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Ein Psychologe wird in seiner Praxis erschlagen, zwei kurdische Brüder basteln in einem Hinterhof an Spielzeugdrohnen rum, ein wichtiger US-Politiker landet auf dem Stützpunkt in Ramstein und eine junge Soldatin wirkt fahrig und nervös.

Man braucht ein bisschen, bis man die losen Zipfel der Geschichte sortiert bekommt. Aber dann erfahren wir mehr über die Drohnenbastler. Die Brüder haben Angehörige im Irak verloren, weil US-Drohnen Bomben über ihrer Heimat abgeworfen hatten. Ein Trauma für die beiden Brüder. Und wer ist für so ein Kriegs-Trauma zuständig? Richtig! Der ermordete Psychologe war genau dafür Spezialist.

Ein Rachefeldzug?

Er behandelte nicht nur Afghanistan-Rückkehrer der Bundeswehr und Kriegsflüchtlinge, sondern ebenso in Deutschland stationierte US-Soldaten. Jetzt bekommt also auch der Besuch des US-Politikers eine Bedeutung, offenbar der Mastermind für die amerikanische Drohnenpolitik. Aber was hat das mit Ramstein zu tun? Der Tatort spielt hier mit einer Geschichte, die vor ein paar Jahren von ARD-Journalisten aufgedeckt wurde. Es ging um die Rolle des rheinland-pfälzischen Militärstützpunktes im internationalen Kampf gegen den Terrorismus. Und damals musste die US-Regierung zugeben, dass Ramstein bei Drohneneinsätzen im Irak oder Afghanistan eine zentrale Funktion hat.

Tatort KW 49 - Vom Himmel hoch; Foto: © SWR/Alexander Kluge
© SWR/Alexander Kluge

Ein Polit-Thriller mit wahren Elementen

Damit hätten wir dann alle Zutaten für einen grundsoliden Polit-Thriller. Mit Mord, mit Anschlagsplänen und Verschwörungstheorien. Das Grundthema – moderne Kriegsführung, Drohnentechnik und die damit verbundenen psychischen Verletzungen aller Beteiligten – ist grundsätzlich sehr spannend. Die Umsetzung dagegen wirkt oft überkonstruiert, zu plakativ. Am Ende dröhnt das Wort Drohne aus jeder Filmminute. Ja wir haben es begriffen, wie schlimm die Dinger sind, ein bisschen weniger Holzhammer wäre mehr gewesen.

Mit Holzhämmern auf Drohnen

Aber was Gutes hat diese neue Odenthal-Folge. Der ewige Zickenkrieg mit Kollegin Johanna Stern ist endlich rum. Hat ja ohnehin keiner verstanden, warum die sich ständig mit Gift bespritzt haben. Vor allem jetzt, nachdem Ex-Partner Kopper weg ist. Hier wird’s dann nochmal echt schwülstig, als Lena zärtlich über das Spielzeug-Modell eines alten Lancia streichelt, sich an den „alten Einzelgänger“, den „echt guten Polizisten“ erinnert, und von der „Neuen“ getröstet werden muss. Johanna Stern will sogar Tränen Lenas Gesicht runterlaufen sehen, bekommt dafür aber nur ein halbentschlossenes „Übertreib mal nicht!“ entgegnet. Gefühle und Emo-Kram bei der Odenthal?

Sie sind endlich ein Team

Soweit kommts noch. Aber es wirkt tatsächlich so, als würde aus den beiden Mädels doch noch ein Team. Und damit könnte die Odenthal dann auch wieder ihre alten Grundtugenden ausspielen. Geradeaus – tough – klug - willensstark. Das deutet sich in dieser Folge zumindest an. Dafür gibt’s drei von fünf Elchen. 

Autor
Peter Knetsch
Autor
SWR3