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Stefan Scheurer
Stefan Scheurer; Foto: SWR3
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Til Schweiger spielte zwar mit, nur anders als sonst. Es explodierten keine Häuser oder Autos. Eine ruhige Nordseestimmung zog bei Kommissar Nick Tschiller ein. Hat der weichgekochte Actionheld überhaupt noch richtig Spaß gemacht?

Es ist mal wieder Nacht im Tatort. Auf einer Raststätte gerät ein Polizeiauto mit Kronzeugen unter Beschuss, es geht also erst mal richtig zur Sache in diesem Nick-Tschiller-Tatort. Die Situation ist dramatisch, nicht alle überleben. Offensichtlich gibt es einen Maulwurf, der die Kronzeugen verraten hat.

Doch keine Auszeit für Tschiller?

Zuständig für das ganze Schlamassel ist Kommissar Yalcin Gümer. Nach dem Überfall ist er mit einem verbliebenen Kronzeugen auf der Flucht und will ihn bei seinem alten Kommissar-Kumpel Nick Tschiller verstecken. Praktischerweise nimmt sich der gerade eine Auszeit auf der Nordseeinsel Neuwerk und kümmert sich – wie kann es anders sein – um sozial auffällige Kinder.

Tatort mit Til Schweiger: Szenenbilder aus Tschill Out

Szenenbild aus dem Tatort „Tschill Out“; Foto: NDR/Christine Schroeder

Tom stellt Eddie zur Rede.

NDR/Christine Schroeder

Weniger Action, trotzdem spannend

Ab da beginnt ein Katz- und Mausspiel. Das ist spannend und wirklich top gespielt, gar nicht so vernuschelt wie sonst – nur fliegt halt einfach nichts mehr in die Luft, der Blutfluss unter Tatort-Durchschnitt. Und das ist dann eben doch eine Riesenüberraschung. Denn Till-Schweiger-Tatorte standen bisher für Action, für explodierende Häuser und schnelle, moderne Schnitte, für Aufwand in der Produktion. Dieses Mal nicht.

Schweiger-Tatort: Netflix adé!

Während sich die ARD mit den bisherigen Schweiger-Tatorten an Netflix- und Amazon-Prime-Zuschauer gewandt hat, ist der Tatort hier einfach nur soft, die Machart ist traditionell und solide. Die Kommissare wirken plötzlich austauschbar (vor dem Hintergrund, dass auch andere auf dem sehr hohen Niveau dieses Tatort-Duos spielen). Es ist durchschnittliche Tatort-Kost. 

Nachdem sich Til Schweiger erst vor Kurzem über den HR-Tatort lustig gemacht hat („Jede Folge der Augsburger Puppenkiste war glaubwürdiger, besser gespielt und vor allem spannender!“), darf man doch eigentlich bei ihm etwas mehr erwarten, oder? Eine Gesamtnote ist dieses Mal schwer zu ermitteln: Für Fans vom Actionheld Nick Tschiller ist es eine krasse Enttäuschung. Alle anderen Tatort-Gucker allerdings werden es sicher mögen.

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Stefan Scheurer
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SWR3