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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)
Björn Widmann
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Gerade war Halbzeit beim 9-Euro-Ticket – Ende August läuft das deutschlandweit gültige Nahverkehrsticket aus. Die Nahverkehrsbranche wünscht sich eine Verlängerung.

Das 9-Euro-Ticket ist ein Riesenerfolg – deswegen werden die Rufe nach einem Nachfolger immer lauter. Zunächst solle das beliebte 9-Euro-Ticket als „Übergangslösung" auch noch im September und Oktober gelten – „und so die Bürgerinnen und Bürger von den hohen Energiepreisen entlasten“, sagt Oliver Wolff, der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) der Süddeutschen Zeitung.

Es brauche schnell eine Nachfolgelösung. Die zwei Monate würden Politik und Branche Zeit verschaffen, um ein dauerhaftes Angebot für ein bundesweites Nahverkehrsticket zu entwickeln. „Die Menschen sollten Ende August nicht in ein Loch fallen.“ Die Energiepreise seien schließlich weiter hoch.

Nach dem 9-Euro-Ticket ein 69-Euro-Ticket?

Der VDV hatte langfristig ein Ticket zum Preis von 69 Euro ins Spiel gebracht. Die Fahrkarte solle weiter bundesweit für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelten. Die Politik könne diesen Monatspreis „aus sozialpolitischen Erwägungen – zum Beispiel für die Dauer des Krieges – für Bedürftige auf 29 oder 39 Euro senken“, sagte Wolff.

Auch aus der SPD kamen Forderungen nach einem Nachfolgeangebot. Zunächst müsse aber die nachhaltige Finanzierung geklärt sein.

9-Euro-Ticket-Nachfolger: Ja, aber bitte nur für die Wohlhabenden?

VDV-Verbandschef Wolff hatte zuvor gesagt, dass der Nachfolger des günstigen 9-Euro-Tickets für einen Großteil der Nutzer weiter attraktiv sein solle. Allerdings haben Teile von Wolffs Statement auch einen bitteren Beigeschmack. Vor allem „zahlungswillige Autofahrerinnen und -fahrer“ seien für das 69-Euro-Ticket „in der Marktforschung als relevante Zielgruppe“ festgestellt worden. Das Ganze bekommt dann den „ÖPNV-Klimaticket“-Stempel – schließt aber Menschen mit geringem Einkommen nahezu aus.

Ausgehend von der Prämisse, dass die ÖPNV-Tarife der Verkehrsverbünde für das Gros der Fahrgäste weiterhin attraktiv sein werden, schlagen wir insbesondere für diejenigen, die sich in der Marktforschung als relevante Zielgruppe erwiesen haben – zahlungswillige Autofahrerinnen und -fahrer – ein bundesweit gültiges ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro pro Monat als einfache Fahrtberechtigung der 2. Klasse vor.

Die Marktforschung zum 9-Euro-Ticket zeichnet ein Bild von den Möglichkeiten & Grenzen eines #ÖPNV-Klimatickets als Anschlusslösung: Sie muss bundesweit gültig sein, entlastend wirken und darf nicht in Konkurrenz zum #Ausbau des ÖPNV-Angebots stehen. #69EuroTicket #Klimaticket https://t.co/3NFnzycekn

Damit trifft Wolff einen wunden Punkt. Denn viele User in den Sozialen Medien prangern an, dass vor allem die von Armut betroffenen Menschen in Deutschland sich ein 69-Euro-Ticket gar nicht leisten könnten. Wolffs Worte zeigen, dass es ihm auch gar nicht darum geht, dass alle Menschen im Land günstig fahren können – sondern lieber die, die Geld haben und das auch ausgeben wollen. Ärmere Menschen hätten dann wieder einmal das Nachsehen.

Anders als das 9-Euro-Ticket würde die 69-Euro-Fahrkarte auch nicht automatisch für Abonnenten gelten, hieß es weiter. Fahrgäste müssten vielmehr abwägen, welches Abo für sie am besten passe.

