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Erst wollte Elon Musk Twitter für 44 Milliarden Dollar übernehmen – dann machte er einen Rückzieher. Dagegen hat die Plattform nun Klage eingereicht.

Twitter will den exzentrischen Milliardär Elon Musk gerichtlich zur Übernahme zwingen. Eine entsprechende Klage wurde beim Delaware Court of Chancery eingereicht, teilte Twitter-Verwaltungsratschef Bret Taylor mit. Der Verkauf solle zu dem mit Musk vereinbarten Preis abgeschlossen werden.

Filing here: https://t.co/v3DytG4Cv1 https://t.co/mjbmm6tTMk

Musk: Twitter hat falsche Angaben gemacht

Musks plötzlichen Rücktritt vom Kaufvertrag begründen seine Anwälte damit, dass Twitter falsche Angaben darüber gemacht habe, wie viele Nutzer dort tatsächlich aktiv und wie viele nur Fake-Accounts seien. Der Prozess wird sich nun voraussichtlich um die Frage drehen, ob Musk wirklich vom Kauf zurücktreten kann, weil Twitter angeblich falsche Angaben gemacht hat.

Elon Musk und SpaceX wollen zum Mond (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/dpa-pool | Britta Pedersen)
picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/dpa-pool | Britta Pedersen

Elon Musk wollte von Twitter genaue User-Zahlen

Bereits Mitte April hatte der Tesla- und SpaceX-Chef angekündigt, er wolle Twitter vollständig übernehmen. In Berichten hieß es, der vollständige Kauf würde Musk 44 Milliarden US-Dollar kosten. Zuvor hatte er bereits etwas mehr als neun Prozent der Anteile gekauft und war damit zum größten Aktionär des Dienstes aufgestiegen.

Danach hatte Musk öffentlich angezweifelt, dass wirklich so viele User auf Twitter unterwegs sind, wie von der Plattform behauptet. Er wollte von Twitter erst noch wissen, ob wirklich „nur“ höchstens jedes zwanzigste Profil ein Fake ist. Das Unternehmen soll ihm also die Zahl der echten Nutzer-Profile mitteilen, forderte er. Kritiker vermuteten, Musk wolle durch diese Aussage nur den Kaufpreis drücken.

Musk nannte Corona-Regeln „Faschismus“

Musks Pläne hatten viele besorgt: Denn er sagte zwar, er wolle mit seiner Übernahme die angeblich bedrohte „Redefreiheit stärken“, das Vertrauen in Twitter vergrößern und die „Meinungsfreiheit“ fördern. Sie sei „das Fundament einer funktionierenden Demokratie“. Aber sein eigener Umgang mit dem Thema Twitter und Meinungsfreiheit sorgte für Unruhe, als seine Kaufpläne bekannt wurden.

Über sein eigenes Twitter-Konto förderte Musk seine eigenen Interessen, attackierte Kritiker und äußerte seine Meinung über eine Reihe von teils kontroversen Themen. Im April 2020 bezeichnete der gebürtige Südafrikaner beispielsweise corona-bedingte Ausgangssperren in Kalifornien als „Faschismus“.

Der lockere Umfang mit den Content-Regeln, den er angekündigt hat, weckte die Sorge, dass die Plattform jetzt noch anfälliger für Desinformation, Hassrede und Mobbing werden könnte. Analysten an der Wall Street warnten zudem, dass Musk Anzeigenkunden vergraulen könnte, sollte er zu weit gehen.

Musk wollte „Twitter besser machen als jemals zuvor“

Musk hatte nach dem Übernahme-Deal erklärt, er wolle Twitter „besser machen als jemals zuvor“:

🚀💫♥️ Yesss!!! ♥️💫🚀 https://t.co/0T9HzUHuh6

So hatte das Netz auf Musks Pläne reagiert

Moderator und Satiriker Jan Böhmermann sah mit der Übernahme durch Musk schlechte Zeiten auf Twitter zukommen:

Ende der Woche gehört das hier alles ELON MUSK und dann ist Schluss mit lustig, dann gibt's hier nämlich MEINUNGSFREIHEIT! 🚀

Hier wurde schon sarkastisch über „Alternativen“ nachgedacht:

Wenn Elon Musk Twitter kauft, gehe ich zurück auf Facebook. Keine Lust darauf, dass ein komischer Milliardär die ganze Plattform kontrolliert.

Andere zeigten sich etwas zurückhaltender und wollten abwarten und beobachten:

#ElonMusk kauft Twitter - jetzt erstmal abwarten. Denn die meisten Regeln, die Plattformen sich selbst geben, existieren, damit diese Plattformen überhaupt funktionieren. Best Case: Er hat wirklich einen guten Plan Worst Case: Er lässt Trump & Co wieder frei Dazwischen: Viel

Journalistin Nicole Diekmann hätte eine andere Kauf-Option besser gefunden:

Warum hat #ElonMusk nicht den Kreml gekauft?!

Und hier hat jemand schon eine Idee, was Musk vielleicht als nächstes kaufen könnte:

Elon musk things...😂😂 #ElonMuskBuyTwitter #ElonMusk https://t.co/mzLZVu2Sdc

Trump lobte Musk für dessen Twitter-Pläne

Viele befürchteten, dass Musk von der Lockerung der Inhaltsbeschränkungen spricht – wie die Regeln, die zur Sperrung des Kontos von Ex-Präsident Donald Trump führten. Musk hatte die Sperrung von Trumps Konto damals scharf kritisiert und Twitter vorgeworfen, als „Richter“ über die Meinungsfreiheit zu agieren.

Trump hat indessen angekündigt, er wolle gar nicht zu Twitter zurückkehren. Musk sei aber ein „guter Mann“, der Twitter „Verbesserungen“ bringen könne.

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