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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Eine halbe Million Menschen sind vor dem Ukraine-Krieg in Nachbarländer geflohen. Auch Kinder aus einem Heim nahe Kiew haben eine harte Flucht nach Freiburg hinter sich.

70 Stunden Busfahrt liegen hinter 163 Kindern und 32 Betreuerinnen und Betreuern aus einem ukrainischen Kinderheim. Drei Tage lang reisten sie von dem Heim in der Nähe von Kiew nach Freiburg, anfangs ohne ausreichend Verpflegung. Die Reise war gefährlich, auf dem Weg zur polnischen Grenze habe es einen Drohnenangriff gegeben. Die Jüngsten sind erst ein Jahr alt. Die Strapazen sind den Kindern bei ihrer Ankunft anzusehen.

Kinder aus der Ukraine werden in Freiburger Einrichtungen untergebracht

„In den wenigen Stunden nach Kriegsbeginn sind die Kinder um zehn Jahre gealtert. Die Kindheit ist vorbei“, sagt Roman Kornijko, Leiter des Kiewer Kinderheims. Das Heim „Vaterhaus“ wurde schon länger von der Ukraine-Hilfe Freiburg unterstützt.

Das ist die erste Stadt, die ihre helfende Hand angeboten hat, ohne gefragt zu werden. Wir haben nicht um Hilfe gebeten, aber wir haben sie gebraucht. [...] Ich bin von Emotionen überschüttet, wie viel Liebe hier ist, wie viel Fürsorge hier ist, wie viel Aufmerksamkeit hier ist. [...] Ihr habt diese Kinder gerettet.

Die Kinder und ihre Betreuerinnen und Betreuer werden jetzt in vier Einrichtungen in der Stadt Freiburg untergebracht, so Oberbürgermeister Martin Horn.

Eifeler Familien retten ukrainische Flüchtlinge

60 Stunden war Markus Schlickat unterwegs: Er ist selbst an die Grenze gefahren, um Verwandte aus der Ukraine abzuholen und nach Deutschland in Sicherheit zu bringen. Es sei natürlich anstrengend gewesen, aber er habe ihnen helfen können, sagte er nach der Aktion.

Du weißt genau: Da beginnt die Hölle und du kannst nichts dagegen tun. Du kannst nur versuchen, Menschen wegzuholen. So viele, wie es geht.

Eifeler Familien retten ukrainische Flüchtlinge

500.000 Menschen sind aus der Ukraine geflohen

Die Geschichte der Kinder von Kiew zeigt eines: Der Krieg in der Ukraine ist vor allem eine humanitäre Katastrophe. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind mehr als eine halbe Million Menschen aus dem Land geflohen.

More than 500,000 refugees have now fled from Ukraine into neighbouring countries.

Die meisten Flüchtlinge haben sich demnach auf den Weg ins Nachbarland Polen gemacht. Nach Angaben des polnischen Grenzschutzes waren es seit Kriegsbeginn 281.000 Menschen. Allein am Sonntag hätten fast 100.000 Flüchtlinge die Grenze passiert, sagte eine Sprecherin. Laut UNHCR wären andere wichtige Ziele für die Menschen, Rumänien, Moldawien, Ungarn und die Slowakei.

Übersichtskarte von Osteuropa mit der Ukraine im Zentrum und den Anrainerstaaten. Die Ukraine und Russland sind hervorgehoben. (Foto: Crevis/Shutterstock)

Menschen fliehen aus der Ukraine: Lage an Grenzen ist katastrophal

„Katastrophal. Den Menschen geht es sehr, sehr schlecht“, berichtet Pavlo Titko von der Malteser-Organisation in der Ukraine im Interview mit SWR Aktuell. Der Schnee mache die Lage aktuell noch schwieriger, berichtet Titko. In der Nacht seien die Temperaturen auf -5 Grad gesunken.

Zwei Menschen aus Kiew seien gestern mit einem kleinen Kind 17 Stunden mit dem Zug geflohen – auf dem Boden vor dem eigentlichen Zugabteil.

Die können kaum sprechen. Die glauben nicht, dass das mit denen passiert ist. Die Verfassung kann man einfach nicht beschreiben. Es gibt zu wenig psychologische Hilfe.

Es fehle abgesehen von Wasser an allem – an Lebensmitteln, Medikamenten und warmen Decken. Ein Problem: Die meisten Großlager seien rund um die Hauptstadt Kiew, die seit Tagen unter Beschuss ist. „Die Brücken sind gesprengt, es geht jetzt wirklich um Tage, um Stunden, dass die Lebensmittel jetzt ausgehen. [...] Es ist schon eine Katastrophe mitten in Europa.“

Er habe erlebt, wie ein Kind zwischen fremde Menschen in die geöffneten Türen eines Zuges gedrückt wurde. „Dann hat man gesagt, es wird jemand das Kind in Polen abholen. [...] Die meisten möchten raus. Die Sitaution an den Grenzen – an allen Grenzen [...] ist katastrophal.“

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