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AUTOR/IN
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer (Foto: SWR3)
SWR3

Na, wart ihr denn auch alle lieb? Normalerweise gibts keine Konsequenzen bei der falschen Antwort. Bis jetzt. Im neuen Tatort hat der Weihnachtsmann kleine Kinder gerächt. War das der beste Tatort des Jahres?

Mit rotem Mantel und langem Bart schleicht er nachts zu einem Münchner Haus, wo er von einem Kind schon sehnsüchtig erwartet und reingelassen wird. Hier war offenbar nicht jeder lieb gewesen, denn kurz danach sieht es in dem Haus aus wie auf einem Schlachthof. Wie in einem Splatter-Movie. Leichen und Teile liegen rum, Papa wurde kastriert, Mamas Blut klebt an der Wand – mitsamt Botschaft. Das nimmt selbst die bayerischen Kommissare Batic und Leitmayr a bisserl mit.

Szenenbilder aus dem Tatort

Tatort "Wir kriegen euch alle" (Foto: Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden)
Lena Faber ist sieben Jahre alt und hört ganz aufgeregt ihrer sprechenden Puppe zu. Und so erfährt sie, dass morgen der Weihnachtsmann kommt. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Und tatsächlich: der Weihnachtsmann stand vor der Terrassentür und Lena hat ihn hereingelassen. Jetzt gibt er dem Mädchen zu verstehen, dass sie ganz still sein soll. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Was danach passiert ist, bringt die Ermittler an ihre Grenzen. Lenas Eltern wurden auf brutalste Weise ermordet. Der Gerichtsmediziner Dr. Steinbrecher informiert die Kommissare über die Sachlage, während der Rettungsdienst das Au-Pair Chi Ling Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer langen Suche stellen sie erleichtert fest, dass der kleinen Lena nichts passiert ist. Sie liegt betäubt in ihrem Schwebezelt und hat von alldem nichts mitgekriegt. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Das Geheimnis mit dem Weihnachtsmann hatte Lena nur Chi Ling anvertraut. Leitmayer hört dem Mädchen aufmerksam zu und bekommt bereits eine Ahnung, worum es hier gehen könnte. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Lenas Smartpuppe Senta scheint eine wichtige Schlüsselfigur zu sein. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Als Lena die Puppe von "Oma Frida" auf dem Spielplatz geschenkt bekommen hat, war die Freude zunächst groß. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Oma Frida ist öfters auf dem Spielplatz und unterhält die Kinder. Außerdem hat sie mehrere solcher Puppen verschenkt. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Auch Gretchen Grein hat eine Puppe bekommen, mit der sie sprechen kann. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Die Kinderpsychologin Jenschura spricht einfühlsam mit Lena, als diese mit den Puppen spielt. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Die Ermittler finden heraus, dass Frida tot ist und sie in einem Verein von Überlebenden sexuellen Missbrauchs gearbeitet hat. Auch die Kinderpsychologin äußert den Verdacht, dass es hier um Kindesmissbrauch geht. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Undercover Einsatz für Batic: er tritt dem Verein bei und hört den Gesprächsteilnehmern zu. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Besonders Ralf fällt auf: er ist am Boden zerstört. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Auch Hasko wird von Batic genauer unter die Lupe genommen. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Kalli Hammermann recherchiert fleissig im Hintergrund und versucht telefonisch weitere Hinweise zu bekommen. Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Währenddessen geht der Spuk weiter: auch Jonathan Kastl spricht mit seiner neuen Smartpuppe. Die Lage spitzt sich dramatisch zu und jetzt heißt es schnell sein für die Kommissare! Bild: BR/Tellux-Film GmbH / Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen

Weihnachtsmann richtet Kinderschänder hin

Bei der Befragung der überlebenden Kinder erhärtet sich der Verdacht gegen den Weihnachtsmann doch recht deutlich: „Ich habe geschlafen, war ganz brav und später kam dann noch der Weihnachtsmann.“ Aber woher weiß der, welches Elternteil die Kinder vergewaltigt? Und hier wird es richtig spooky, denn in München haben verschiedene Kinder Puppen geschenkt bekommen – die genau im richtigen Moment aufwachen und die Kinder über Papa ausfragen. Und die Kinder vertrauen den Missbrauch den Puppen an.

So, damit kennt die Puppe den Missbrauch, aber wer noch? Die Chinesen? Die NSA? Gabs Komplizen? Mit Sicherheit jedenfalls der Weihnachtsmann. Soviel ist klar, denn der schiebt gleich noch ein Bekennervideo in den Tatort rein.

Fazit: Beschämend. Krass. Extrem spannend!

Der Tatort aus München macht etwas, was ich schon lange nicht mehr gesehen habe: Er ist maximal sozialkritisch und maximal spannend zugleich – das schließt sich normalerweise aus. Es ist ein Krimi, von Anfang bis Ende mit unerwarteten Wendungen und tollen Szenen. Immer und immer wieder. Und trotzdem trifft er die Zuschauer ganz tief drinnen, im innersten unseres Herzens mit diesem abscheulichen Thema, das jeden Tag um uns herum ist: Vergewaltigung der Kinder in der eigenen Familie.

Unglaublich ist dieser brillante Krimi. Er hat das Zeug zum besten Tatort dieses Jahres. Erschreckend. Verstörend. Beschämend – und seeeehr spannend.

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