Nachfolgeregelung auch aus den Reihen der SPD erwünscht

Auch SPD-Fraktionsvizechef Detlef Müller hat dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt, dass er für eine Nachfolgeregelung des 9-Euro-Tickets ist. Allerdings will sich Müller noch nicht auf einen endgültigen Preis festlegen: „Ob ein Anschlussticket dann 39, 49 oder 69 Euro kostet, ist zweitrangig“, sagte er. „Es muss aber in einem Rahmen sein, der psychologisch wirkt und sich für Menschen lohnt, ihr Auto stehen zu lassen.

Müllers Vorschlag: Bis zur Verkehrsministerkonferenz im Herbst soll ein Vorschlag für eine Fortsetzung des Tickets und deren Finanzierung entwickelt werden. „Ich fände es gut, wenn Bund und Länder sich auf ein dauerhaftes Modell verständigen könnten, an dem sich die Länder jedoch ähnlich beteiligen wie bei dem Corona-Rettungsschirm.

Die Frage der Finanzierung sei wichtiger als die Frage, wann ein neues Angebot starte. „Denn klar ist, dass ein preiswertes Ticketangebot nicht zulasten des Ausbaus und des Betriebs im ÖPNV finanziert werden kann.

9-Euro-Ticket gibt es noch bis Ende August

Mit dem 9-Euro-Ticket können Fahrgäste noch bis Ende August für neun Euro pro Monat im ÖPNV durch ganz Deutschland fahren. Mit der dreimonatigen Aktion sollen Bürger zum einen entlastet werden. Zum anderen soll der Umstieg auf Busse und Bahnen attraktiver werden.

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Netz bei 69-Euro-Ticket gespalten

So groß die Zustimmung zum 9-Euro-Ticket war, so gering ist sie in den Sozialen Medien beim 69-Euro-Ticket. Größter Kritikpunkt der User: Die Bundesregierung komme nicht aus alten Denkweisen heraus. Ein kostenloser Nahverkehr sei günstiger als das Subventionieren von umweltschädlichen Verkehrsangeboten. Außerdem hätten Menschen mit geringem Einkommen wieder das Nachsehen.

Ingwar Pero findet, „ein #69EuroTicket ist genau um 69€ zu teuer“. Das Geld für einen kostenlosen ÖPNV sei da, „es ist nur falsch verteilt und in den Händen der falschen Leute“.

Ich finde ein #69EuroTicket ist genau um 69€ zu teuer. Der Staat gibt jährlich über 30 Mrd. € für umweltschädliche Subventionen im Verkehr aus. Ein kostenloser ÖPNV würde ca. 15 Mrd. Euro kosten. Das Geld ist da, es ist nur falsch verteilt und in den Händen der falschen Leute.

Michael Lühmann sieht das ähnlich: „Ein Land, das klimafeindlichen Flugverkehr & Diesel subventionieren kann, aber mit spitzem Stift rechnet, um aus einem #9EuroTicket ein #69EuroTicket zu machen, hat Begriffe wie Zeitenwende & Klimakatastrophe in seiner Bedeutungsbreite noch nicht begriffen. Armut auch nicht.

Ein Land, das klimafeindlichen Flugverkehr & Diesel subventionieren kann, aber mit spitzem Stift rechnet, um aus einem #9EuroTicket ein #69EuroTicket zu machen, hat Begriffe wie *Zeitenwende* & *Klimakatastrophe* in seiner Bedeutungsbreite noch nicht begriffen. Armut auch nicht.

Der Karlsruher Grünen-Abgeordnete Alexander Salomon hat vorgeschlagen, das Ticket zu staffeln – und die Preise je nach Geltungsbereich festzulegen. „9 Euro für den eigenen Verkehrsverbund, 29 Euro für das eigene Bundesland, 69 Euro für ganz Deutschland. Fände ich in Ordnung“, schrieb er auf Twitter.

9 Euro für den eigenen Verkehrsverbund 29 Euro für das eigene Bundesland 69 Euro für ganz Deutschland. Fände ich in Ordnung. #69EuroTicket #9EuroTicket

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Radionachrichten 11. August, 8:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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