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Bertram Quadt
Bertram Quadt; Foto: SWR3
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Vor 46 Jahren gab es den ersten Tatort überhaupt im Fernsehen. Jetzt, 46 Jahre und 999 Tatorte später ist Jubiläum: am Sonntag wird der 1000. Tatort gesendet, und der heißt auch noch genauso wie der erste: „Taxi nach Leipzig“. SWR3 Tatortchecker Bertram Quadt hat sich den schon mal angeschaut.

Klaus Borowski – ja, der Tatortkommissar aus Kiel – und Charlotte Lindholm – ja, die Tatortkommissarin aus Hannover – sitzen auf einer drögen Fortbildung in Braunschweig und wollen dringend heim. Sie nehmen sich gemeinsam ein Taxi, in das dann auch noch der nervende Borowski-Kollege Affeld einsteigt, der dann gleich mal vom Fahrer umgebracht wird, eben weil er so furchtbar nervt.

Die beiden anderen Kommissare gucken zu und bleiben brav als Geiseln hinten sitzen. Damit beginnt die Fahrt nach Leipzig, wo der Taxifahrer noch eine Rechnung mit seinem Chef offen hat, der ihm die Freundin ausgespannt hat.

Tatortcheck „Taxi nach Leipzig“; Foto: © NDR/Meyerbroeker
© NDR/Meyerbroeker

Gedankenmonologe statt Roadmovie

Das klingt jetzt erst mal nach Roadmovie und damit gar nicht übel, aber: Erstens findet das alles nachts statt, zweitens laufen dauernd Gedankenmonologe der drei Protagonisten im Off, und drittens nervt das nach ungefähr fünf Minuten. Es gibt einige kleine Lichtblicke in dieser Nabelschau, nämlich als Maria Furtwängler alias Lindholm – auch bekannt als eiskalter Kontrollfreak – ihr Fett für ihre Psychospielchen abbekommt. Aber nebenher häufen sich halt auch echte Unerträglichkeiten.

Wenn beispielsweise Borowski mit einem zerbröselten Butterkeks den Fahrer außer Gefecht setzt. Dann kommt auch noch der böse Wolf aus genau dem Wald, in den sich Hänsel und Gretel – pardon: Klaus und Charlotte – verirrt haben, und spätestens dann will man eigentlich abschalten. Da hilft es auch nicht, dass die drei Hauptdarsteller des allerersten Taxi-nach-Leipzig-Tatorts in der 1000. Folge Ehrenauftritte bekommen und zum Abschluss hohe Worte ans Publikum gerichtet werden.

Kammerspiel statt Tatort

Mit Tatort hat das alles in dieser Jubiläumsfolge nichts mehr zu tun. Da wurde wieder mal der Versuch eines Kammerspiels im Fernsehfilm unternommen. Und warum dazu ausgerechnet Borowski und Lindholm herhalten mussten, die ungefähr so gut zusammenpassen wie Senf und Lebertran, das weiß Gott. Möglicherweise. Sicher kann man das nicht sagen.

Sicher ist nur: den 1000. Tatort muss man nicht gesehen haben. Ein Elch, nicht mehr, und auch den nur als Jubiläumsgeschenk.

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Bertram Quadt
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