Stand
AUTOR/IN
Martin Thiel
ONLINEFASSUNG
Mirja Raff
Mirja Raff

Sie sind oft grün eingefärbt und suggerieren, besonders nachhaltig zu sein: Biomüllbeutel. Aufgedruckt ist meist die Aufschrift „kompostierbar“. Klingt gut. Aber wie sinnvoll sind die Tüten und wie verhält es sich mit Bio-Papiertüten?

Wer hat die grünen Beutel nicht auch schon mal gekauft und gedacht: „Wie cool – kompostierbar und so hygienisch, nichts weicht durch.“ Doch es gibt da ein Problem: Auch Biokunststoffe brauchen in der Natur teils Jahre, um sich zu zersetzen. In vielen Kompostieranlagen sind sie gar nicht erlaubt. Und das hat mehrere Gründe.

Was ist der Unterschied zwischen „kompostierbar“ und „biologisch abbaubar“?

„Kompostierbar“ heißt zwar, dass Biomüllbeutel theoretisch in Kompostieranlagen unter bestimmten Bedingungen in kurzer Zeit biologisch abbaubar sind, das heißt aber nicht, dass das im Alltag auch funktioniert.

„Biologisch abbaubar“ bedeutet, dass Mikroorganismen die Tüten weitgehend zu Wasser, Biomasse und CO2 zersetzen können. Es heißt aber nicht, dass der Kunststoff auf pflanzlicher Basis hergestellt wurde. Das ist ein Trugschluss. Martin Thiel aus der SWR-Umweltredaktion empfiehlt, immer aufs Kleingedruckte zu achten:

  • Steht auf der Tüte „biologisch abbaubar“, so bezieht sich das nur auf die Abbaubarkeit und nicht auf die Herkunft der Rohstoffe. Das kann zum Beispiel auch Erdöl sein.
  • Steht dort „Biokunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen“, wie zum Beispiel Mais oder Ähnliches, so ist die Tüte auch biobasiert.

Biologisch abbaubare Kunststoffe können, müssen aber nicht, „biobasiert“ hergestellt sein. Biobasiert bedeutet: aus nachwachsenden Rohstoffen. Und beides sollte nicht unbedingt in die Biotonne.

Dre Irrtürmer über Mülltrennung

Kompostierbare Biobeutel sind nichts für die Biotonne

Der Ansatz ist zwar gut: Biomüllbeutel zersetzen sich von allein, müssen nicht mehr recycelt werden, … – aber das funktioniert so leider nicht.

Biomüllbeutel zersetzen sich nur unter bestimmten Bedingungen. In der Natur dauert es oft viel länger als die versprochenen drei Monate. Das schafft man nur unter optimalen Bedingungen in Kompostieranlagen, mit Hilfe von Mikroorganismen und 60 Grad heißen Temperaturen. Die Beutel sind also nichts für den heimischen Kompost – und nicht mal was für die Biotonne. Denn meist sind die Kompostieranlagen vieler Gemeinden nicht ausreichend technisch ausgestattet, um die Biomüllbeutel schnell zu zersetzen.

Außerdem wollen die Kompostanlagen-Betreiber, dass der zu wertvollem Humus zersetze Kompost möglichst schnell wieder als Gartenerde verkauft werden kann. Vollständig zersetzt sind die kompostierbaren Plastiktüten selbst nach längerer Zeit nicht – oft bleiben kleine, dünne Plastikstückchen übrig, hat ein Experiment der Deutschen Umwelthilfe 2022 gezeigt.

Viele Gemeinden verbieten Biobeutel, in manchen gibt es sogar Kontrolleure, die Tonnen stichprobenartig untersuchen.

Biomülltüten haben keine gute Ökobilanz

Hersteller haben zwar reagiert und die Tüten bauen sich jetzt schneller ab, trotzdem bleibt am Ende Wasser und CO2 übrig, keine kompostierbare Erde, wie man sich das wünscht. Das heißt: Biomülltüten tragen nicht dazu bei, dass nährstoffreicher Kompost entsteht. Selbst pflanzenbasierte Müllbeutel sind nicht so grün, wie wir uns das wünschen. Durch die steigende Nachfrage nach pflanzenbasierten Kunststoffen werden mehr Waldflächen gerodet und zu Ackerland umgebaut – und durch diese Rodungen werden wiederum enorme Mengen an Kohlendioxid frei. Also die Ökobilanz ist nicht gut.

Welche Biomüllbeutel sind erlaubt?

Auf Plastik sollte man komplett verzichten und auch Papiertüten sind keine optimale Lösung. Diese werden meist aus Frischfasern und nicht aus recyceltem Papier hergestellt, um die Reißfestigkeit zu erhöhen. Auch hier sind also immer wieder neue Ressourcen nötig. Papiertüten sind aber immerhin die einzigen, die in den Biomüll dürfen. Am besten wäre es, gar keine Beutel in die Tonne zu werfen, sondern die gute alte Zeitung oder auch Küchenkrepp zu verwenden und in den Mülleimer reinzulegen. Das saugt die Feuchtigkeit auf und verhindert, dass der Müll beim Ausschütten am Boden kleben bleibt. Die wohl umweltschonendste Lösung ist ein Eimer, den man regelmäßig in die Tonne entleert und auswäscht.

War dieser Artikel hilfreich?

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Der SWR ist der Südwestrundfunk. Er ist öffentlich-rechtlich und gehört mit anderen Sendern (wie zum Beispiel WDR und BR) zusammen zur ARD. Dort arbeiten Journalisten, die zu aktuellen Themen direkt mit Betroffenen sprechen und bei Behörden und Unternehmen kritisch nachfragen. Der SWR wird durch den Rundfunkbeitrag finanziert und arbeitet unabhängig von Werbung und Politik.

Stand
AUTOR/IN
Martin Thiel
ONLINEFASSUNG
Mirja Raff
Mirja Raff

Meistgelesen

  1. Immer in denselben Wildpark? Egal ob bei Regen oder Sonnenschein: 7 Insider-Tipps für Ausflüge in BW und RLP

    Schon alles gesehen? Ganz bestimmt nicht! Hier kommen sieben Ausflugstipps, die einen Besuch wert sind. Außerdem sammeln wir eure Lieblingsplätze! Einfach im Artikel kommentieren.

  2. Wichtig: „Seine Frau lieb haben“ Lang lebe die Liebe! Dieses Ehepaar ist seit 80 Jahren verheiratet 💕

    War es Liebe auf den ersten Blick? Lest hier die Geschichte von Ursula und Gottfried Schmelzer. Und für alle, die nicht 80 Jahre warten wollen: Spielt das SWR3 Kreuzworträtsel für die Liebe!

  3. Schwarzwald

    „Letzter Ausflug Schauinsland“ aus dem Schwarzwald Wie hat euch der Tatort gestern gefallen? Hier kommentieren!

    Die psychiatrische Gutachterin Lisa Schieblon wird tot in ihrem Kofferraum gefunden. Alle Beweise deuten auf einen Mann, der bereits im Gefängnis sitzt. Doch war er es wirklich?

    PUSH SWR3

  4. Weiter Gefahr von Unwetter Frau stirbt nach Rettungseinsatz in Saarbrücken – neuer Regen könnte die Lage noch einmal verschärfen

    Die Menschen im Saarland und Rheinland-Pfalz müssen vor allem am Dienstag nochmal mit viel Regen rechnen. Hier könnt ihr checken, was wo gerade los ist.