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Michael Haas
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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Der letzte Fall für Kommissar Raczek an der deutsch-polnischen Grenze ist über weite Strecken unterhaltsam – aber trotzdem ist die Luft raus, meint SWR3-Tatortchecker Michael Haas.

Im Polizeiruf 110 geht es diesmal in die Lausitz nahe der polnischen Grenze, in eines der ehemaligen Braunkohleabbaugebiete, die dort jetzt renaturiert werden. An den künstlichen Seen sollen Freizeitmöglichkeiten und Erholungsgebiete entstehen. Der Fall, zu dem die beiden Ermittler dort gerufen werden, ist der letzte für Kommissar Raczek. Er steigt als Kommissar aus dem Polizeiruf-Team nämlich aus.

Zwei Kommissare an einem See (Foto: ard-foto s2-intern/extern, rbb / Cristoph Assmann)
Die polnische Geologin Magdalena Nowak wird tot in einem Waldstück am Rande eines ehemaligen Braunkohlegebiets in der Lausitz gefunden - offensichtlich mit einer Plastiktüte erstickt. Kriminalhauptkommissar Adam Raczek und Kriminalkommissaranwärter Vincent Ross konzentrieren sich auf die Bewohner des Dorfes und quartieren sich während ihrer Ermittlungen vor Ort ein.

Polizeiruf 110: Gängiges Krimi-Klischee

Klischee-Alarm im Polizeiruf: Eine junge Frau läuft nachts allein durch den Wald. Voller Angst und Panik flieht Sie vor einem Unbekannten. Ein gängiges Bild, bei dem Gesellschaftskritiker mit Recht die Augen verdrehen. Frauen regelmäßig als Gewaltopfer darzustellen, das ist genauso problematisch, wie den dunkeln Wald als einen gefährlichen Ort auszugeben. Laut Statistik passieren mehr Übergriffe und Gewalttaten an vermeintlich sicheren Orten wie zu Hause als an irgendwelchen dunklen Orten. Doch so beginnt er nun mal leider, dieser Polizeiruf aus dem fernen Osten Deutschlands. Eine junge Frau wird durch den dunklen Wald gehetzt, wenig später ist sie tot. Erstickt.

Gefunden wurde die Frau noch in der Nacht von ihrem Freund. Und so fragen sie die beiden Kommissare dann doch mal, ob es vielleicht jemand war, der die Frau kannte. Und eben kein Unbekannter, der aus irgendeinem Gebüsch hervorgesprungen ist. Und tatsächlich:

Der Freund der jungen Frau, die sie noch in der Nacht gefunden haben will, verwickelt sich in Widersprüche. Zum Glück reizen die Autoren das Klischee vom bösen Unbekannten im dunklen Wald nicht aus. Und immer hin, jetzt stellt sich raus, dass die Frau einen interessanten Beruf hatte – also interessant für die Ermittlungen. 

Zwei Männer halten einen Grabstein (Foto: ard-foto s2-intern/extern, rbb / Cristoph Assmann)
Die Brüder Dirk und Tom Grabowski geraten unter Tatverdacht im Zusammenhang mit einem Gewaltverbrechen, weil beide das Opfer näher kannten.

Der letzte Polizeiruf mit Lucas Gregorowicz als Adam Raczek

Sie war Geologin und arbeitet gerade an einem Gutachten, in dem es darum ging, ob das Ufergebiet des nahegelegenen Braunkohlesees touristisch erschlossen werden kann. Dabei geht es um Bauland und um sehr viel Geld. Und mehr noch, die Zukunft gesamten Region. Und die ihres Freundes. Aber zum Glück tauchen auch noch ein paar andere Verdächtige auf; was dem Polizeiruf gut tut, ihn aber auch nicht mehr richtig retten kann. Irgendwie ist da die Luft raus. Kommissar Raczek richtet sich mit Tabletten zu Grunde und irgendwie scheint Lustlosigkeit über dem Polizeiruf zu schweben. Kriminalkommissaranwärter Vincent Ross scheint der einzig wirklich zielstrebige im Team zu sein und bringt mit seiner unkonventionellen Art und seinem gewöhnlichen Style, der eher an Nachtclub als an Polizei erinnert, sowas wie großstädtischen Flair in den Polizeiruf, der komplett in der in der Nieder-Lausitz südöstlich von Finsterwalde spielt.

Mann wird festgenommen (Foto: ard-foto s2-intern/extern, rbb / Cristoph Assmann)
Maria Franke muss im Beisein von Dirk Grabowski mit ansehen, wie ihr Sohn Andreas wegen Mordverdachts festgenommen wird.

Fazit zum Polizeiruf 110 aus Frankfurt an der Oder

Man merkt deutlich, dass es der letzte Fall für das deutsch-polnische Team um Adam Raczek ist. Denn Schauspieler Lucas Gregorowicz steigt aus. André Kaczmarczyk macht als Vincent Ross dann künftig erstmal alleine weiter.

Trotz der Schwächen mit dem klischeehaften Anfang und der gespielten Lustlosigkeit des Kommissars ist der Polizeiruf aber vor allem eins: solides Handwerk und sicher auch über weite Strecken unterhaltsam. Gerade bei der Tätersuche hat die Story immer wieder eine neue Wendung parat. Aber mehr als drei Elche sind diesmal nicht drin.

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