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„Narben“ heißt der neue Fall der beiden Köln-Kommissare Ballauf und Schenk. Trotz des schwachen Anfangs ein sehr spannender und vor allem sehr bewegender Krimi, meint Tatort-Checker Peter Knetsch.

Innerhalb weniger Tage sterben zwei Menschen aus dem Kongo in Köln. Sie können unterschiedlicher nicht sein. Patrick Wangila, ein geflüchteter Arzt mit neuem Job im Kölner Klinikum und gutbürgerlich deutsch verheiratet, wird in einem Park erstochen. Eine Beziehungstat? Ausländerhasser? Neonazis? Ballauf und Schenk sind ratlos.

Fotos: Tatort „Narben“

Fotos: Tatort „Narben“ (Foto: WDR/Uwe Stratmann)
Gerade am Tatort auf dem Klinikgelände eingetroffen: Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk. WDR/Uwe Stratmann Bild in Detailansicht öffnen
Denn dort wurde der aus dem Kongo stammende Arzt Dr. Patrick Wangila erstochen. Dr. Joseph Roth liefert eine erste Einschätzung zum Tathergang. WDR/Uwe Stratmann Bild in Detailansicht öffnen
Erste Hinweise deuten auf eine Beziehungstat hin: Der aus dem Kongo stammende Arzt war mit einer Deutschen verheiratet, offensichtlich hatte er aber eine Affäre. WDR/Uwe Stratmann Bild in Detailansicht öffnen
Schnell haben Ballauf und Schenk seine Witwe Vivien Wangila im Visier. WDR/Uwe Stratmann Bild in Detailansicht öffnen
Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk überbringen Dr. Sabine Schmuck die Nachricht vom Tod ihres Kollegen. WDR/Uwe Stratmann Bild in Detailansicht öffnen
Doch auch Wangilas Klinik-Kollegin Dr. Sabine Schmuck und die Krankenpflegerin Angelika Meyer verstricken sich in Widersprüche. WDR/Uwe Stratmann Bild in Detailansicht öffnen
Da erscheint Théo Wangila auf der Bildfläche. Wie sein Bruder Patrick wurde auch er vor einigen Jahren als Kriegsflüchtling anerkannt und hat sich in Köln eine neue Existenz aufgebaut. Nun will er auf eigene Faust ermitteln, wer seinen Bruder WDR/Uwe Stratmann Bild in Detailansicht öffnen

„Rassismus, Hass, die Angst ist immer da. Das ist Flüchtling.“

Kurz zuvor stürzt die junge Kongolesin Cecil in einem Flüchtlingsheim die Feuertreppe runter und bricht sich das Genick. Möglicher Grund: Panik bei einer Polizeirazzia, denn die dazugehörige Truppe scheint nicht gerade zimperlich zu sein. Wir haben also unterm Strich zwei tote Flüchtlinge, die böse Polizei und dann fällt da ein Satz aus dem Betroffenheit-Phrasen-Buch: „Rassismus, Hass, die Angst ist immer da. Das ist Flüchtling.“ Worte vom Bruder des Opfers, so richtig glauben will man sie ihm nicht.

Erst oberflächlich und fade

Bisher kommt die Geschichte nicht richtig in Fahrt, sie bleibt oberflächlich und fade. Vielleicht habe ich aber auch eine gewisse thematische Überdosis wegen der vielen Tatorte mit, naja, Migrationshintergrund. Aber aus der Oberflächlichkeit wird plötzlich Tiefgang. Da, wo es um die Schicksale, die Vergangenheit der Menschen aus dem Kongo geht – dieser vergessene Konflikt, der von so vielen anderen, jüngeren Gräueln der Welt an den Rand gedrängt wird. Bei der Obduktion der toten Kongolesin sehen die Kommissare Narben von Folterungen, die selbst das Kölner Pathologen-Urgestein Dr. Joseph Roth ganz leise werden lassen. „Sowas habe ich lange nicht mehr gesehen.“

Nichts für ganz junge Tatort-Zuschauer

Beklemmend, man möchte wegschauen und weghören, man kann es aber nicht. Narben als Zeugen für ein Grauen, das im Kongo vor allem Frauen und Kinder trifft. Gewalt, die man im Film nicht unmittelbar sieht, über die nur erzählt wird und die trotzdem – oder gerade deswegen – ganz nah wirkt. Plötzlich wird unser unübersichtliches, waberndes Flüchtlingsbild an einem einzelnen Puzzleteil dramatisch persönlich. Es geht auf einmal nicht mehr um grapschende Nordafrikaner, potentielle Terroristen oder um wirtschaftsschmarotzende Wer-auch-immer. Es geht um Menschen, die vor Verfolgung, Mord und Folter fliehen. Punkt. Trotz des schwachen Anfangs ein sehr spannender und vor allem sehr bewegender Krimi. Nichts für ganz junge Tatort-Zuschauer. Vier von fünf Elchen.

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