer hätte ich mir zwar gewünscht, dass die Geschichte leichter und schneller zu verstehen ist, andererseits entschädigt das wirklich grandiose Ende, dass wir aufmerksam geblieben sind. Ordentliche Sonntag-Abendunterhaltung, wirklich guter Durchschnitt, wenn man melancholische Tatorte mag.

Autor
Stefan Scheurer
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SWR3