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Kira Urschinger (Foto: SWR3)

Studien zeigen, dass viele Menschen, die einen lebensbedrohlichen Verlauf einer Corona-Erkrankung haben, einen Vitamin-D-Mangel aufweisen. Schon länger kursieren Tipps, Vitamin D helfe gegen das Virus. Wir machen den Faktencheck.

„Zwei klinische Beobachtungsstudien zeigen, dass das Risiko für einen lebensbedrohlichen oder sogar tödlichen Verlauf bei Patienten mit niedrigen Vitamin-D-Werten deutlich höher liegt als bei guten Vitamin-D-Werten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Dr. Jacobs Instituts für komplementär-medizinische Forschung. „Das Risiko für einen tödlichen Verlauf war bei einem Vitamin-D-Mangel im Vergleich zu normalen Vitamin-D-Spiegeln um das 19-Fache erhöht. Nach Bereinigung dieser Störfaktoren ergab sich immer noch ein 10-mal höheres Sterberisiko für Coronavirus-Infizierte mit Vitamin-D-Mangel.“ In einer weiteren Studie habe sich ein 23-fach erhöhtes Risiko für einen lebensbedrohlichen Verlauf gezeigt.

Vitamin-D-Mangel eher ein Symptom als eine Ursache

Das klingt heftig – und bestätigt die Gerüchte, die schon seit Beginn der Corona-Pandemie beispielsweise in Form von Whatsapp-Kettenbriefen mit Tipps gegen das Virus kursieren. Die Einnahme von Vitamin D könne gegen das Coronavirus helfen. In der Pressemitteilung heißt es aber auch: „Bis dato belegen die Publikationen nur eine sehr starke Korrelation, aber beweisen noch keine Kausalität.“ Das ist wichtig, denn Vitamin D wurde schon öfter fälschlicherweise als Auslöser bestimmter Krankheiten vermutet, erklärt die SWR-Wissenschaftsredaktion. Das liege daran, dass Vitamin D allgemein ein Indikator dafür sei, dass ein Mensch nicht gesund ist. Es sei also zu vermuten, dass es sich eher um ein Symptom handelt als um einen Auslöser. Menschen, die an Vitamin-D-Mangel leiden, seien außerdem oft in den klassischen Risikogruppen für Infektionskrankheiten – eher älter, weniger draußen, nicht ganz fit.

Risikogruppe hat oft zu wenig Vitamin D

Das Robert Koch-Institut (RKI) schlüsselt die Risikogruppe für einen Vitamin-D-Mangel so auf:

Gefährdet für einen Vitamin-D-Mangel sind Personen, die sich selten im Freien aufhalten beziehungsweise aufhalten können, etwa weil sie immobil sind, chronisch krank oder pflegebedürftig. Zu dieser Personengruppe zählen unter anderem sehr alte Menschen, insbesondere solche, die in Pflegeheimen wohnen. Ältere Menschen sind aber auch generell gefährdet, da die Eigenproduktion von Vitamin D mit zunehmendem Alter nachlässt: Die beobachtete Abnahme der Eigensynthese hat vermutlich mit der Abnahme der Hautdicke zu tun, und die Fähigkeit, Vitamin D in Leber und Nieren zu metabolisieren, lässt nach. Hinzu kommt, dass ältere Menschen meist weniger Nahrung zu sich nehmen, so dass auch über die Ernährung weniger Vitamin D zugeführt wird.
Neben älteren Personen haben Säuglinge ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel, da sie keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden sollten.
Auch Menschen, die aus religiösen oder kulturellen Gründen nur mit bedeckter Haut ins Freie gehen, sowie Menschen mit dunklerer Hautfarbe sind gefährdet – bei letzteren ist dies auf die höhere Pigmentierung in der Haut zurückzuführen, die weniger UV-Strahlen durchlässt. Um genug Vitamin D produzieren zu können, wird daher eine längere Sonnenexposition beziehungsweise eine höhere UV-B-Intensität benötigt, die in den hiesigen Breiten nur schwer zu erreichen ist.
Zu den Risikogruppen zählen auch Menschen, die an chronischen Magen-Darm, Leber- oder Nierenerkrankungen leiden oder Medikamente einnehmen, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen (z.B. Antiepileptika oder Zytostatika).

