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Am Anfang kommt jemand zu Tode – klar, Polizeiruf 110 ist ein Krimi. Aber: Diesmal geht es ums Sterben im hohen Alter. Matthias Brandt alias Hanns von Meuffels muss als Soloermittler klären, ob derjenige von alleine ging oder ob nachgeholfen wurde.

Die Dame ist eindeutig nicht klar im Kopf, wie sie da in Morgenmantel und Pyjama spät abends vor dem Kommissariat auftaucht und was von einem Mord erzählt. Wo, wer, wann – ja, das wisse sie nicht. Meuffels, der eben vor der Tür eine raucht, bietet der etwas renitenten Dame galant den Arm an, bringt sie dahin wo sie herkommt und findet sich im Nachtdienst eines heruntergekommenen Altersheims wieder.

Szenenbilder Polizeiruf „Nachtdienst“ (Foto: Bayerischer Rundfunk)
Claus Grübner (Ernst Jacobi) und Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt). Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Frau Strauß (Elisabeth Schwarz, links) und Marija (Marina Galic) haben ein gutes Verhältnis zueinander. Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Hat Pfleger Tscharlie (Florian Karlheim, rechts) mehr gesehen als er gegenüber Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) zugibt? Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Sowohl Herr Grübner (Ernst Jacobi) als auch Marija (Marina Galic) befinden sich in verzweifelten Situationen. Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Bei Elisabeth Strauß verschwimmen Realität und Illusion immer häufiger. Von links: Hannah Strauß (Therese Hämer), Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) und Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz). Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Kann von Meuffels die Katastrophe im Johannishof noch stoppen? Von links: Pfleger Kroll (Philipp Moog) und Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt). Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Endlich kann Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) seinem Widersacher in die Augen blicken. Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Hat ihre Demenz Elisabeth Strauß etwa doch nur einen bösen Streich gespielt? Von links: Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) und Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz). Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Bei seinem Vater kann Janni nicht bleiben, aber ist der Johannishof der richtige Ort für ein Kind? Von links: Kommissar Meuffels (Matthias Brandt) und Janni (Mika Ullritz). Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) versucht verzweifelt, in die Dunkelheit des Falls etwas Licht zu bringen. Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Herr Grübner (Ernst Jacobi, links) will sich auch von Tsacharlie (Florian Karlheim) nicht helfen lassen. Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen
Claus Grübner (Ernst Jacobi) berichtet Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) von den aussichtslosen Umständen im Johannishof. Bayerischer Rundfunk Bild in Detailansicht öffnen

Ja, da ist jemand zu Tode gekommen. Aber: Das sei schließlich normal, meint einer der Pfleger. Denn alte Menschen seien nun mal nicht mehr so robust und wenn dann einer hinfalle, dann könne das auch das Ende sein. Die alte Dame, die den Mord sozusagen angezeigt hat, ist auch nicht sonderlich hilfreich, denn: Sie leidet an Demenz. Da steht der Ermittler nun und muss sich zwischen Alten, Sterbenden und überlastetem Pflegepersonal durchfragen, um seinen Fall zu lösen.

Drückend, schwer und hart – Ein Krimi, der keiner ist

Der Fall steht ziemlich im Hintergrund. Was raus gearbeitet wird ist: Altwerden ist unschön, Dahinsiechen ist unschön und im Altersheim für weniger Betuchte ist es ganz besonders unschön. Der ganze Film ist drückend, schwer und hart – so wie die Situation im Pflegeheim.

Matthias Brandt ist neben Ulrich Tukur vielleicht der einzige Schauspieler in der Tatort/Polizeiruf-Serie, der da bestehen kann, und er spielt gigantisch. Für mich ist das einer seiner besten Polizeirufe überhaupt. Dazu kommen hervorragende Nebendarsteller, die die Tragödie des vernachlässigten Dahinsiechens äußerst eindringlich rüberbringen.

Aber: Ein Krimi ist es halt mal wieder nicht. Der Fall ist verworren und letztlich nicht so recht gelöst. Dazu zwar mit einem eindrucksvollen, aber sehr „gewolltem“ Ende. Aber: Dank der schauspielerischen Leistung, die wirklich grandios ist, lohnt es sich, das Ding anzuschauen. Meine Note: vier von fünf Elchen.

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