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Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf (Foto: SWR3)
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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Rosa hört einen Schuss, dann Schreie. Sie ahnt, dass sie in höchster Gefahr ist, dass jemand eine Waffe auf sie richtet. Sehen kann sie die Bedrohung nicht, denn, Rosa ist blind. So beginnt der Mainzer Tatort „Blind Date“. Der dritte mit Heike Makatsch als Hauptkommissarin Ellen Berlinger.

Scheiße, der ist tot!“

Weiße, helle Flecken vor schwarzem Hintergrund. Wie dicke Schneeflocken, die in der Dunkelheit angestrahlt werden. Mehr sehen wir nicht und mehr sieht auch Rosa nicht. Die blinde Studentin findet aber mühelos jeden Abend ihren Weg zur Tankstelle, um sich dort zwei Bier zu kaufen. Aber als sie heute direkt vor dem Eingang steht, fällt plötzlich ein Schuss. Sie hört jemanden fallen. Dann den Schrei einer jungen Frau: „Scheiße, man. Der ist tot. Scheiße. Da steht eine Frau an der Tür. Müssen wir die jetzt auch erschießen?

Tatort-Check: „Blind Date“ mit Heike Makatsch (Foto: ard-foto s2-intern/extern)
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Sie roch nach Angst und Vanille: Eine blinde Zeugin

Rosa ist mittendrin in einem Überfall, beim dem ein Mensch erschossen wird. Ihr Handicap rettet ihr das Leben. „Die ist blind“, schreit einer der Täter. „Die kann uns nicht sehen.“ Ein Mann und eine Frau sind es und sie fliehen auf einem Motorrad. Aber wie beschreibt man die beiden, ohne sie gesehen zu haben? „Sie roch gut“, erklärt die blinde Studentin den beiden Hauptkommissaren Ellen Berlinger und Martin Rascher.Sie roch auch nach Schweiß, sie hatte Angst. Aber ihr Parfüm roch gut. Nach Vanille, Safran.

Der Täter trug Sneaker

Rosa riecht die Täter, sie fühlt die Wärme des Fluchtmotorrads und sie bekommt auch die Schuhe der Täterin zu spüren. „Sie hat mich getreten. Und sie trug Sneaker“, sagt sie. „Sneaker? Warum Sneaker?“, fragt Martin Rascher. „Nun. Stiefel wären härter gewesen. Und Pumps spitzer.“ Hier gibt’s diesmal keine Phantomzeichnung nach den Angaben der Zeugin und bei der Gegenüberstellung heißt es ausnahmsweise. „Hören sie genau hin.

Kommissarin Berlinger verliert ihr Kind

Mit Gerüchen, Gefühlen, mit Spüren und Stimmen einen Mörder fangen. Tolle Idee, und dann auch noch Heike Makatsch als Kommissarin. Das klingt erst einmal vielversprechend und spannend. Mich hat der Tatort aber enttäuscht. Keine der dargestellten Figuren hat mich überzeugt. Dazu ein eigentlich aufwühlendes Drama um Berlingers kleine Tochter Greta. Aber selbst diese eigentlich herzzerreißende Geschichte wirkt für mich komplett gefühllos. Dass Ellen Berlinger es mit Gefühlen nicht so hat, gut. Aber diese Geschichte ist, so beiläufig wie sie dargestellt wird, für mich völlig unglaubwürdig.

Wer keine Skrupel hat, hat lauten Sex

Laute Musik und lautes Stöhnen beim Sex reichen für mich auch nicht, um damit die Skrupellosigkeit eines Pärchens darzustellen. Den Zusammenhang müsste mir erstmal einer erklären. Das hatten wir im „Tatort“ auch schon subtiler und angsteinflößender. Rosas Flucht aus dem überbehütenden Elternhaus ist verständlich, aber auch hier bleiben Gefühle und Charaktere für mich zu schwach, um das wirklich nachvollziehen zu können.

Fazit: Ein Tatort ohne Emotionen

Ermittlungen mal ohne Phantomzeichnung, ohne Zeugen, die sich in ihrer visuellen Wahrnehmung widersprechen, das ist ein toller Einfall, eine super Idee. Ein Tatort ohne große Emotionen, bei solch einem Thema, eher nicht. Zwei von fünf Elchen.

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