Fazit: Wie und ob ein Vitamin-D-Mangel überhaupt mit den Krankheitsverläufen zusammenhängt, ist noch nicht gut genug erforscht. Tipps, Vitamin-D-Tabletten zu schlucken, um nicht an Covid-19 zu erkranken, sind fahrlässig.

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Vitamin D ist wichtig für Gesundheit und Immunsystem

In einer Studie des RKI haben 15,2% der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren einen sehr niedrigen Vitamin-D-Wert, der ein Risiko für Knochenerkrankungen wie Osteoporose bedingen kann. 40,8% sind suboptimal versorgt, wodurch es womöglich zu Folgen für die Knochengesundheit kommen könnte. Die Daten zeigen eine Momentaufnahme, keinen dauerhaften Mangel: Bei den Personen wurde nur einmal der Nährstoffgehalt gemessen. Zu den möglichen Folgen von Vitamin-D-Mangel ordnet das RKI ein, man habe in den vergangenen Jahren Zusammenhänge der der Vitamin-D-Versorgung und Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus Typ 2 sowie kardiovaskulären oder Krebskrankheiten gefunden. „Bislang gibt es jedoch keine Beweise für kausale Beziehungen.“

So oder so: Vitamin D ist wichtig für den Körper, die Gesundheit und das Immunsystem. Insbesondere im Sommer empfehlen Experten daher, nach draußen zu gehen: Schon fünf bis 25 Minuten UVB-Strahlung auf Hände, ins Gesicht und oder auf die blanke Haut von Armen und Beinen reichen für den kleinen Vitaminkick aus, sagt die SWR-Wissenschaftsredaktion. Deshalb gilt auch gerade für Übergangszeiten wie Frühling, Herbst oder auch morgens im Sommer: Besser nicht völlig eingepackt laufen, sondern vielleicht mal die Ärmel ein bisschen aufkrempeln.

Wenn die Sonne gerade nicht da ist, kann man über die Ernährung auf eine ausreichende Zufuhr von Nährstoffen achten- Vitamin D ist vor allem in fettreichen Fischen wie Lachs. Für manche Menschen kann es auch sinnvoll sein, Vitamin-Präparate einzunehmen. Hier aber unbedingt Rücksprache mit dem Arzt halten.

Was bringen Vitamin-Tabletten generell?

Die Deutschen geben jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro für Nahrungsergänzungsmittel aus. Geld, das man sich offenbar sparen kann, wie Studien zeigen. Weltweit sind sich Experten diesbezüglich einig, sagt Christiane Lux, die sich für SWR Marktcheck mit Vitamin-D-Präparaten beschäftigt hat. Klares Fazit: Für gesunde Menschen sind Nahrungsergänzungsmittel überflüssig und können im Zweifel sogar schaden.

Wer unter einer Krankheit leidet, bei der wirklich ein erhöhter Bedarf herrscht oder bestimmte Mineralstoffe oder Vitamine benötigt werden, kümmert sich der Arzt darum. Dann werden bestimmte Präparate empfohlen oder verordnet – das hat mit den Brausetabletten aus dem Drogeriemarkt oder den Pillen aus dem Supermarkt wenig zu tun.

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Was ist das Dr. Jacobs Institut für komplementär-medizinische Forschung?

Komplementärmedizin ist ein Überbegriff für alternative medizinische Methoden, die ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung oder Therapie eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise Akupunktur oder die sogenannte Phytotherapie, also der Einsatz von Heilpflanzen. Die Wirkung erforscht beispielsweise ein Lehrstuhl an der Universtität in Tübingen.

In der Selbstbeschreibung des Instituts heißt es: „Das Dr. Jacobs Institut hat sich zum Ziel gemacht, ganzheitliche Zusammenhänge in der Ernährungswissenschaft, Naturheilkunde und Erfahrungsheilkunde wissenschaftlich aufzuklären und dadurch zur Verbesserung und zum Erhalt wertvoller Präventionsmaßnahmen und Therapien beizutragen.“ Der Sitz des Instituts ist in Heidesheim.

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