Autor
Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
Stand:

Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink ermittelt dieses Mal in der Welt der Gehörlosen. Tatort-Checkerin Brigitte Egelhaaf wünscht sich eine Reset-Taste für den saarländischen Tatort. Warum, erfahrt ihr hier.

Langsam, liebe Saarbrücker, schafft ihr es wirklich, dass ich Kommissar Stellbrink nicht mehr mag. Seine Mitakteure fand ich schon immer etwas hölzern. Die Sätze, die man ihm in den Mund schrieb, eher flach. Aber jetzt wolltet ihr seinen Charakter weiterentwickeln. Und jetzt stimmt gar nix mehr. Da wird der freundliche, ja manche sagen auch drollige, yogatreibende Stellbrink auch noch zum ungerechten Chef und fiesen Polizisten. Jede Kosmetikerin weiß, dass man mehr erreicht, wenn man positiv Vorhandenes betont und nicht einfach noch mehr Schmodder auf Unvorteilhaftes drüber klatscht. Gegen so viel „Charakter-Rumgedoktere“ kann selbst ein Devid Striesow nicht mehr anspielen.

Szenenbilder aus „Totenstille“; Foto: SR/Manuela Mayer

Eine Frau kommt beim Sex im Hotelzimmer ums Leben. Georg, ihr Sex-Partner, ruft einen Freund an, um die Leiche zu entsorgen.

SR/Manuela Mayer

Die zweite Leiche gibt's beim Sex

Dabei ist die Idee des Tatorts wirklich gut. Während der erste Tote beerdigt wird, gibt es die zweite Leiche beim Sex. Und weil ein Gehörloser Lippen lesen kann, nimmt das Drama seinen Lauf. Es gibt noch eine Tote und immer wieder hört der Zuschauer so wie die Gehörlosen: entweder gar nichts oder wenig. Das fand ich gut und auch die gehörlosen Laienschauspieler haben ihren Job gut gemacht. Dass auch die Verhöre in Gebärdensprache hin und her übersetzt werden, das stört überhaupt nicht. Mira-Esther Weischet, hauptberuflich Gebärdendolmetscherin, macht das klasse. Aber dann fallen Sätze wie: „Von Taubheit spricht man, wenn jemand etwa im Bereich von 250 bis 4000 Hertz einen Hörverlust von 100 Dezibel hat.“ Die gehören für mich so in eine Doku und nicht in einen Tatort. Das ist alles gut gemeint und es gibt auch wirklich gute Momente in diesen eineinhalb Stunden. Es gibt aber auch Längen und, nein, es ist kein gutes Zeichen, wenn ich mir während einer Hausdurchsuchung im Fernsehen überlege, was man in meinen Schubladen finden könnte und ob ich nicht doch mal ausmisten soll.

Der Stille sei Dank

Sagen wir es so: Die stärksten Momente sind die, in denen nicht gesprochen wird. Ach Devid, ich weiß nicht mehr, was ich dir raten soll. Eine Reset-Taste für den Tatort aus dem Saarland vielleicht? Ansonsten wär ich dann mal weg.

SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

Diverses Tatortcheck "Totenstille"

Dauer