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Gleich nochmal ein Tatort aus Stuttgart. Erst kürzlich spielte einer komplett im Stau. Jetzt schon der nächste, weil er an’s Datum gebunden ist: Vor ziemlich genau 40 Jahren starben im Hochsicherheitstrakt der JVA Stuttgart-Stammheim drei führende RAF-Terroristen. „Der rote Schatten“ ist äußerst gelungen und wurzelt in der Zeit des sogenannten Deutschen Herbstes.

40 Jahre nach dem Deutschen Herbst verunglückt ein Mann mit seinem Wagen auf einer Landstraße. Im Kofferraum liegt eine Leiche: Es ist Marianna, seine Ehefrau. Er wollte sie nach Frankreich bringen, um die dort obduzieren zu lassen. Denn der Mann befürchtet, dass die Todesermittlungen in Deutschland von den Behörden manipuliert wurden. Und sein Misstrauen ist nicht unbegründet. Denn wie sich herausstellt, schützt der Verfassungsschutz nicht die Bürger, sondern die, die ihm irgendwann mal aus der Patsche geholfen haben.

Kommissar Lannert (Richy Müller) (Foto: ard-foto.de)
40 Jahre liegen der Deutsche Herbst und die Todesnacht von Stammheim zurück. Die Folgen dieser traumatischen Zeit beeinflussen den aktuellen Fall der Kommissare Lannert und Bootz. ard-foto.de Bild in Detailansicht öffnen
Die Kommissare Lannert und Bootz erreichen den Tatort und informieren sich bei einer Polizistin: Marianne Heider kam angeblich bei einem Badewannenunfall ums Leben. ard-foto.de Bild in Detailansicht öffnen
Ihr Exmann Christoph Heider glaubt jedoch, dass sie ermordet wurde. Heider versucht Thorsten Lannert davon zu überzeugen, dass Wilhelm Jordan, der aktuelle Lebensgefährte seiner Ex-Frau, der Täter ist. ard-foto.de Bild in Detailansicht öffnen
Christoph Heider wird ertappt, als er den Leichnam aus der Friedhofskapelle entführt, um ihn im Ausland obduzieren zu lassen. Thorsten Lannert und Sebastian Bootz finden Heiders Darstellung glaubwürdig genug, um der Sache nachzugehen. ard-foto.de Bild in Detailansicht öffnen
Doch eigentlich sollte das gar kein Fall für Lannert und Bootz sein – immerhin hat die Staatsanwaltschaft ihn bereits als Unfall zu den Akten gelegt. Oberstaatsanwalt Lutz weist Emilia Álvarez ausdrücklich an, den Fall nicht wieder aufzurollen. ard-foto.de Bild in Detailansicht öffnen
Die Kommissare stellen fest, dass Wilhelm Jordan in den 70er Jahren als V-Mann für den Verfassungsschutz gegen die RAF eingesetzt war. Ist das der Grund dafür, dass die Kommissare bei den Ermittlungen ständig auf Widerstand aus Polizeibehörde und ard-foto.de Bild in Detailansicht öffnen
Thorsten Lannert sammelt Informationen über die Aktivitäten des Verfassungsschutzes im Herbst 1977 von Kravitz. ard-foto.de Bild in Detailansicht öffnen
Doch ist Wilhelm Jordan überhaupt Wilhelm Jordan? Der Mann hat eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem ehemaligen RAF-Mitglied, das später mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeitete und ausgerechnet über die Frage Aussagen gemacht hat, wie die ard-foto.de Bild in Detailansicht öffnen
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So legt es zumindest der Film nahe: Ein ehemaliger V-Mann kann machen, was er will, weil er für immer und ewig vom Verfassungsschutz gedeckt wird. Denn vor 40 Jahren soll er als V-Mann irgendetwas mit dem Waffenschmuggel in die JVA Stammheim zu tun gehabt haben.

Regisseur Dominik Graf ist hier ein toller Film gelungen, ob’s auch ein toller Krimi ist, das ist die Frage. Denn eigentlich geht’s irgendwann nicht mehr um die Aufklärung des aktuellen Falls, sondern mehr und mehr um die toten Terroristen von Stammheim und um die auch nach vierzig Jahren noch offenen Fragen.

Authentische Zeitreise in die 70er Jahre

Dabei ist es eindrucksvoll, wie plastisch und authentisch der Film die 70er Jahre wiedergibt. Er ist ganz dicht erzählt und spielt mit einer Menge Archivmaterial, was teilweise sogar nachgedreht wurde und aussieht wie echt. Hut ab! Auch sind viele Figuren sehr fein gezeichnet, und toll gespielt etwa von Heike Trinker und Hannes Jaenicke.

Sehr guter Film, als Krimi nicht ganz so top

Was jetzt die reine Krimistory angeht, da war für mich nach einer Stunde ein bisschen die Spannung raus, dafür stand die historische Aufarbeitung zu sehr im Mittelpunkt, oder besser die eben Nicht-Aufklärung der Todesnacht. Das machte den Film eher interessant, den Krimi aber nicht spannender. Deshalb gebe ich für einen sehr guten Film und einen ganz guten Krimi vier von fünf Elchen.

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