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Ja, es bleibt ein Riesenthema: Mächtige Männer, die andere körperlich und geistig brutal unter Druck setzen. Und dieses Mal hat es sich sogar gelohnt, dass ein Krimi um dieses Thema herumgestrickt wurde.

Es ist Nacht im Tatort wie so oft. Die Kommissarinnen Karin Gorniak und Leonie Winkler werden zu einer riesigen Villa gerufen – und die hat echt was, nämlich etwas sehr Reiches. Toller Garten, schönes altes Haus, große Räume, cool eingerichtet. Man fühlt sich sofort wohl, wenn da nicht das viele Blut wäre.

Szenen aus demTatort: „Das kalte Haus“ (Foto: ard-foto s2-intern/extern, MDR/MadeFor / Hardy Spitz)
ard-foto s2-intern/extern MDR/MadeFor / Hardy Spitz

Zu Hause ist keiner. Klar ist nur, dass es sich beim Besitzer um einen Unternehmer handelt, der sehr prominente Verbindungen zum Polizeipräsidenten hat. Von oben kommt also Druck, und das hilft ja bekanntlich nicht sonderlich. Chef Schnabel macht seinem Team unnötig Stress – ob das den Fall schneller löst?

Tatort Dresden: Druck vom Polizeipräsidenten

Bald taucht der Besitzer auf und behauptet, seine Frau sei verschwunden. Er legt sich mit den Kommissarinnen Gorniak und Winkler an, und zwar richtig. Eine Hundertschaft an Suchmannschaften und mehrere Helikopter sollen kommen, nach der Frau suchen. Aber die Polizei will nicht so Recht folgen. Ergebnis: noch mehr Stress.

Szenen aus demTatort: „Das kalte Haus“ (Foto: ard-foto s2-intern/extern, MDR/MadeFor / Hardy Spitz)
ard-foto s2-intern/extern MDR/MadeFor / Hardy Spitz

Alle hier sind aufgeregt, aufgebracht und total übernächtigt. Zwangsläufig führt das zu Streitereien, professionelle Polizeiarbeit ist kaum noch möglich. Nur eines ist klar: Der Mann der verschwundenen Frau ist merkwürdig, nicht nur weil er spontan ziemlich aggressiv ist. Ist das einfach nur der wenige Schlaf, sind es Vorurteile der Frauen? Oder spielt da einfach nur ein machtgeiler, unkontrolliert gewalttätiger Mann mit? 

Szenen aus demTatort: „Das kalte Haus“ (Foto: ard-foto s2-intern/extern, MDR/MadeFor / Hardy Spitz)
ard-foto s2-intern/extern MDR/MadeFor / Hardy Spitz

Wirklich überall wird gesucht, auch in einer hübsch hergerichteten kleinen Höhle. Hier finden sich mehr und mehr Utensilien der verschwundenen Frau, nur die verschwundene Frau bleibt – Überraschung – verschwunden.

Tatort Dresden: Misshandlung von Frauen 

Dieser Tatort hat mit cholerischen Männern zu tun. In 90 Minuten kann sich offenbar jeder Idiot mal psychisch und physisch an den Frauen auslassen. Und Idioten gibts bekanntlich viele. Hautnah bekommt man mit, wie die Frauen in Drucksituationen weder Anzeige erstatten, noch sich richtig gegen die Übergriffe wehren können. 

Szenen aus demTatort: „Das kalte Haus“ (Foto: ard-foto s2-intern/extern, MDR/MadeFor / Hardy Spitz)
ard-foto s2-intern/extern MDR/MadeFor / Hardy Spitz

Der Tatort ist aber vor allem eines: wirklich sehr gut. Normalerweise reißen die guten Schauspielerinnen und Schauspieler eine schlechte Geschichte wieder ein bisschen raus, aber hier ist das überhaupt nicht nötig. Wir sehen bis zum Ende, was einen sehr guten Tatort ausmacht:

Ist das der beste Tatort des Jahres?

Ein authentisches Ermittlerduo, das den Krimi mit ihrem Privatleben eben nicht wie sonst üblich hoffnungslos und übertrieben drangsaliert. Es gibt viele coole Wendungen. Es wird nie langweilig. Wir bekommen ein grandioses Finale geschenkt. Der Dresden-Tatort ist modern, intensiv, bildgewaltig, bewegend. Fünf von fünf Elche, unbedingt anschauen.

Schön gemacht ist auch das Online-Special mit exklusiven Videomaterial. Übrigens: Der Tatort läuft bei der ersten Ausstrahlung am Montag.

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