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„Kann man jemanden ermorden, der fast schon tot ist?“, fragt jemand. „Um die Feinheiten kümmert sich die Justiz“, erwidert Kommissar Lannert. Der aktuelle Stuttgarter Tatort dreht sich um die Fragen, die wir gerne verdrängen. Was wird sein, wenn wir alt sind? Wie wird er kommen, der Tod?

Udo-Walz-Frisur in vier Minuten?

Frau Gundula überwacht die ambulante Pflege ihres Mannes ganz genau, schaut zu, wie Anne Werner ihn wäscht und ist ständig am Nörgeln. Auch darüber, wie Anne Werner ihren Mann kämmt. Bei drei Euro und sieben Cent für Kämmen und Rasieren, erwidert die, sieht das halt nicht aus wie bei Udo Walz. Fast bewegungsunfähig liegt Gundulas Mann im oberen Stock der schicken Maisonettewohnung, ein paar Stufen entfernt vom Leben unten. Und seine Frau scheint nicht allzu traurig darüber zu sein, als er schließlich nach einem Sturz tot am unteren Ende der Treppe liegt.

Szenenbilder Tatort Anne und der Tod

Szenenbilder Tatort Anne und der Tod (Foto: © SWR/Maor Waisburd)
Paul Fuchs war alt, bettlägerig, pflegebedürftig. Als er stirbt hält seine Haushälterin eine Tötung für möglich und alarmiert die Polizei. Joachim Fuchs macht Sebastian Bootz klar, dass er finanziell vom Tod seines Vaters nicht profitiert. Bild: © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Auch die Altenpflegerin Anne Werner wird zum Tod ihres Patienten befragt. Doch zunächst gibt es keinen Nachweis für ein bewusstes Weglassen von Medikamenten. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Sie erläutert den Kommissaren Thorsten Lannert und Sebastian Bootz ihren Arbeitsalltag in der mobilen Pflege, der manchmal durch Angehörige noch schwieriger wird. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Mit ihrem Patienten Christian Hinderer kommt Anne gut zurecht. Aber die Schikane seiner Ehefrau Gundula bringen die Pflegerin zunehmend aus dem Konzept. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Als ihr Mann plötzlich bei einem Treppensturz stirbt, verdächtigt Gundula Hinderer die Pflegerin, ihren Mann getötet zu habe. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Wieder werden Thorsten Lannert und Sebastian Bootz gerufen. Wieder lässt sich kein Nachweis finden. Diesmal aber stellen sie die Ermittlungen nicht ein. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem Tod eines zweiten Patienten innerhalb kurzer Zeit, gerät Anne Werner unter Druck. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Thorsten Lannert und Sebastian Bootz wollen von Eberhard Rees wissen, was er über die Pflegerin Anne Werner zu berichten hat. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Eberhard Rees lobt die Ehrlichkeit und Zuwendung von Anne Werner in den höchsten Tönen. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Frau Baumbauer leitet einen ambulanten Altenpflegedienst mit 15 Schwestern und zwei Pflegern und muss mit den Vorgaben der Pflegeversicherung und den Anforderungen des Dienstplans zurechtkommen. Keinesfalls will sie auf eine ihrer besten Schwestern © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Geduldig durchleuchtet sie zusammen mit Sebastian Bootz die Akten des Pflegedienstes Elvira nach den Patienten der verdächtigen Schwester. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Thorsten Lannert bekommt eine Vorstellung vom Funktionieren der häuslichen Altenpflege. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Sebastian Bootz will nicht noch einmal einen Todesfall ungeklärt lassen. Anne Werner wird erneut zum Verhör geladen. Doch Lannert macht sich Gedanken, ob sie die Verdächtige nicht zu sehr bedrängen. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen
Die Hinweise verdichten sich und Anne Werner wird die Nacht in Untersuchungshaft verbringen müssen. Bild: SWR/Maor Waisburd © SWR/Maor Waisburd Bild in Detailansicht öffnen

Unten Hochzeitstorte, oben Herzstillstand

Aber Gundula sitzt nicht im Verhörzimmer. Dort sitzt Anne Werner, die Pflegerin. Sie sitzt da, weil noch einer ihrer Patienten gestorben ist. An Herzversagen. Im eigenen Hotel, in einem Zimmer, allein, ans Bett gefesselt, während unten im Saal die Verwandtschaft eine Hochzeit feiert und sich sicher ist, dass er aus purer Bosheit ausgerechnet an diesem Tag gestorben ist.

Herausforderung für Ermittlerduo Bootz und Lannert

Aber hat Anne Werner mit dem Ableben der beiden überhaupt was zu tun? Kann ja auch ganz anders gewesen sein. Ja, auch Selbstmord. „Das kriegt ihr nie raus“, erklärt der Gerichtsmediziner den Stuttgarter Kommissaren Lannert und Bootz. Oder haben die Herren Anne beim Klauen erwischt? Mussten sie deswegen sterben? Niemals, sagt die Pflegedienstchefin: „Anne hat schon ein schlechtes Gewissen, wenn sie zu Fuß falschrum durch die Einbahnstraße geht.“

Stuttgarter Tatort trifft Alltag im Pflegedienst

Warum sitzt sie dann da im Verhörraum, diese liebenswerte, ruhige, intelligente Frau? Wir jedenfalls sitzen da und möchten, dass Lannert und Bootz diese nette Anne doch endlich in Ruhe lassen. Doch immer, wenn die Tür in die Freiheit aufzugehen scheint, fällt den beiden etwas Neues ein. Und wenn es doch Mord war, was dann? Gibt es einen guten und einen schlechten Mord? Jedenfalls ermitteln sie in einem Milieu, das man nur schwer erträgt. Weil jeder von uns hier mal seine Rolle spielen wird und keiner von uns weiß, wie es dann sein wird, am Ende oder kurz davor. Wenn die Patienten eingenässt vor dem ewig laufenden Fernseher sitzen, wenn der einzige Kontakt nach draußen der Pflege- oder der Pizzadienst sind.

Herausragende Schauspielleistung von Katharina Marie Schubert

Anne und der Tod ist ein Krimi, der sich ständig weiterentwickelt, eine Geschichte über das Kümmern, das Ertragen, über Stolz, Bedürfnisse und vor allem und über allem über die Scham. Lebensnah und mit einer herausragenden Katharina Marie Schubert als Anne. Nichts explodiert, keiner schießt, es fließt nur ganz, ganz wenig Blut. Ein Tatort fast aus dem ganz normalen Leben. Eindrücklich und mutig. 4 Elche.

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