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Tesla-Boss Elon Musk will Twitter für 44 Milliarden Dollar übernehmen. Aber zuerst will er noch wissen, wie viele Nutzer dort eigentlich echt sind und keine Fake-Profile.

Der reichste Mann der Welt und Chef des Elektroautobauers Tesla, Elon Musk, hat sich mit Twitter darauf geeinigt, dass er den Nachrichtendienst übernimmt. Dafür will er 44 Milliarden Dollar zahlen. Er ist aber noch darauf angewiesen, dass ihm genug Aktionäre ihre Anteile abtreten wollen.

Jetzt hat Musk außerdem noch kurz auf die Bremse getreten: Er will von Twitter erst noch wissen, ob wirklich „nur“ höchstens jedes zwanzigste Profil ein Fake ist. Das Unternehmen soll ihm also die Zahl der echten Nutzer-Profile mitteilen, fordert er.

Musks Pläne besorgen manche: Denn er sagt zwar, er wolle mit seiner Übernahme die angeblich bedrohte „Redefreiheit stärken“, das Vertrauen in Twitter vergrößern und die „Meinungsfreiheit“ fördern. Sie sei „das Fundament einer funktionierenden Demokratie“. Nur: Was versteht Musk darunter?

Twitter soll wieder an die Börse gehen

Nach Berichten des Wall Street Journals könnte Elon Musk auch die Rückkehr von Twitter an der Börse planen. Zudem sollen bestimmte Nutzer in Zukunft für den Dienst auch zur Kasse gebeten werden. Dazu schreibt Musk selbst auf Twitter, dass der Dienst für normale Nutzer weiterhin kostenfrei bleiben soll. Allerdings könne er sich vorstellen, dass gewerbliche oder staatliche Nutzer in Zukunft dafür zahlen sollen, um Twitter nutzen zu können.

Twitter will always be free for casual users, but maybe a slight cost for commercial/government users

Neue Funktion bei Twitter in der Testphase

In einem Post von Twitter vom 3. Mai 2022 verkündet der Kurznachrichtendienst eine weitere Veränderung: Sie testen nun eine neue Funktion. Mit dem Twitter Circle sollen Nutzer selbst entscheiden können, wer die geposteten Beiträge sehen kann.

Some Tweets are for everyone & others are just for people you’ve picked. We’re now testing Twitter Circle, which lets you add up to 150 people who can see your Tweets when you want to share with a smaller crowd. Some of you can create your own Twitter Circle beginning today! https://t.co/nLaTG8qctp

Trump lobt Musk: Darf er jetzt auf Twitter weiterhetzen?

Viele befürchten, dass Musk von der Lockerung der Inhaltsbeschränkungen spricht – wie die Regeln, die zur Sperrung des Kontos von Ex-Präsident Donald Trump führten. Musk hatte die Sperrung von Trumps Konto damals scharf kritisiert und Twitter vorgeworfen, als „Richter“ über die Meinungsfreiheit zu agieren.

Trump hat indessen angekündigt, er wolle gar nicht zu Twitter zurückkehren. Musk sei aber ein „guter Mann“, der Twitter „Verbesserungen“ bringen könne.

Musk nannte Corona-Regeln „Faschismus“

Über sein eigenes Twitter-Konto befördert Musk seine Interessen, attackiert Kritiker und tut seine Meinung über eine Reihe von Themen kund. Beispielsweise diese: Im April 2020 bezeichnete der gebürtige Südafrikaner corona-bedingte Ausgangssperren in Kalifornien als „Faschismus“.

Der lockere Umfang mit den Content-Regeln, den er angekündigt hat, weckte die Sorge, dass die Plattform jetzt noch anfälliger für Desinformation, Hassrede und Mobbing werden könnte. Analysten an der Walll Street warnten zudem, dass Musk Anzeigenkunden vergraulen könnte, sollte er zu weit gehen.

Dem Twitter-Management geht es ums Geld

Klar ist: Das Twitter-Management selbst beurteilt den Deal rein aus finanzieller Sicht: In seiner Erklärung heißt es, man habe das Angebot mit Bedacht analysiert. Und man glaube, dass dies der beste Weg für die Aktionäre von Twitter sei.

