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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt

Ex-Radprofi Jan Ullrich hat zum ersten Mal ganz deutlich über seine Doping-Vergangenheit gesprochen und ein Geständnis abgelegt. Er hätte aber gerne eine zweite Chance.

Mit dem Dopinggeständnis will Jan Ullrich ein neues Leben beginnen. Der frühere Tour-de-France-Sieger hofft nach seiner öffentlichen Beichte sogar auf eine Rückkehr in den Radsport.

Vielleicht kann man das irgendwann ad acta legen, dass ich auch mal wieder im Radsport irgendetwas machen kann. Warum nicht?

Das hat er bei der Vorstellung der neuen Doku „Jan Ullrich – der Gejagte“ (ab 28. November/Prime Video) gesagt. Bei dem Gespräch machte frühere Team-Telekom-Star seine Leidenschaft deutlich: „Ich habe so viel Erfahrung und ich liebe den Sport nach wie vor.“ Wie er sich die Rückkehr vorstellt? Das erklärte er vorab in einem SID-Interview:

Meine zwei jüngsten Söhne fahren auch mittlerweile Rennen. Wenn ich da wieder irgendwo Fuß fassen könnte, würde ich meine Erfahrung nach so vielen Jahren gerne zurückgeben.

Ob das wirklich so klappt, weiß der frühere Radstar mit der Wahlheimat Merdingen bei Freiburg aber nicht. „Darüber müssen andere entscheiden.“ Er betonte aber auch: „Das ist jetzt weit über eine Generation zurück. Jeder weiß, dass damals der Sport ein Problem hatte und nicht nur die einzelnen Fahrer. Vielleicht sollte man da mal einen Schlussstrich drunter ziehen.“

Jan Ullrich im gelben Trikot der Tour de France. Vor ijm Erik Zabel im grünen Trikot.
Jan Ullrich auf dem Weg zum Tour-Sieg 1997. An seiner Seite Bjarne Riis und Erik Zabel.

So gestand Jan Ullrich, dass er gedopt hat

Der 49-Jährige sagte die vier entscheidenden Worte: „Ja, ich habe gedopt“. Dann erklärte er weiter, dass er „viele schöne Jahre“ hätte haben können, wenn er seine Geschichte früher erzählt hätte. Aber:

Ich hatte die Eier nicht.

Jan Ullrich hat mit der SID gesprochen. Hier gibt's eine Zusammenfassung:

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Nachrichten Ullrich: Zu wissen, dass man sonst von vornherein keine Chance hat, war das Schwerste

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Jan Ullrich hat zum ersten Mal den entscheidenden Satz gesagt: „Ja, ich habe gedopt“. Damit gesteht er Betrug – hofft aber jetzt auf eine zweite Chance.

Jan Ullrich nach Doping-Geständnis: „Ich fühle mich erleichtert“

Ullrich wurde durch seinen Tour-Triumph 1997 in Deutschland ein Star – zerbrach später aber an dem Druck und der Erwartung. Viel später als die meisten seiner Teamkollegen und Rivalen legte er jetzt das deutliche Geständnis ab. „Ich fühle mich erleichtert“, räumte der Olympiasieger von 2000 in Sydney ein. „Es tut total gut, es auszusprechen.“

Der gebürtige Rostocker erklärte, dass es bei ihm 1996 losgegangen sei. Details zu seinen Dopingvergehen nannte er aber nicht. Er sprach auch nicht von möglichen Hinterleuten, Dealern, Ärzten oder Mitwissern. „Ich kann nur über mich reden“, meinte er.

Ich will keinen mit reinziehen. Ich weiß viel mehr, aber ich würde es nie sagen. Das ist aber auch eine Charakterfrage.

Einige Details hat Ullrich aber bereits vor zehn Jahren verraten. Damals hatte er verklausuliert über Blut-Doping gesprochen. Im Juni 2013 sagte er in einem Focus-Interview: „Ja, ich habe Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen.“ Der spanische Arzt Eufemiano Fuentes hatte nicht nur Radsportler als Kunden, er soll weltweit mehr als 200 Spitzensportler gedopt haben. Wegen der Verbindung zu dem Arzt war Ullrich auch 2006 bei der Tour de France ausgeschlossen und dann von seinem Team „T-Mobile“ suspendiert worden.

Muss Jan Ullrich jetzt seinen „Tour de France“-Titel abgeben?

Nach dem Tiefpunkt und einigen Abstürzen sagt Ullrich jetzt, dass er gesund sei. Er „stehe wieder mit beiden Beinen im Leben“. Das ganze Thema Doping will er nun abschließen. Zur Gefahr, dass ihm möglicherweise sein Titel bei der Tour 1997 – der bislang einzige eines deutschen Radfahrers – aberkannt wird, sagte er:

Ich weiß, was ich geleistet habe. Ich persönlich glaube, mir steht der Titel zu. Das müssen andere entscheiden. Aber in meinem Herzen bin ich Tour-de-France-Sieger.

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