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AUTOR/IN
Lea Kerpacs
Lea Kerpacs: Website-Redakteurin bei SWR3 (Foto: SWR3, Niko Neithardt)
INTERVIEW
Rebecca Rodrian

„Schlaganfall, du? Du bist doch noch so jung!“ Das Alter für Schlaganfälle verschiebt sich: Immer häufiger sind auch junge Menschen betroffen. Was sind Risikofaktoren und wie reagierst du am besten?

Nehmen Schlaganfälle bei jungen Menschen zu?

In letzter Zeit gibt es immer wieder Berichte von jungen Frauen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Ina ist Influencerin – 26 Jahre alt. Im Juli haben ihre Fans erfahren, dass sie einen Schlaganfall hatte und ins künstliche Koma versetzt wurde. Die Schlaganfälle von Schlagersängerin Melanie Müller, 34 Jahre alt, und Ehefrau von Justin Bieber, Hailey Bieber, 25 Jahre alt, sind weitere Fälle, die in den letzten Monaten durch die Presse gingen. Werden Schlaganfälle bei jungen Menschen häufiger, oder sind das nur Einzelfälle, die die Ausnahme bleiben?

Wolf-Rüdiger Schäbitz, Direktor an der Universitätsklinik Bielefeld für Neurologie (Foto: Wolf Schäbitz)

Wolf-Rüdiger Schäbitz ist Direktor an der Uniklinik für Neurologie Bielefeld. Er bestätigt den Eindruck im SWR3-Interview: Schlaganfälle nehmen bei jungen Menschen nachweislich zu. Große Unterschiede zwischen Männern und Frauen gebe es allerdings nicht: Unabhängig vom Geschlecht sinke das Schlaganfall-Alter in den vergangenen Jahren. Grund dafür sei der Lebensstil der Menschen.

Das hat letztlich mit dem westlichen Lifestyle zu tun. Das sind eben Sachen, die auch bei jüngeren Leuten verstärkt zu finden sind. Das ist die hauptsächliche Ursache dafür, dass man auch Schlaganfälle bei jüngeren Patienten sehen kann.

Welche Risikofaktoren begünstigen einen Schlaganfall?

Schäbitz nennt die größten Risikofaktoren für einen Schlaganfall im Interview in SWR3 NOW. Unabhänig vom Alter lassen diese Faktoren das Risiko eines Schlaganfalls steigen:

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Adipositas
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen

In den letzten Jahrzehnten habe sich der Lebenswandel so geändert, dass junge Menschen inzwischen häufiger von diesen Erkrankungen betroffen sind als früher. Laut Schäbitz ist das der Hauptgrund für die steigenden Zahlen. Es gibt aber auch spezielle Ursachen für Schlaganfälle bei jungen Menschen. Das können Herzkrankheiten sein, aber auch beispielsweise Migräne, Gerinnungsstörungen oder die Einnahme der Antibabypille.

Welche Symptome kann ein Schlaganfall haben?

Verallgemeinern lassen sich die Anzeichen nicht, trotzdem gibt es eine Reihe an Symptomen, an denen ein Schlaganfall erkannt werden kann. Schäbitz unterscheidet zwischen leicht erkennbaren und etwas undeutlicheren Symptomen:

Die klassischen und leicht erkennbaren Symptome sind zum Beispiel Sprachstörungen. Wenn man also Probleme hat, Sätze zu bilden. Aber auch Halbseitenlähmung, Armlähmung, Beinlähmung und Gesichtslähmung, die man sehen kann, wenn der Mundwinkel verschoben ist.

Für Laien schlechter mit einem Schlaganfall in Verbindung zu bringen, sind Symptome, die wir auch aus anderen Situationen kennen. Das sind unter anderem Schwindel oder Sensibilitätsstörungen. Sehstörungen, wie sie bei großem Stress vorkommen können, sind ein mögliches Symptom – auch einseitig als Halbseitensehstörungen. Bei manchen kommt es sogar zum Gesichtsfeldausfall. Im schlimmen Fällen können in dem Fall nur noch Umrisse der Umgebung wahrgenommen werden.

Schlaganfälle erkennen mit der FAST-Methode

Wenn ihr die Vermutung habt, dass jemand einen Schlaganfall hat, hilft euch die „FAST“-Methode:

  • Face: Hängt eine Seite des Gesichts herunter? Das kann eine Halbseitenlähmung sein.
  • Arms: Kann die Person beide Arme mit den Handflächen nach oben gerade ausstrecken? Wenn nicht, kann das ein Hinweis auf einen Schlaganfall sein.
  • Speech: Lasst einen einfachen Satz nachsprechen. Spricht die Person verwaschen oder kann gar nicht nachsprechen? Sprachstörungen sind ein Symptom von Schlaganfällen.
  • Time: Auch wenn nicht alle Symptome zutreffen oder ihr euch unsicher seid: Ruft die 112 an!

Was tun, wenn jemand einen Schlaganfall hat?

Besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall, gibt es auch laut Schäbitz nur einen Weg: So schnell wie möglich den Notruf 112 wählen und die Symptome am Telefon schildern. Das Ziel ist es, den Patienten in eine Klinik mit „Stroke Unit“ zu bringen. Das ist eine Abteilung, die auf Schlaganfälle spezialisiert ist und schnell behandeln kann.

Es gibt das Motto „Time is Brain“ [Zeit ist Hirn]. Tatsächlich ist das total wichtig: Eine Minute, die man zu lange wartet, führt dazu, dass 1,9 Millionen Nervenzellen absterben. [...] Je früher man in einer geeigneten Klinik mit „Stroke Unit“ ist, kann eine spezifische Therapie begonnen werden, die dazu führt, dass das verstopfte Gefäß wiedereröffnet wird. Das ist der Knackpunkt.

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Wie kann ich einem Schlaganfall vorbeugen?

Auch wenn das nicht die bequemste Antwort ist: Gesund leben. Als Anhaltspunkt empfiehlt Schäbitz 30 Minuten Bewegung pro Tag. Wer auf das Rauchen verzichtet und dafür Sport treibt, hat schon viel gewonnen. Außerdem sollten bestehende Risikofaktoren abgebaut werden. Das ganze Interview mit Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz in SWR3 NOW nachhören:

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