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Ein Blumenkohl im Postpaket, ein hysterischer Essenslieferant und eine unheimliche Mordserie. Eine irre Geschichte über Philosophie und menschliche Abgründe.

Wieviel Irrsinn im Tatort kann man eigentlich akzeptieren? Der seltsame Kommissar Felix Murot und seine ungewöhnlichen Fällen sind das Eine. Aber jetzt trifft der Murot-Darsteller Ulrich Tukur auch noch auf seinen irren Kollegen Lars Eidinger, der öfter mal im Tatort auftritt.

Tatort: Lars Eidinger mal nicht im Borowski-Tatort

Eidinger spielt Paul Muthesius. Er ist Literat und Sohn eines Philosophieprofessors. Der Professor war zuletzt obdachlos und schlief im Schlafsack unter einer Brücke, wo er hingerichtet wird.

Bei der Ermittlung am Tatort befragt Assistentin Wächter den Sohn: „Hatten Sie zu Ihrem Vater keinen Kontakt mehr?“ „Nur mit dem Herzen, Liebes“, erklärt Paul Muthesius etwas wirr. Und als Schriftsteller muss er wohl ergänzen: „Man sieht ja nur mit dem Herzen gut!“

Tatort: Ulrich Tukur als Murot

Pauls Vater ist das dritte Opfer eines Unbekannten, nach einem Gemüsehändler und einem chinesischen IT-Fachmann. Das vierte Opfer wird eine junge, schwangere Frau sein. Die vier verbindet nichts, doch vor jedem Mord bekommt Murot eine Lieferung, die er nicht bestellt hat – einmal ist es ein Blumenkohl per Post.

Sind das Hinweise? Hat all das Morden mit Murot zu tun? Er war Schüler des Professors und kennt die Familie. Dazu gehört auch Inga Muthesius, die ältere Schwester von Paul. Sie ist Psychotherapeutin und hat ganz eigene Vorstellungen von Ermittlungsarbeit: Sie will den Fall mit einer Familienaufstellung lösen.

Josef Stalin im Tatort Wiesbaden

Murot und seine Assistentin Wächter lernen auch die Nachbarin des ermordeten Professors kennen: „Leben Sie hier ganz allein?“, fragt Wächter. „Gott sei Dank“, erwidert die Nachbarin. „Sie wissen doch, was Josef Stalin gesagt hat. Keine Menschen, keine Probleme.“

Aber einen Menschen gibt es da schon, in ihrem weiteren Umfeld: einen Sohn. Der ist tatsächlich etwas merkwürdig. „Fragen Sie seinen Therapeuten“, sagt seine Mutter. „Wer auch immer diese aussichtslose Aufgabe übernommen hat.“ Tatsächlich gibt es im ganzen Tatort niemanden, der nicht irgendwie belesen, gebildet und zudem sehr seltsam wäre.

Tatort: Lars Eidinger macht ihn lebendig

„Murot und das Prinzip Hoffnung“ lebt nicht so sehr von der Geschichte. Die ist etwas wirr und der Schluss hat mit Logik rein gar nichts zu tun. Dieser Tatort wird dafür von den Figuren und Schauspielern getragen. Da stimmt die Besetzung bis ins letzte Detail. Lars Eidinger als Sohn, Karoline Eichhorn als seine nicht weniger seltsame Schwester, Angela Winkler als Stalin zitierende Frau von Mierendorff und Christian Friedel als ihr politisch unkorrekter, grusliger Sohn.

Fazit zu Tatort Wiesbaden mit Lars Eidinger

Auch wenn sich alles bei „Murot und das Prinzip Hoffnung“ um die Philosophie dreht, ist akademische Vorbildung nicht nötig, um Spaß an dem Fall zu haben. Denn die klasse Schauspiel-Leistung ist schon selbst ein Genuss. Wer dazu noch ein Faible für sonderbare Geschichten und Menschen hat, wird diesen Tatort mögen.

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