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Simone Sarnow
SWR3 Moderatorin Simone Sarnow (Foto: SWR3)
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Felix Stängle

Der Kölner Tatort „Pyramide“ ist ein starker Fall über große Träume, Gier und den tiefen Fall durch eine skrupellose Investment-Firma.

Ein Rechtsanwalt für Verbraucherschutz liegt tot in seiner Kanzlei, eine Frau wird entführt und einem Geschäftsmann wird in einem Live-Stream im Netz eine Pistole an den Kopf gehalten. Wie das alles miteinander zusammenhängt, das versuchen die Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) herauszufinden.

Das skrupellose System einer Investmentfirma

Der Chef der Investmentfirma „Concreta“ Christopher Komann will mehr. Viel mehr. Und immer noch mehr Geld verdient er, indem er andere für sich arbeiten lässt. Seine Verkäufer liegen ihm zu Füßen, lassen sich von ihm motivieren und geben alles, um genauso erfolgreich zu werden wie Komann selbst.

Auch für André Stamm, einen werdenden Vater klingt das, was ihm die „Concreta“ verspricht, wie ein 6er im Lotto. Er hat Träume:

Ich will doch nur eine schöne Wohnung mit genug Platz, einfach nur genug für ein anständiges Auto… nicht jeden Cent dreimal umdrehen… einfach leben!

Tatort aus Köln: Der Traum vom schnellen Geld

Was er nicht sieht oder sehen will: die „Concreta“ arbeitet mit einem perfiden System. Den Anlegern werden extrem risikoreiche Wertanlagen aufgeschwatzt. Natürlich werden die als absolut sicher angepriesen. Und der Kunde? Der blendet das Risiko aus – was nicht schwer fällt, es wird ihm nämlich auch ganz bewusst verschwiegen.

Und wenn der Verkäufer wie André Stamm bei der Kaltakquise keinen Umsatz macht, dann muss seine Provision durch Verkäufe an die eigenen Familienmitglieder verdienen. Problem: selbst die Provision geht zu einem großen Anteil nach oben in der Pyramide, also zu Chef Komann.

Gegen dieses System, wollte eigentlich der Verbraucherschutzanwalt klagen, der dann tot in seiner Kanzlei gefunden wird. 

Auch André Stamms Frau glaubt nicht an das große, schnelle, einfache und sichere Geld – sie warnt ihren Mann mehr als einmal. Aber angefeuert von den vermeintlichen Vorbildern mit tollen Penthouse-Wohnungen und dicken Autos riskiert er alles. Bis passiert, was passieren muss. Die Blase platzt. Alles ist weg. Und damit auch André Stamms Frau.

Tatort-Kritik Köln „Pyramide“: Zwei Männer in legerer Kleidung feier sich selbst (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR / Bavaria Fiction GmbH / Thomas Kost)
Gewinner-Typen. "Concreta"-Chef Christopher Komann feiert seinen besten Mitarbeiter Robert "Rocko" Andersen. Bild in Detailansicht öffnen
Tatort-Kritik Köln „Pyramide“: André Stamm in einem ernsten Gespräch in einer Bar (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR / Bavaria Fiction GmbH / Thomas Kost)
Selbstzweifel: André Stamm fragt sich, ob auch er das Zeug zum Topseller hat bei der Investmentfirma "Concreta". Bild in Detailansicht öffnen
Tatort-Kritik Köln „Pyramide“: André Stamm kniet vor den Eltern seiner Frau mit einem Prospekt über Aktien in der Hand (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR / Bavaria Fiction GmbH / Thomas Kost)
André Stamm versucht, der Familie seiner jungen Frau ein ganz sicherers Aktiengeschäft anzubieten. Zuerst stößt er damit auf Skepsis. Bild in Detailansicht öffnen
Tatort-Kritik Köln „Pyramide“: Der Topseller hält seinem Chef eine Waffe an den Kopf (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR / Bavaria Fiction GmbH / Thomas Kost)
Der Topseller und sein Chef: Ist es nur ein Test oder meint "Rocko" Andersen es ernst mit seiner Drohung an den "Concreta"-Gründer. Bild in Detailansicht öffnen

SWR3 Tatort-Kritik: Überragende Besetzung

Dieser Tatort wird nicht stringent, sondern in rückblickenden Episoden erzählt, was dazu führt, dass wir oft mehr wissen, als die Kommissare, trotzdem bleibt der Fall in vielen Bereichen spannend. Aber Pyramide glänzt für mich vor allem durch die Besetzung von Rouven David Israel als André Stamm und noch mehr durch Robin Sondermann. Der spielt diesen aufgeblasenen, eitlen, schleimigen und selbstverliebten Concreta-Chef Komann so überragend, dass sogar Ballauf und Schenk teilweise sprachlos sind.

Ja, zugegeben, der eigentliche Kriminalfall holpert manchmal ein bisschen. Trotzdem ist das für mich ein großartiger Kölner Fall – 5 von 5 Elchen.

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