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Dürfen gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden? Dürfen sie vor Gott heiraten, wenn sie das möchten? Die katholische Kirche diskutiert immer wieder darüber, begründet mit Traditionen und der Bibel. Aber was steht denn überhaupt über Homosexualität in der Bibel?

Die katholische Kirche kommt am Thema Homosexualität nicht mehr vorbei

Immer wieder fällt die katholische Kirche mit Aktionen für und gegen die Unterstützung von gleichgeschlechtlichen Paaren auf. Nachdem Henry Frömmichen ein Selfie mit dem Kandidaten der TV-Show Prince Charming postet, wird er vom Priester-Seminar ausgeschlossen. Katholische Priester stellen sich gegen den Vatikan und segnen homosexuelle Paare. Selbst oberste Kirchenvertreter sind sich nicht einig. Der Papst sagte 2020:

Wir müssen ein Gesetz über eingetragene Lebenspartnerschaften schaffen, so sind sie rechtlich geschützt.


Auch 2013 hatte er sich bereits gegen die Verurteilung von homosexuellen Paaren durch die Kirche ausgesprochen: „Wenn jemand homosexuell ist und guten Willens nach Gott sucht, wer bin ich, darüber zu urteilen?

Ein Vatikanpapier sieht das 2021 anders. Für die Segnung homosexueller Partnerschaften fehle die Vollmacht. „Da die Verbindungen von homosexuellen Paaren nicht dem göttlichen Willen entsprechen, können sie nicht gesegnet werden.

Gemeinsames Outing macht auf Probleme für Mitarbeiter aufmerksam

Dass die Haltung der katholischen Kirche beispielsweise für homosexuelle Priester nicht leicht ist, zeigt das gemeinsame Outing von 125 Personen, die in der katholischen Kirche arbeiten:

Baden-Baden

Aktion #OutInChurch Nach großem Outing: Kirchenmitarbeiter sollen weiterarbeiten dürfen

125 queere Mitarbeitende der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen haben sich geoutet. Bisher bedeutete das oft die Kündigung. Doch laut einer SWR-Umfrage soll es jetzt anders laufen.  mehr...

Bibel oder Tradition: Was ist der Kirche wichtiger?

„Die Wahrheit Gottes“ – es gibt verschiedene Ansichten, was darunter zu verstehen ist. Die evangelische Kirche überlässt das jedem selbst: So wie Du die Bibel interpretierst, ist es für dich die göttliche Wahrheit.
Die katholische Kirche sieht das anders. Bibel? Ja, auch. Aber es muss auch die eigene Tradition bedacht werden, um „ die Wahrheit“ verstehen zu können!

Für die Diskussion heißt das: Allein aus der Bibel kann keine Regel für die katholische Kirche gebastelt werden. Selbst wenn die Bibel eine Richtung vorgibt, kann gesagt werden: „Das entspricht nicht unserer Tradition“.

Wie stark welcher Anteil gewichtet wird, ist nicht geregelt. Die Perspektiven innerhalb der katholischen Kirche gehen immer mehr auseinander. Priester, die homosexuelle Paare segnen, sagen häufig, die Kirche müsse alte, ablehnende Traditionen hinter sich lassen und einen zeitgemäßen Umgang an den Tag legen. Doch unabhängig von der Traditionenfrage besteht auch die Frage, was in der Bibel denn überhaupt zu Homosexualität steht.

Homosexualität in der Bibel: erlaubt oder Sünde?

Sowohl das Alte als auch das Neue Testament beinhalten Stellen, die in verschiedener Deutlichkeit über das Thema sprechen. Eine einheitliche Linie dafür oder dagegen gibt es nicht. Außerdem können viele Stellen auch ganz unterschiedlich ausgelegt werden, was die Diskussion erschwert. Wir haben die vier konkretesten Stellen zusammengestellt und schauen uns die am weitesten verbreiteten Interpretationen an.

Fazit: Wie stehen Kirche und Bibel zu Homosexualität?

  • Zwar hat der Vatikan ein entsprechendes Papier vorgelegt, trotzdem wird der Umgang innerhalb der katholischen Kirche nicht einheitlich praktiziert.
  • Aus der Tradition heraus galt Homosexualität in der katholischen Kirche lange als Sünde. Das wird inzwischen aber immer mehr infrage gestellt.
  • Die Bibel thematisiert gleichgeschlechtliche Verbindungen zwar, tut das aber nicht einheitlich. So werden lesbische Frauen beispielsweise seltener und auch nicht explizit als sündhaft beschrieben. Männliche Homosexualität wird häufiger thematisiert.
  • Was die Bibel mit „gleichgeschlechtlicher Vereinigung“ meint, ist nicht klar. Partnerschaftliche Liebe wird nicht erwähnt, könnte aber je nach Auslegung mitgemeint sein. Nur der Geschlechtsverkehr selbst wird wörtlich erwähnt.

Die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten zeigen, warum die Haltungen in der katholischen Kirche so weit auseinander gehen können, wie sie es aktuell tun. Anhand der Bibel kann für beide Haltungen argumentiert werden. Welches Gewicht die bestehende Tradition bekommen soll und ob sie verändert werden kann, kann die katholische Kirche selbst nicht beantworten. Spannend bleibt trotzdem der Prozess, inwiefern sich die Kirche gesellschaftlicher Öffnung anpasst und wo sie auf ihre Tradition besteht.

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