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Sara Talmon
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Lea Kerpacs: Website-Redakteurin bei SWR3 (Foto: SWR3, Niko Neithardt)

Gutes Wetter und viel Zeit: Seit der Pandemie wollen sich viele Menschen ein neues Fahrrad kaufen. Das hat dazu geführt, dass es im Moment viel schwerer geworden ist, an sein neues Wunschfahrrad zu kommen. Eine Alternative: gebrauchte Fahrräder aus dem Netz. Auf diese Punkte solltet ihr vor dem Kauf achten.

  1. Gebrauchte Fahrräder auf Probleme untersuchen
  2. Eine Probefahrt ist sinnvoll
  3. Fragen an den Verkäufer stellen
  4. Experten fragen
  5. Noch nie ein Fahrrad gekauft?

Tipp 1: Beim Fahrradkauf genau hinsehen

Laut ADAC und ADFC solltet ihr euch das Fahrrad genau anschauen. Halten und funktionieren die Bremsen? Funktioniert das Licht? Ist der Rahmen zu groß oder zu klein für mich? Lässt sich das Rad locker schieben oder schleift irgendetwas? Hat der Rahmen Risse, Löcher oder Dellen? Die Kette sollte rostfrei sein und an ihr darf nicht zu viel Schmutz und Öl drankleben. Außerdem sollte man prüfen, ob die Reifen noch Profil haben oder ob sich schon Risse gebildet haben.

Das bestätigt auch Fahrradexperte Rouven Dehm aus Karlsruhe:

Wenn die Reifen porös sind oder Risse gebildet haben, kann man sie meistens ersetzen. Beim Handeln kann man das erwähnen und so den Preis oft noch ein bisschen drücken.

Was die Bremsen angeht sagt Dehm:

Checkt die Felgen, beziehungsweise den Felgenring, wo die Bremsen greifen. Da ist es so, dass sich nicht nur die Bremsbelege mit der Zeit abreiben, sondern auch das Metall. Je nachdem wie viel man bremst und wie alt das Rad ist, kann die Felge konkav werden, also einen Bogen nach innen bilden. Wenn der Bogen auf beiden seit zu tief wird, kann die Felge beim Bremsen reißen und dann bremst du mit der Nase.

Tipp 2: Vor dem Fahrradkauf eine Profefahrt machen

Niemals ein gebrauchtes Fahrrad kaufen, ohne es mal Probe gefahren zu sein, da sind sich Experten einig. Als erstes solltet ihr euch insbesondere bei Herrenrädern über das Fahrrad stellen und checken, ob die Rahmengröße passt, erklärt Dehm:

Wenn die Distanz zwischen deinem Schritt und dem Oberrohr zu groß ist, ist dir das Rad zu klein. Wenn du umgekehrt drinstehst, und du hast Schmerzen, dann ist es dir zu groß.

Dann solltet ihr alle Gänge nacheinander hoch und runter schalten und genau hinhören:

Rasselt oder klickert was? Ist irgendwas schwergängig? Knackt oder knarzt etwas? Ein leiseres Schleifgeräusch haben die meisten gebrauchten Fahrräder, aber heftige Geräusche sollten nicht sein. Und ganz wichtig rasten alle Gänge ordentlich ein?

Laut ADAC sollten Vorder- und Hinterrad in einer Spur laufen. Ist das nicht der Fall, könnte der Vorbesitzer einen Sturz mit dem Rad gehabt haben.

Tipp 3: Wichtige Fragen an Verkäufer des gebrauchten Fahrrades

Fragt den Verkäufer,

  • wie alt das Rad ist
  • wie oft es gefahren wurde
  • wer es gefahren hat. Rouven Dehms Geheimtipp:

Wenn du beispielsweise ein City-Fahrrad von einem älteren Herrn abkaufst, dann gehörte es oft der Ehefrau. Die hatte dann oft nur den Einkauf und das Hündchen auf dem Gepäckträger und ist am Ende kaum damit gefahren. Dazu kommt, dass sich ältere Herren oft gut um ihre Fahrräder kümmern. Bei einem gebrauchten Rennrad oder Mountainbike würde ich hingegen besonders vorsichtig sein. Da hat das irgendjemand schon irgendwelche Berge runter gejagt und du weißt nicht, was damit ist.

Außerdem schadet es nicht zu fragen, wie oft das Rad im Service war und ob es Kaufbelege gibt. Laut ADAC sollte man sich außerdem erkundigen, welche Teile unverändert sind und welche ausgetauscht wurden.

Tipp 4: Experten können beim Kauf eines gebrauchtes Fahrrades helfen

Es macht große Unterschiede, ob man sich ein City-Bike, ein Mountainbike, ein Rennrad oder andere Modelle zulegen will. Jedes Fahrrad ist laut Dehm individuell zu betrachten. Je nach Schaltung, Marke, Hersteller, Gebrauchsspuren, Besitzer, Alter usw. kann das Rad ganz unterschiedliche Mängel aufweisen. Deshalb rät er: „Zeigt das Rad jemandem, der sich auskennt“. Viele Privatverkäufer, die ihr Rad online stellen, hätten selbst keine Ahnung was es wert ist. Manche verlangen zu viel Geld und am Ende zahlt man nochmal den gleichen Preis für die Reparatur obendrauf. Das könne verhindert werden.

Online-Kauf eines gebrauchten Fahrrades: Tipp für Anfänger

Wer absolut gar keine Ahnung von Fahrrädern hat, kann sich zu Beginn seiner Suche an Marken orientieren, so Dehm:

Wenn ich merke, dass es eine Marke ist, die es schon seit Jahrzehnten gibt, dann weiß ich, dass da schon ein bisschen was dahinter ist.

Dann könne man seine Anzeige mit anderen Angeboten im Netz vergleichen. Wobei es, laut Experte, auch Markennamen gebe, die aufgekauft wurden. Die Räder würden in großen Supermärkten verkauft, hätten mit der früheren Qualitätsmarke aber nicht mehr zu tun, so Dehm. Recherchieren und viel Zeit lassen sei bei einem Privatkauf deshalb enorm wichtig: „Gibts viel Kritik über die Marke oder beispielsweise den Hersteller der Nabenschaltung?“ Denn auch da gebe es große Unterschiede.

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