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Rund 400 Menschen nahmen am Donnerstag bei einer Gedenkfeier Abschied von Alex W. Auch seine Mutter sprach auf der Feier.

Alex W. war Berufsschüler aus Idar-Oberstein, er wurde 20 Jahre alt und war an einer Tankstelle von einem mutmaßlichen Maskenverweigerer erschossen worden. Seitdem wird im Ort um ihn getrauert. Immer wieder werden vor der Tankstelle Blumen und Briefe abgelegt, und die Menschen versuchen, das Geschehene zu begreifen.

Am Donnerstag konnten Familie und Freunde offiziell Abschied nehmen. Der SWR übertrug die Trauerfeier live. Das war der Wunsch der Familie, damit jeder, der um Alex W. trauert, dabei sein konnte. Wegen der Corona-Regeln durften maximal 650 Menschen vor Ort sein.

Die Mutter von Alex W. sagte, sie sei überwältigt und sprachlos von der Anteilnahme. Ihr Sohn sei ein lebenslustiger, liebevoller Mensch gewesen und so solle er auch in Erinnerung bleiben. Immer wieder kämpfte die Mutter mit den Tränen. Auch die Familie des Täters sei ein Opfer, betonte sie. Es wäre nicht im Sinne ihres Sohnes gewesen, dass unschuldige Menschen angefeindet würden. Hass bringe niemanden weiter. Liebe sei dagegen „so viel mehr wert“.

Alex war ein lebenslustiger, hilfsbereiter, intelligenter, charmanter, charismatischer sowie chaotischer und verrückter, aber vor allem ein liebevoller und lustiger junger Mann.

Familie von Alex W. bat Freund zu singen

Für Benny Engel aus Idar-Oberstein war es vermutlich der schwerste Auftritt seines Lebens: Er sang bei der Gedenkfeier. Zum einen wollte er so mithelfen, dem Gedenken für Alex W. einen würdigen Rahmen zu geben. Zum anderen ging es ihm wie vielen Menschen in Idar-Oberstein: Er kann das Verbrechen an dem 20-Jährigen nicht fassen. „Es ist eine Tat, die so unbegreiflich ist, weil sie eben komplett sinnlos ist.“

Benny Engel ist hauptberuflich Friseur – daneben singt er. Eine gute Freundin der Mutter hat ihn gebeten, zwei Songs zu singen. Unterstützt wurde er von Daisy C. Black. Auch sie lebt in Idar-Oberstein.

Stadt Idar-Oberstein und Familie haben Gedenkfeier gemeinsam geplant

Die Stadt Idar-Oberstein hat die Gedenkfeier zusammen mit der Familie und Freunden von Alex W. organisiert. Weil der Schüler einen großen Freundeskreis hatte, sollten möglichst viele Menschen Gelegenheit bekommen, von dem 20-Jährigen Abschied zu nehmen.

Die Familie hat den Wunsch geäußert, gemeinsam mit vielen Menschen an einem Ort um Alex W. zu trauern. Das sei ihnen ganz besonders wichtig.

Auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wurden zur Trauerfeier erwartet. Klöckner nahm für die Bundesregierung teil. Auf Raum für politische Reden verzichtete die Familie bei der Trauerfeier aber bewusst.

Ganz viel Kraft und Liebe für die Familie von Alex W. 🙏 Es ist so unfassbar traurig, mir fehlen die Worte. 😢😢 #IdarOberstein https://t.co/mATHhyrZQq

Warum wurde der junge Mann an der Tankstelle erschossen?

Alex W. arbeitete als Kassierer in einer Tankstelle in Idar-Oberstein. Dort wurde er am 18. September erschossen, nachdem er einen Kunden auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht hatte. Tatverdächtig ist ein 49-Jähriger. Der Mann hat die Tat gestanden. Der mutmaßliche Täter sagte aus, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne.

Zum Motiv habe er angegeben, dass ihn die Situation der Corona-Pandemie stark belaste, sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann. Der Verdächtige stand bei der Tat außerdem möglicherweise unter Alkoholeinfluss. Er habe angegeben, vor der Tat einige Bier konsumiert zu haben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach wegen Mordes sind noch nicht abgeschlossen.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 4. Juli, 6:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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