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Am Einheitswochenende gibt’s passender Weise einen Tatort aus Berlin. Die Kommissare sind ja auch ein Einheits-Team: Rubin aus dem Westen und Karow aus dem Osten.

Die beiden bekommen es mit einem teils sehr politischen Fall zu tun, der drei Generationen einer Familie beleuchtet. Ein paar Worte nach Mitternacht – das ist nichts zum mal nebenbei gucken, findet SWR3-Tatortcheckerin Simone Sarnow.

Dieser Tatort fordert volle Aufmerksamkeit!

Tod durch Kopfschuss – und das am 90. Geburtstag. Der Unternehmer Klaus Keller wird auf seiner Dachterrasse gefunden, um den Hals ein Schild auf dem steht: „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen“. Solche Schilder, hatten die Nationalsozialisten Deserteuren um den Hals gehängt, bevor sie diese hingerichtet haben. Und weil der Tote als Lebenswerk auch noch ein Doku-Zentrum in Israel bauen wollte, ist für Kommissarin Rubin klar: Hinter der Tat steckt ein rechtsextremistisches Motiv.

Szenenbilder aus Tatort – Ein paar Worte nach Mitternacht (Foto: ard-foto s1, rbb/Stefan Erhard)
Nina Rubin (Meret Becker) recherchiert zum Thema "Hitlerjugend". ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Nina Rubin (Meret Becke, re.) erfährt von Kellers Witwe Else (Katharina Matz), dass ihr Mann bei der Hitlerjungend war. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke, li.) finden Klaus Keller (Rolf Becker) an seinem 90. Geburtstag tot auf. Um seinen Hals hängt eine seltsame Nachricht. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) finden Klaus Keller (Rolf Becker) an seinem 90. Geburtstag tot auf. Um seinen Hals hängt eine seltsame Nachricht. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow( Mark Waschke) ermitteln in der komplizierten Berliner Familiengeschichte von Klaus und Gert Keller – Keller West und Keller Ost. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Nina Rubin (Meret Becker, li.) und Robert Karow (Mark Waschke, re.) befragen Maja Keller (Marie-Lou Sellem) und Michael Keller (Stefan Kurt), der seinen Vater tot auffand. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke, li.) suchen Fredo Keller (Jörg Schüttauf) auf, den Neffen von Klaus Keller. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Robert Karow (Mark Waschke, li.) und Nina Rubin (Meret Becker) befragen Michael Keller (Stefan Kurt), den Sohn des Toten, zu seinem Verhältnis zum Vater. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Auch Moritz Kellers (Leonard Scheicher) Freundin Ruth (Victoria Schulz) kannte den toten Klaus Keller gut. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Robert Karow (Mark Waschke) sucht nach Moritz Keller. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen
Robert Karow (Mark Waschke, li.) sucht Moritz Keller (Leonard Scheicher) beim Holocaust Mahnmal auf. ard-foto s1 rbb/Stefan Erhard Bild in Detailansicht öffnen

Ost- gegen Westfamilie

Sie will den Fall deshalb am liebsten an den Staatsschutz abgeben. Aber der sieht sich nicht zuständig. Also dröseln Rubin und Karow die Familiengeschichte von Klaus Keller auf. Und in diesem „Drei-Generationen-Mikrokosmos“  ist enthalten: Da ist die Keller-Westfamilie mit dem jetzt toten Opa, der die Firma aufgebaut hat, sein Sohn, der mit dieser Firma viel Profit machen will und der Enkel des Toten, der sich auf Antifa-Demos prügelt.

Und die Keller-Ost-Familie mit dem Bruder des Toten, der im Osten eine Stasi-Karriere hingelegt hat und nach der Wende zu den Verlierern zählt. Sein Sohn ist zudem noch Mitglied der neuen Rechten im Berliner Senat.

Das ist ein richtiges Dickicht aus „ganz früher“, „früher“ und „heute“, durch das sich die Kommissare da kämpfen müssen. Ganz persönliche und tief gehende Szenen der Charaktere kommen oft zu kurz, aber es gibt sie. Zum Beispiel wenn die demente Frau des Opfers ihre Vergangenheit ganz klar sieht, aber den Tod ihres Mannes am nächsten Morgen schon wieder vergessen hat.

Der Tatort will zu viel

In diesem Tatort lernen wir auch das erste Mal die Eltern von Kommissar Karow kennen und erfahren noch ein paar Details über ihn. Zum Beispiel, dass er sich nach dem Mauerfall als erstes eine Stretch-Jeans im Westen gekauft hat.

Dieser Tatort will eigentlich ein bisschen zu viel, weil so ziemlich alles reingepackt wurde, was die Deutsch-Deutsche Geschichte so hergibt. Aber für mich schafft er es, wenn auch grade so, nicht andauernd den erhobenen Schuld-Zeigefinger zu heben. Karow ist – anders als sonst – bei diesem Fall etwas begriffsstutzig. Was aber herausragend ist, ist die schauspielerische Leistung, und zwar von allen. Deshalb gibt’s von mir 4 von 5 Elchen.

Tatortkritik: Ein paar Worte nach Mitternacht (Foto: ard-foto s1, rbb/Stefan Erhard)

SWR3-Tatortcheck Ein paar Worte nach Mitternacht

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