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Judith Schneider
Judith Schneider (Foto: SWR3)
Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Nachts ist es bitterkalt. Trotzdem gibt es Obdachlose, die draußen übernachten. Ansprechen oder Hilfe holen: Was tun, wenn man einen frierenden Menschen in der Kälte entdeckt?

Kältebusse helfen Obdachlosen im Winter

Draußen zu übernachten ist vor allem in den Wintermonaten bei Minusgraden nicht ganz ungefährlich. Ein Grund, warum es die sogenannten Kältebusse gibt. Die ehrenamtlichen Helfer schauen in Unterführungen, suchen unter Brücken oder an bekannten Plätzen nach frierenden Obdachlosen, um sie mit Decken, Schlafsäcken oder Tee vor der Kälte zu schützen. Unter ihren Rufnummern nehmen sie auch Hinweise von Passanten entgegen, die Menschen, die der Kälte ausgesetzt sind, helfen wollen.

Winter und Corona: Arbeit von Kältebusse erschwert

Während der Corona-Pandemie sind die Möglichkeiten zur Hilfe begrenzt. Ralf Blümlein arbeitet bei einer Obdachloseninitiative, die für Mainz und Bad Kreuznach zuständig ist. Er erzählt, dass die Kältebusse während der Corona-Pandemie vor noch mehr Problemen stehen. Die meisten stationären Einrichtungen und Herbergen seien voll belegt. Eine Entspannung der Situation würde Blümlein darin sehen, dass Kirchen und Hotels, die gerade wegen der Corona-Pandemie nicht genutzt werden, ihre Türen für Obdachlose öffnen. In Kirchen könnten zum Beispiel Matratzen auf den Boden gelegt werden.

Ich würde auch dafür plädieren, dass wir die Kirchen auch in die Verantwortung nehmen. (...) Sollte man überlegen – im Zuge der Nächstenliebe – was ja auch immer von den Kirchen 'gepredigt' wird, wäre es ganz schön, wenn die sich auch beteiligen würden.

Es gebe auch Obdachlose, die draußen bleiben wollen, erzählt Blümlein – trotz zweistelligen Minusgraden: „Das müssen wir respektieren. Das ist manchmal schwierig, aber in der Regel kommen die Leute damit eigentlich zurecht. Wir haben ja viele, die leben schon zehn oder zwanzig Jahre auf der Straße.“

Schlafsäcke und Suppe können Leben retten

Die Mainzer Obdachloseninitiative verteilt Isomatten, Decken, Schlafsäcke, warme Suppen und Tee an die Menschen – das kann schon Leben retten. Bei den Spenden sind nicht nur Decken gerne gesehen, erzählt Blümlein. „Gaskocher gehen immer, Taschenlampen. Warme Unterwäsche halten wir vor – aber Socken, Handschuhe, Mützen, Konserven, weil die sind länger haltbar, auch mal ein Zelt – das sind so konkrete Hilfen.“

Auch andere Initiative stehen durch die Pandemie vor zusätzlichen Herausforderungen: Der Kältebus in Karlsruhe konnte wegen der Corona-Regeln nicht so arbeiten, wie er gerne würde. Denn: Die Einrichtung in Karlsruhe fährt eigentlich immer mit drei Mitarbeitern im Bus – das ist aber eine Person mehr, als nach den aktuellen Kontaktbeschränkungen erlaubt wäre. Deshalb fuhr der Bus lange Zeit nicht – jetzt ist er mit zwei Mitarbeitern wieder im Einsatz.

Was tun, wenn man einen Obdachlosen in der Kälte sieht?

Maximilian Scheer vom DRK in Karlsruhe hat Tipps gegeben:

1. Nicht wegschauen, wenn man Menschen in Not sieht

Zu dem Obdachlosen hingehen und beobachten wie es ihm geht. Aber Vorsicht: Obdachlose anzusprechen sei nicht immer eine gute Idee, sagt Maximilian Scheer: „Ansprechen ist schwierig, wenn dann mit Vorsicht. Die meisten sind sehr scheu. Es gibt durchaus auch Menschen, die leicht aggressiv reagieren, wenn man sie anspricht. Das Einfachste ist, uns zu informieren und wir schauen dann nach ihm.“

2. In Notfällen Rettungsdienst rufen

Bei medizinischen Notlagen – wenn die Person zum Beispiel leicht blass oder blau wird, schon zittert oder aufgehört hat zu zittern – auf jeden Fall den Rettungsdienst rufen.

3. Kältebus anrufen

Wenn der Obdachlose nicht bewusstlos ist, sondern einfach nur schläft, dann den Kältebus informieren. Obwohl die Arbeit von vielen Organisationen während Corona erschwert ist, könnt ihr bei den Nummern anrufen und nach Hilfe fragen.

4. „Nein“ eines Obdachlosen akzeptieren

Auch wenn es schwer ist nachzuvollziehen: Manche Obdachlose möchten keine Hilfe annehmen und trotz allem draußen bleiben. Wenn man jemandem eine Decke oder einen warmen Tee bringen will und vorsichtig ist, könne man das aber schon machen, sagt Scheer.

Obdachloser (Foto: picture alliance / Henning Kaise)
picture alliance / Henning Kaise

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