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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)
Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)

Vor fast einem Jahr wurde der Tankstellen-Mitarbeiter Alex W. in Idar-Oberstein erschossen. Jetzt ist klar, welche Strafe der Täter bekommt.

Mord in Idar-Oberstein: lebenslange Haft für den Täter

Der 50-Jährige ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Bad Kreuznach wertete in dem Urteil die Tat als Mord. In der Urteilsbegründung hieß es, es seien die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe gegeben. Denn: Die verbleibende Zeit zwischen dem Erkennen der Gefahr und dem Angriff sei so kurz gewesen, dass das Opfer – der 20-jährige Alex W. – nicht habe reagieren können. Der Täter hatte sich an der Tankstellen-Kasse in der Warteschlange gestellt. Als er an der Reihe war, zog er eine Waffe und schoss dem Kassierer ins Gesicht. Die Heimtücke sei vorsätzlich gewesen, denn die Waffe wurde bewusst erst im letzten Augenblick gezogen, so das Gericht.

Die Mutter von Alex W. spricht über das Urteil

Die Mutter von Alex W. sagt, dass der Ausgang des Urteils eigentlich nicht wirklich wichtig sei.

15 Jahre für ein Menschenleben. Egal wie es ausgegangen wäre, es ändert ja nichts daran, was passiert ist und welcher Mensch verloren gegangen ist. Eigentlich ist der Ausgang dieses Urteils nicht wirklich wichtig.

Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein sorgt für Entsetzen

Die Tat am 18. September 2021 im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Die Frage nach der Täterschaft hatte bei der sechsmonatigen Verhandlung aber keine große Rolle gespielt – sie war von Anfang an unstrittig.

Es gab Videoaufnahmen von der Tat. Außerdem hatte der Angeklagte gestanden, dass er den jungen Tankstellen-Angestellten Alex W. erschossen hat, weil er ihm ohne Corona-Maske kein Bier verkaufen wollte. Dann sei er nach Hause gegangen. Dort habe eine Waffe geholt und bei einem erneuten Besuch in der Tankstelle abgedrückt.

Täter ist voll schuldfähig

Die Verteidigung hatte den Tatvorwurf des Mordes in dem Prozess zurückgewiesen. Die beiden Anwälte des Täters hatten auf Totschlag mit erheblich eingeschränkter Schuldfähigkeit des Angeklagten plädiert. Der Grund: Nach Schätzung eines Gutachters hatte der Mann zum Zeitpunkt des Schusses rund zwei Promille Alkohol im Blut.

Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass der Bierkonsum des Angeklagten zur Tatzeit nicht zu Ausfallerscheinungen geführt hat. Er sei zu jedem Zeitpunkt in der Lage gewesen abzuwägen und seine Impulse zu steuern. 

Kann man die Tat verzeihen? Die Mutter von Alex W. äußerte sich so dazu.

Ich bin kein Mensch, der hassen möchte, will ich nicht und werde ich nicht. Aber kann man so etwas verzeihen? Wenn man einen Mensch aus der Mitte des Lebens reißt, ist das eigentlich nicht zu entschuldigen.

Motiv für den Mord: Ablehnung der Corona-Maßnahmen

Der 50-jährige Täter hat im Prozess auch über das Motiv seiner Tat gesprochen. Er sagte aus, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Außerdem habe ihn die Situation der Corona-Pandemie stark belastet. Mit der Maskenpflicht hat der Staat seiner Meinung nach eine Grenze überschritten. Weiter hieß es: Der Täter sei der Überzeugung gewesen, dass er ein Recht auf Widerstand und auch ein Recht auf die Tötung von Menschen habe.

Für die Tatwaffe hat der 50-Jährige keinen Waffenschein. Deswegen wurde er auch wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt.

Trauerfeier für Alex W. in Idar-Oberstein

Alex W. war Berufsschüler aus Idar-Oberstein. Nach der Tat waren der Schock und die Trauer groß. Vor der Tankstelle wurden Blumen und Briefe abgelegt und die Menschen versuchen, das Geschehene zu begreifen.

In Idar-Oberstein fand eine Trauerfeier für Alex W. statt. (Foto: SWR3, dpa Bildfunk, SWR3-Reporter Nils Dampz)
In Idar-Oberstein fand eine Trauerfeier für Alex W. statt.

An einer offiziellen Abschiedsfeier durften wegen der Corona-Regeln rund 650 Menschen teilnehmen. Die Mutter von Alex W. sagte, sie sei überwältigt und sprachlos von der Anteilnahme. Ihr Sohn sei ein lebenslustiger, liebevoller Mensch gewesen und so solle er auch in Erinnerung bleiben.

Die Mutter sagte auch, dass die Familie des Täters ein Opfer sei. Es wäre nicht im Sinne ihres Sohnes gewesen, dass unschuldige Menschen angefeindet würden. Hass bringe niemanden weiter. Liebe sei dagegen „so viel mehr wert“.

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