Keine Zeit für Patienten und schon gar nicht für Pausen. Absolute Arbeitsbelastung, zu wenig Personal. So dramatisch ist die Situation für Krankenschwestern und Pflegepersonal.

Mehr Patienten, zu wenig Personal

*Lena, so heißt die Krankenschwester, mit der wir gesprochen haben, nicht wirklich. Sie möchte anonym bleiben, wir haben den Namen daher geändert. Die im Artikel verwendeten Bilder sind Symbolbilder.

Mehr als 2,8 Mio. Menschen in Deutschland sind auf Pflege angewiesen, bis 2050 könnten es rund 4,5 Mio. sein. Und weil wir immer älter werden, nimmt auch die Zahl der Krankenhauspatienten zu. Seit Jahren sind die Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen ein Thema, auch jetzt wieder im Wahlkampf vor der Bundestagswahl. Wie heftig so ein Krankenhausalltag auf einer Station aussieht, hat SWR3-Reporterin Sarah-Luise Mayer von Lena*, einer Krankenschwester aus dem Kreis Ludwigsburg erfahren. Ein Einzelfall? Vielleicht. Aber einer, der sehr viel über die Arbeitssituation der Menschen aussagt.

Die Arbeitsbelastung steigt von Jahr zu Jahr

5 Nachtschichten auf der Intensivsituation hat Lena gerade hinter sich, als sie mit uns spricht. Alle in Unterbesetzung. Das war nicht immer so: Früher war die Krankenschwester für zwei Patienten zuständig. Heute kümmert sie sich um drei bis vier Menschen gleichzeitig.

Wie soll man da seine Arbeit richtig machen können? Gerade auf Intensivstationen geht es ja oft um Leben und Tod.

Die Krankenschwestern überwachen die schwerkranken Patienten, sind für die Vergabe von Medikamenten zuständig – es ist klar: Da darf kein Fehler passieren.

„Ich bin froh, dass ich niemanden umgebracht habe.“

Lena ist sich dieser Verantwortung bewusst. Schuld sei nicht die Politik, wenn einem Patienten etwas passieren würde – Schuld sei dann sie, oder würde sich jedenfalls selbst dafür verantwortlich machen. Die Schwester fühlt sich überlastet.

Im Moment ist es so, dass ich – wenn ich morgens vom Dienst rausgehe – froh bin, dass ich niemanden umgebracht habe.

Ein enormer Druck, der Nacht für Nacht auf dieser Krankenschwester lastet, aber auch auf vielen ihrer Kollegen und Kolleginnen, die ähnliche Erfahrungen machen.

Keine Zeit für den Patienten

Und selbst wenn nichts schief geht und nichts passiert, fällt der Personalmangel auf die Patienten zurück. Mal am Bett sitzen und reden, Händchen halten und da sein für die Kranken? Das geht oft kaum noch oder gar nicht mehr. Dabei ist genau das – für die Patienten da zu sein, ihnen eine würdevolle Krankheit zu ermöglichen – für viele Menschen in Klinken und in Pflegeheimen ein persönliches Anliegen. Lena ist frustriert: „Meine Aufgabe, bei jemandem zu sitzen, das kommt zu kurz. Und das ist aber das, worauf es eigentlich ankommt.”

Zeitmangel = Krankenhauskeime?

Krankenschwestern wie Lena sehen noch ein weiteres Problem: Es bleibt kaum noch Zeit, um die Patienten umzulagern, die Betten frisch zu machen, den eigenen Körper nach dem Patientenkontakt zu desinfizieren. Dabei geht es hier um Hygienestandards, die gerade für schwerkranke Menschen mit angeschlagenem Immunsystem unglaublich wichtig ist. Und natürlich auch für das Pflegepersonal selbst.

Diese ganzen Krankenhauskeime, die in den letzten Jahren hoch gekommen sind, die kommen nicht aus dem Nichts. So oft wie ich mir die Hände desinfizieren sollte am Tag – das schaffe ich gar nicht!

Keine Hilfe von der Politik

Seit Jahren verspreche die Politik, etwas in Sachen Pflegenotstand zu unternehmen. Mehr Personal, einen besseren Personalschlüssel – also, weniger Patienten pro Pflegekraft. Für Lena sind all die Versprechen leere Versprechen geblieben. Sie stellt für sich fest: Verändert hat sich bisher gar nichts. Noch liebt sie ihren Job, trotz all der Belastungen. Dennoch: Ewig wird sie ihn so nicht weiter machen können. Hoffnung, dass sich etwas bessert? Hat sie im Moment nicht – und ihrer Ansicht nach wird sich auch nach der Bundestagswahl nicht viel ändern.