Elon Musk zahlt 54,20 Dollar pro Twitter-Aktie

Nach Angaben des Unternehmens zahlt Elon Musk den Twitter-Aktionären 54,20 Dollar pro Aktie – das sind insgesamt fast 44 Milliarden Dollar. Ein Angebot, das der Tesla-Chef als sein „bestes und letztes“ bezeichnet hatte.

Die milliardenschwere Übernahme ließ die Aktien des US-Kurznachrichtendienstes jedenfalls um 5,7 Prozent auf 51,70 Dollar ansteigen.

Jetzt liegt es an den Aktionären, ob sie das Angebot annehmen. Musk hatte schon im Vorfeld angekündigt, nach der Übernahme Twitter von der Börse nehmen zu wollen.

Twitter hatte sich gegen Kauf durch Musk gewehrt – mit einer Giftpille

Bereits Mitte April hatte Musk angekündigt, er wolle Twitter vollständig übernehmen. Zuvor hatte er bereits etwas mehr als neun Prozent der Anteile gekauft und war damit zum größten Aktionär des Kurzbotschaftendienstes aufgestiegen.

Die konkreten Kaufverhandlungen waren aber erst jetzt in der Nacht auf Montag gestartet. Vergangene Woche hatte der Verwaltungsrat von Twitter noch versucht, eine Übernahme durch Musk zu verhindern – mit einer sogenannten Poison Pill, also einer Giftpille.

Sie verschaffte den aktuellen Aktionären stärkere Rechte, damit sie ihre Anteile nicht an Musk verkaufen. Wenn ein Aufkäufer mehr als 15 Prozent besitzt, sollen die anderen Aktionäre zusätzliche Anteile des Dienstes günstiger kaufen können. Dieser Schritt – die Giftpille – wird immer wieder von Firmen aufgegriffen, die damit eine Übernahme vermeiden möchten.

Aber offenbar hat sich die Stimmung bei Twitter in Bezug auf eine Übernahme durch Musk gewendet.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Musk kauft Twitter – Wie überraschend war die Übernahme?

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Musk „will Twitter besser machen als jemals zuvor“

Elon Musk gehört das Elektro-Autounternehmen Tesla und mit seinem Privatunternehmen SpaceX betreibt er Raumfahrt. Jetzt wird er mit Twitter zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten in der Welt der sozialen Netzwerke. Musk zählt selbst zu den aktivsten prominenten Twitter-Nutzern, er hat rund 83 Millionen Follower.

Musk erklärte nach dem Übernahme-Deal, er wolle Twitter „besser machen als jemals zuvor“:

🚀💫♥️ Yesss!!! ♥️💫🚀 https://t.co/0T9HzUHuh6

So reagiert das Netz auf den neuen Eigentümer

Moderator und Satiriker Jan Böhmermann sieht mit der Übernahme durch Musk das Ende der Meinungsfreiheit auf Twitter kommen:

Ende der Woche gehört das hier alles ELON MUSK und dann ist Schluss mit lustig, dann gibt's hier nämlich MEINUNGSFREIHEIT! 🚀

Hier wird schon über „Alternativen“ nachgedacht:

Wenn Elon Musk Twitter kauft, gehe ich zurück auf Facebook. Keine Lust darauf, dass ein komischer Milliardär die ganze Plattform kontrolliert.

Andere sind erstmal etwas zurückhaltender und wollen abwarten und beobachten:

#ElonMusk kauft Twitter - jetzt erstmal abwarten. Denn die meisten Regeln, die Plattformen sich selbst geben, existieren, damit diese Plattformen überhaupt funktionieren. Best Case: Er hat wirklich einen guten Plan Worst Case: Er lässt Trump & Co wieder frei Dazwischen: Viel

Journalistin Nicole Diekmann hätte eine andere Kauf-Option besser gefunden:

Warum hat #ElonMusk nicht den Kreml gekauft?!

Und hier hat jemand schon eine Idee, was Musk vielleicht als nächstes kaufen könnte:

Elon musk things...😂😂 #ElonMuskBuyTwitter #ElonMusk https://t.co/mzLZVu2Sdc

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 21. Mai, 23:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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