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Malte Dedecek
Malte Dedecek (Foto: SWR3)

Wer die Klimaanlage richtig bedient, fährt sicherer. Bis zu ein Drittel mehr Unfälle passieren bei steigender Temperatur im Auto ohne Klimaanlage.

Klimaanlagen im Auto verhindern Unfälle, nicht nur durch die freie Sicht im Winter, sondern vor allem auch im Sommer, denn bei 37 Grad im Auto besteht eine um dreiunddreißig Prozent höhere Unfallgefahr bei Fahrten in der Innenstadt. Deshalb ist es gut, dass mittlerweile fast alle Neuwagen mit einer Klimaanlage ausgestattet sind. Entweder eine, bei der die Temperatur manuell eingestellt wird oder eine, die selbst die Temperatur über Sensoren regelt je nach Ausstattung sogar unterschiedliche Temperaturen in verschiedenen Bereichen. Das heißt dann Klimaautomatik.

Wie funktioniert die Autoklimaanlage?

Eine Klimaanlage funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank. Das in der Anlage zirkulierende Kältemittel wechselt seinen Zustand zwischen gasförmig und flüssig, nimmt dabei Wärme auf und gibt diese wieder ab. Dafür sorgt ein Kompressor, der von dem Auto mit einem Keilriemen angetrieben wird. Der Kompressor verdichtet das Gas, das dadurch heiß wird und im Kühlergrill vom Fahrtwind abgekühlt und so wieder flüssig wird.

Wenn der Druck im Kreislauf nachlässt und die Flüssigkeit wieder gasförmig wird, entzieht sie der Luft Wärme und kühlt auf bis zu 2 Grad ab. Im Winter arbeitet die Klimaanlage eigentlich nicht mehr; ab ca. 5 Grad Außentemperatur besteht die Gefahr, dass der Kondensator vereist, da wir aber bei 5 Grad auch nicht die Kühlung einschalten, ist uns das vermutlich noch nicht aufgefallen. Einschalten macht aber auch Winter Sinn um die Luftfeuchtigkeit aus dem Auto zu bekommen und die Klimaanlage nicht undicht werden zu lassen.

So funktioniert eine Klimaanlage (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa-infografik)
So funktioniert eine Klimaanlage dpa-infografik

Autoklimaanlage regelmäßig warten lassen

Ihr solltet die Klimaanlage mindestens alle zwei Jahre warten lassen. Bei den meisten Herstellern gehört die Wartung nicht zu den normalen Inspektionen dazu. Oft wird eine Wartung vorgesehen, wenn die Leistung nachlässt, dann können aber schon schnell erste Schäden entstehen, die sie einiges teurer machen.

Klimaanlagen verlieren jedes Jahr zwischen acht und fünfzehn Prozent ihres Kältemittels. Dieses sorgt nicht nur für die richtige Kühlung, sondern enthält auch ein Öl, das den Kompressor schmiert und Dichtungen vor dem Austrocknen schützt.

Bei der Klimaanlagenwartung werden die Bauteile überprüft und das Kältemittel ausgetauscht. War die Anlage defekt oder zu leer, wird noch eine Dichtigkeitsprüfung vorgenommen. Je nach Zustand der Anlage kann auch noch eine Desinfektion anstehen. Der Preis der Inspektion ist überwiegend vom verwendeten Kältemittel abhängig und schwankt zwischen 50 und 200 Euro.

Ältere Autos verwenden das Kältemittel R134a. Das ist aus Umweltschutzgründen in Neuwagen verboten, darf aber bei Bestandwagen noch nachgefüllt werden. Das Mittel ist mit Abstand am günstigsten. Das neuere Mittel heißt R1234yf. Weil dies stark ätzend und hoch entzündlich ist, sind mehrere Autobauer auf das Mittel R744 umgestiegen, das nicht entflammbar ist. Beide Mittel sind einiges teurer. Allein die Gefährlichkeit der Stoffe macht klar – die Wartung kann wirklich nur eine Werkstatt machen.

Hilfe, es stinkt! Was kann ich machen?

Spätestens wenn eure Klimaanlage müffelt, müsst ihr was unternehmen. Dann haben sich Schimmel, Bakterien und andere Mikroorganismen im Gebläse und auf dem Verdampfer ausgebereitet. Die mögen das feuchte, warme Klima dort. Ihr könnt selbst diese Wege reinigen, entweder mit einem speziellen Schaum für die Schächte oder einfacher mit einem Spray. Dafür schaltet ihr die Belüftung in Umluft auf höchste Stufe, stellt das Spray in den Fußraum, öffnet es und verlasst schnell das Auto. Nach einer Viertelstunde gut lüften und alles müsste wieder normal riechen.

Am besten solltet ihr dann auch den Luftfilter wechseln oder wechseln lassen, denn der soll eigentlich den Schmutz zurückhalten, so dass gar nicht erst die Kulturen den Verdampfer erreichen. Wechselt am besten gleich gegen einen Filter mit Aktivkohle, der filtert noch zusätzliche Schadstoffe raus.

Ansonsten könnt ihr nur dafür sorgen, dass Lufteinlässe sauber und frei bleiben. Die befinden sich in der Rinne unterhalb des Scheibenwischers, in der sich immer gerne Blätter sammeln. Also Blätter raus und kühle Luft rein.

Der Artikel ist zuerst im SWR3 Magazin erschienen

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