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Stefan Scheurer (Foto: SWR3)

„Meine Familie war wie eine kugelsichere Weste“ – wow, das klingt traurig – und genau so war der neue Berlin-Krimi auch. Hier trat zum ersten Mal in der Tatort-Geschichte eine komplett neue Art von Verdächtigem auf. Was das sollte, weiß Tatort-Checker Stefan Scheurer.

Es ist Winter. Es ist kalt, mitten in Berlin. Hier steht ein ganz besonderer Kiosk. Wer hier den Kaffee bestellt, bekommt ihn von einem großen Roboter geliefert – gerührt, geschüttelt, mit und ohne Milchschaum, eigentlich ziemlich lecker. Ein bisschen unappetitlich ist lediglich die Leiche, die direkt neben dem Roboter liegt.

Traurig und farblos: Wasser und Kaffee

Die Kommissare Rubin und Karow ermitteln: Der hochgradig Verdächtige Robi kann es nicht gewesen sein, denn der hat Sicherheitssysteme, die ihn abschalten, falls sich ein Mensch nähert. Wer also hat das Opfer umgebracht, den Chef des Kaffee-Roboters?

Die nächst-logische Tatverdächtige ist seine Frau: Traurig, farblos und in sich gekehrt erzählt sie, dass sie endlich so viel Zeit hat, wie sie will. Eben seitdem sie den Kaffee-Roboter betreiben. Nur ab und zu müsse man hin: Wasser und Kaffee nachfüllen.

Szenenbilder aus „Tiere der Großstadt“

Szenenbilder aus „Tiere der Großstadt“ (Foto: RBB / Conny Klein)
Mitten auf dem Kurfürstendamm steht der ultramoderne „Robista“ Coffeeshop, der gerade zum Tatort wurde. Der Betreiber Tom Menke wurde tot aufgefunden und ruft die Ermittler auf den Plan. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Klaas Andresen hat den Roboter entwickelt. Er erklärt den Kommissaren, wie es möglich ist, dass der Roboter Kaffee ausschenken kann. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Gerade als Karow und Assistent Tim Steinke sich fragen, ob eine manipulierte Kaffee-Nadel das Opfer umbrachte… RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
…entdeckt Karow in einer oberen Etage eines Wohnhauses etwas Verdächtiges. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Als Kathrin Menke am Tatort eintrifft, zeigt sie sich fassungslos über den Tod ihres Mannes. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Nach der Identifizierung ihres Mannes bricht Kathrin zusammen. Rubin und Karow kümmern sich um die Witwe. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Doch ein weiterer Mord ist passiert. Die Bloggerin Charlie beginnt gerade die Anmoderation ihres Videos im winterlichen Grunewald, als sie etwas Auffälliges entdeckt. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Entsetzt stellt sie fest, dass es sich im eine tote Frau handelt. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Die Spurensicherere sind schnell am Tatort und beginnen mit der Arbeit. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Nina Rubin muss erneut Angehörigen eine Todesnachricht überbringen. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Rubin und Karow analysieren die 24-Stunden-Blutdruckmessung von Kathrin Menke, in der Hoffnung Hinweise zu finden. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Im Fall Menke suchen die Kommissare nochmal Kathrin Menke auf. Sie lebt inmitten ihrer vielen Maine-Coon-Katzen, die sich auch von Karow und Rubin nicht aufscheuchen lassen. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Albert ist ein alter und einsamer Mann. Immer wieder ruft er Karow an, um sich mit ihm zu treffen. Hat er etwas am Tatort beobachtet? RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Albert kann aus seinem Fenster genau auf den Platz des Tatorts sehen. Aber stimmen die Geschichten, die er erzählt? Für Karow verhält sich der Rentner verdächtig. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Auch den Erfinder des „Robista“-Roboters, Klaas Andresen, sucht Karow nochmal auf und lässt sich in die Technik einführen. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Er lernt, wie leicht sich ein Roboter programmieren lässt. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Nina Rubin schließt einen Raubmord im Fall des toten „Robista“-Betreibers aus. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Diesmal trauert Reno Göring um seine Ehefrau. Er erzählt den Kommissaren auch, dass sie schwere Zeiten zu meistern hatten. Ihr Baby starb kurz nach der Geburt. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen
Kathrin Menke gerät immer mehr in den Fokus der Ermittlungen. RBB / Conny Klein Bild in Detailansicht öffnen

Zwischen Langeweile und Geschrei

Klingt langweilig? Ist es irgendwann auch. Und so plätschert die Berliner Tatort-Ermittlung so vor sich hin, immer wieder unterbrochen von den Wutausbrüchen Kommissar Karows: Er schreit an, was nicht bei drei aus dem Büro ist – in der Regel alle, die mit ihm und Meret Becker arbeiten.

Auf Dauer ein bisschen nervig

Das alles reicht nicht für 90 Minuten Tatort, das haben die Autoren auch gemerkt. Schon früh kommt deshalb ein zweiter Mord ins Spiel. „Was haben die beiden miteinander zu tun und wer war es“ möchte man als Zuschauer denken, wenn man wegen der ganzen Schreierei nicht schon selbst den Fernseher eingetreten hat.

Denn wie bei den letzten Berliner Tatorten: Es nervt einfach total, wenn du aus dem Fernseher immer wieder angeschrien wirst. So kann man einfach keine Sympathie für das Ermittlerteam erzeugen, egal wie originell die Story ist.

Meret Becker: Familie wie eine kugelsichere Weste

Auch Kommissarin Rubin (Meret Becker) leidet unter ihrer drittklassigen Familiensituation. Die beste Szene in diesem Tatort kommt von ihr: „Früher war es schlimm. Jetzt ist es schlimmer. Früher gab es meine Familie. Die war wie eine kugelsichere Weste.“ Das kann ich verstehen. Es ist der Moment größten Verständnisses zwischen uns auf der Couch und den Kommissaren. Der bleibt, bis Kommissar Karow wieder dazwischen brüllt.

Was den Berliner Tatort noch rettet…

Die Geschichte hat ein paar originelle Momente, aber bleibt am Ende hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sie ist zu früh durchschaubar. Trotzdem: Der Tatort hat auch schöne emotionale Bilder von Berlin. Er blickt tief hinter die traurige Fassade des Alltags der Nachbarn. Und es gibt ein paar bemerkenswert melancholische Momente. Und das rettet vor dem Absturz!

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