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Auch der Kölner Tatort mit Ballauf und Schenk thematisiert die Flüchtlingskrise – mit dem Aspekt: Selbstjustiz. SWR3-Tatortchecker Peter Knetsch hat sich „Wacht am Rhein“ angeschaut.

Tatort: Wacht am Rhein - Szenenfotos (Foto: WDR / Thomas Kost)
Lars Deisböck wurde bei einem Überfall auf den Laden seines Vaters erschossen. Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk erfahren von Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth, wie der junge Mann ums Leben kam. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Trauern um ihren erschossenen Sohn: Peter und Katharina Deisböck. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Dieter Gottschalk führt das Kommando bei der Bürgerwehr "Wacht am Rhein". Die nächtlichen Patrouillen sind gut organisiert. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Dieter Gottschalk will seinem Freund Peter Deisböck helfen und eine Mahnwache für dessen getöteten Sohn organisieren. Doch Katharina Deisböck hat Vorbehalte. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Vorbereitungen für eine Mahnwache: Die Bürgerwehr und ihr Wortführer Dieter Gottschalk instrumentalisieren den Mord an Lars Deisböck für ihre Zwecke. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Max Ballauf und Freddy Schenk lesen, was auf den Flugblättern der "Wacht am Rhein" steht. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Dieter Gottschalk will mit der Bürgerwehr für Ruhe und Ordnung sorgen. Rassismus will er sich nicht vorhalten lassen, auch nicht von den Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Für die Mordkommission unterwegs: Tobias Reisser sucht nach Leuten, die den Flüchtigen Khalid Hamidi in letzter Zeit gesehen haben. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Lebensmittelhändler Adil Faras will seine Ruhe im Viertel. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Lebensmittelhändler Adil Faras kann Tobias Reisser nicht weiterhelfen: Die Person auf dem Foto erkennt er nicht. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Khalid Hamidi hatte in der Webdesign Firma von Tabea Fromm ein Praktikum gemacht. Jetzt sucht ihn die Polizei. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Kommissar Max Ballauf hat den Mordverdächtigen Khalid Hamidi geschnappt. Doch Faruk kommt seinem Kumpel zu Hilfe. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen
Fast zu spät: Kommissar Freddy Schenk kommt seinem Kollegen Max Ballauf zu Hilfe. WDR / Thomas Kost Bild in Detailansicht öffnen

Nina und Adil laufen Patrouille. Die junge Mutter und der Besitzer eines Orientladens sind Teil der Bürgerwehr „Wacht am Rhein“. Deutsche, Türken, Alte, Junge, Mütter und Rentner – alle halten in dieser unsicheren Zeit zusammen. Kleinkriminelle sind unterwegs: Dealer und Taschendiebe, deswegen die „Wacht am Rhein“. Aber die Patrouille von Nina und Adil läuft aus dem Ruder. Eine Zoohandlung wird überfallen, es fällt ein Schuss und einer der Hobby-Sheriffs liegt tot am Boden.

Nahliegende Vorurteile

Der Verdacht fällt schnell auf Khalid, einen marokkanischen Flüchtling. Damit ist das Feld für diesen Tatort abgesteckt. Die erwarteten Vorurteile sind schnell thematisiert: Von wegen die Nordafrikaner können sich ja alles erlauben und müssten nichts befürchten und als deutsche Mutter könne man sich nicht mehr auf die Straße trauen. Ganz schön platt, denke ich nach zehn Minuten. Weil: So einfach ist es ja doch nicht.

Alle kriegen einen drauf

Und nach weiteren zehn Minuten merke ich: So einfach macht sich das dieser Tatort auch nicht. Wir kriegen alle einen drauf, alle! Wir Selbsthilfe-Bürger, die wir meinen, uns selbst vor Übergriffen schützen zu müssen. Wir Dauer-Optimisten, die viele Probleme nicht sehen wollen, wir Alles-Vereinfacher. Aber auch die kriminellen Flüchtlinge, die unser Rechtssystem ausnutzen können, und nicht zuletzt die Polizei, die zwischen allen Fronten steht.

Gelebte Integration

Sinnbild für dieses Chaos, in dem wir uns gerade gesellschaftlich bewegen, ist ein großflächiges Plakat am Polizeipräsidium Köln: „Gelebte Integration“ steht da, immer wieder poppt dieses Bild im Film auf. Ein zynisches Statement zwischen Anspruch und Wirklichkeit, so beklemmend und düster und wahr. Alle fühlen sich bedroht und drohen zurück; überall Vorurteile, Hass, Orientierungslosigkeit.

Fazit

Ein schwieriger Tatort, der aber passt wie die Faust aufs Auge – spannend, irritierend, ohne Moralkeule. Und fünf von fünf Elchen bekommt die „Wacht am Rhein“ auch wegen eines coolen, kleinen Gags, der das Düstere dieses Krimis etwas leichter macht: Der Tatort-Melodie-Erfinder Klaus Doldinger bekommt zum ersten Mal in der Kultserie einen Gastauftritt: als Jazz-Straßenmusiker, dem Ballauf und Schenk ein bisschen Kleingeld in den Hut werfen.

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