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Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
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Batic und Leitmayr machen einen Ausflug ins niederbayerische Grenzland. Tolle Bilder, witzige Dialoge, schräge Typen, aber leider ein bisschen wenig Spannung.

Florians Mutter ist sich sicher: Die waren es, die haben ihren Florian umgebracht. Diese Reichsbürger, mit denen ihr Sohn in dem niederbayerischen Dorf Traitach zusammen gelebt hat. Dort haben sie, die die Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen, ihren eigenen Staat gegründet. Einen alten Hof großflächig umzäunt und das Grundstück „Freiland“ genannt.

„Unser Toter. Unsere Fragen.“

Und so begeben sich Batic und Leitmayr aus dem brodelnden München raus aufs Land. Bayern ist groß und nach drei Stunden nerviger Autofahrt mit Schweigen und dem gegenseitigem Aufdrängen des jeweils anderen Musikgeschmacks, erreichen sie Traitach. Ein fast ausgestorbenes Dorf nahe der tschechischen Grenze. Verlassen, verloren, vergessen, verfallen. „Ist doch hübsch hier“, meint Batic. Ja, wer es morbide mag ….

Ein Polizeiposten mit Metzgertheke

Ich liebe das bayerische Tatortteam mal wieder für die gelungene Ausstattung. Dieses mal in dunkelbeige, braun und dunkelgrün, stimmungspassend bis ins kleinste Vorhangdetail. Die Bilder sind wieder toll, wie gemalt teilweise. Die Idee, den Polizeiposten von Traitach in einer einstigen Metzgerei unterzubringen ist klasse. Es gibt viel Platz für Betriebssport. Auch während der Arbeitszeit können die beiden ortsansässigen Polizisten hier prima Tischtennis spielen.

„Der Ludwig zieht die an, wie der Mist die Fliegen.“

Der Chef der Reichsbürger hält derweil gerne beim Abendessen große Reden und das Ambiente erinnert nicht zufällig an da Vincis Abendmahl-Gemälde. Neue Mitglieder wirbt Ludwig, der Reichsbürger-Anführer, bei der Infoveranstaltung im Saal des Gasthauses. „Schon einmal auf den Ausweis geschaut?“ fragt er. Da stehe Personalausweis und das seien die Bürger in den Augen der Bundesregierung ja auch. Personal. Nichts weiter. Parolen wie diese kommen an.

Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Ivo Batic (Miroslav Nemec); Foto: BR/Hendrik Heiden/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH

Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr und Kriminalhauptkommissar Ivo Batic stehen vor dem verschlossenen Eingangstor zum "Freiland"-Gelände.

BR/Hendrik Heiden/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH

Die einzige Zeugin ist nachtblind

Die Dorfpolizei isst nach dem Tischtennis gern gegenüber im Gasthaus Schweinsbraten. Anzeigen, Gegenanzeigen, die beiden haben resigniert, weil die Reichsbürger alle Paragraphen und Vorschriften kennen, es aber auch in diesem Fall um den toten Florian nur eine Zeugin gibt. „Eine Nachtblinde, die im Dunkel nicht mal mehr einen Traktor von einer Kuh unterscheiden kann.“

„Die scheißen drauf, von dir eine Meinung zu hören!“

Freies Land ist kein Tatort über Reichsbürger, Freies Land ist ein Krimi, der in der Reichsbürgerszene spielt. Daran muss der Batic den Leitmayr aber auch ab und zu erinnern. Die Geschwindigkeit des Films passt sich dabei der im verlassenen Dorf an. Das ist aber völlig o.k. für einen entspannten Fernsehabend zum Wochenendausklang. Schöne Bilder, tolle Ausstattung, ein vertrautes Ermittlerteam mit seinen Macken, Sigi Zimmerschied als Dorfpolizist. Dafür gibt es jeweils einen Pluspunkt. Abziehen muss ich aber leider auch noch was, denn so ein  bisschen Spannung habe ich beim Tatort schon ganz gerne.

Macht 3 von 5 Elche für den Tatort Freies Land.

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Brigitte Egelhaaf
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SWR3