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Jessica Brandt
Jessica Brandt (Foto: SWR3)

Wenn Paare sich trennen, kann das schon schwierig sein, wenn aber Kinder involviert sind, wird es noch komplizierter. Wir zeigen euch, wie ihr euch Hilfe suchen könnt und was ihr tun könnt.

Oft ist eine Trennung, egal ob mit oder ohne Kind, emotional, traurig, anstrengend und konfliktbehaftet. Wenn Kinder mit im Spiel sind, so bleiben die beiden Partner auch nach der Trennung noch verbunden, denn sie sind nicht nur Partner, sondern auch Eltern. Diese Aufgabe kann sehr herausfordernd sein. Hilfe kann dabei beispielsweise ein Familientherapeut sein. Zudem gibt es weitere Anlaufstellen, an die sich Familien wenden können, um die Trennung mit Kindern bewältigen zu können.

Was bedeutet die Trennung der Eltern für die Kinder?

Welche Auswirkungen die Trennung der Eltern auf ein Kind hat, können unterschiedlicher Natur sein: Die einen sind traurig, die anderen aggressiv und wiederum andere reagieren darauf kaum. Eine Trennung der Eltern kann jedoch auch eine Befreiung für das Kind sein, sagt Mercedes Lorenzo, Psychotherapeutin aus Karlsruhe.

Ich empfehle bei Konflikten zwischen den Eltern, egal, ob diese zur Trennung oder nicht führen, sich die Unterstützung von professionellen Fachkräfte zu holen.

Bei dieser Unterstützung geht es Mercedes Lorenzo vor allem um drei Aspekte:

  • eine stimmige Entscheidung für beide Eltern
  • eine gute Vorbereitung zum Wohl des Kindes
  • eine positive Durchführung der Trennung zum Wohl des Kindes

Kinder- und Jugendpsychologin Natalie Foos aus Karlsruhe berichtet davon, dass meist Eltern mit ihren Kindern in die Praxis kommen, wenn diese sich auffällig verhalten. Meist handele es sich dann um Kinder mit depressiven Störungen wie Trauer oder Aggressivität. Allerdings stellt Natalie Foos auch fest, dass Trennungen heute nicht mehr so gravierende Einschnitte im Leben der Kinder darstellen wie noch vor acht bis zehn Jahren. Es ist kein untypisches Familienmodell mehr, dass die Eltern nicht mehr zusammen leben oder eine Partnerschaft führen.

Wann sollte eine Trennung der Eltern stattfinden?

Mercedes Lorenzo sagt, dass der beste Zeitpunkt der Trennung sehr individuell sei und von vielen Faktoren abhängt. Unter anderem sei der Grund der Trennung sowie das Alter des Kindes ein Faktor.

Wenn es sich um Missbrauch (sexuell oder emotional) oder Misshandlung, von einem Partner zum anderen handelt oder von einem Elternteil gegenüber dem Kind, dann sollte die Trennung so schnell wie möglich, eventuell sofort passieren.

In diesen Fällen könne man sich unter der Nummer 0800 011 60 16 an das Hilfetelefon wenden. Auf der Webseite des Hilfetelefons gibt es auch Informationen in deutscher Gebärdensprache.

Im Normalfall empfehle die Therapeutin, sich zuerst Unterstützung zu holen, um die Probleme in der Paarbeziehung zu beseitigen. Sollte die Trennung oder Scheidung die beste Lösung sein, so können man weitere Schritte vorbereiten. Darunter fällt dann auch das Gespräch mit dem Kind, das von der Trennung schonend in Kenntnis gesetzt werden sollte.

Wie kann man Kindern die Trennung der Eltern beibringen?

Es gibt kein generelles Rezept dafür.

Dennoch sei es wichtig, dass die Eltern offen damit umgehen. Bereits im Alter von zwei bis drei Jahren könne ein Kind sehr viele Dinge verstehen, sodass es wichtig ist, mit dem Kind zu kommunizieren. Offenheit ist hier das Schlüsselwort.

Anton Stark, der stellvertretender Bereichsleiter der Familienwerkstatt Karlsruhe ist ebenfalls der Meinung, dass eine Trennung der Eltern für Kinder vieles bedeuten kann. Einige Kinder entwickeln Schuldgefühle, weil sie der Meinung sind, sie wären für die Trennung verantwortlich.

Daher kann es sehr hilfreich sein diese Themen anzusprechen und den Kindern zu zeigen, dass es nicht der Fall ist und mit ihnen schauen, wie sie sich wohler fühlen können.

Was hingegen laut Natalie Foos vermieden werden sollte: Streitigkeiten vor den Kindern auszutragen. Das führe gegebenenfalls zu Traumata, die das Kind stark belasten und in der Folge viele Begleiterscheinungen haben kann: Angst, Wut, Trauer. Hier sollte das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen.

Eltern streiten vor ihrem schreienden Kind über Trennung und Scheidung (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke)
Bei einer Trennung der Eltern kann es zu Streit kommen. Vermeiden sollte man dabei allerdings, das vor dem Kind zu tun, rät Therapeutin Nathalie Foos. picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke

Welche Unterstützung kann eine Therapie bei der Trennung der Eltern mit Kindern leisten?

Eine Therapie als Unterstützung bei der Trennung der Eltern ist in der Regel nicht der Ansatz, den man ohne Weiteres gehen kann. Meist ist hier der Allgemeine Soziale Dienst beziehungsweise das Jugendamt für Beratungsgespräche der richtige Ansprechpartner.

Allerdings kann man dennoch über die Kassenärztliche Vereinigung bis zu drei Sitzungen in Anspruch nehmen. Dies sei dann ratsam, wenn Eltern bei ihrem Kind Verhaltensauffälligkeiten feststellen, die nach der Trennung aufgetreten sind.

In einem Erstgespräch können sowohl Eltern als auch Kind sowie der Therapeut feststellen, ob die Chemie passt und man gemeinsam an den Lösungen der Konflikte arbeiten kann. Zudem wird festgestellt, ob eine Indikation vorliegt, sodass eine Therapie in Anspruch genommen werden kann. Im Anschluss daran kann über die Krankenkasse eine Therapie beantragt werden.

Systemische Therapie bei Trennung der Eltern mit Kindern

Wenn sich Eltern mit Kindern trennen, betrifft das nicht nur eine Person, sondern ein Gefüge von verschiedenen Menschen und unterschiedlichen Ansichten. Hierbei kann die systemische Therapie eine Hilfestellung sein. Anton Starck von der Familienwerkstatt Karlsruhe erklärt die systemische Therapie wie folgt:

Die systemische Therapie ist grundsätzlich eine ressourcen- und lösungsorientierte Therapie Form. Sie schaut vor allem auf die Systeme sowie Prozesse in einem (Familien-) System und betrachtet den Menschen als Teil des Systems.

Generelle Tipps könne Anton Starck den Eltern mit Kindern bei einer Trennung nicht mitgeben. Meist könne die Familie selbst die Lösung für das Problem finden, da sie selbst ihr Familiensystem am besten kennen. Bei der Lösungsfindung allerdings könne eine systemische Therapie helfen.

Etwas plakativ gesagt: Wir versuchen nicht eine Person zu verändern oder zu sagen was sie ändern soll, sondern arbeiten mit den beteiligten Personen daran, etwas in der Kommunikation und in den Prozessen so zu ändern, dass die Situation besser wird.

Hilfe bei Trennung mit Kindern beim Allgemeinen Sozialen Dienst

Der Allgemeine Soziale Dienst in eine Abteilung des Jugendamtes, die sich um Beratungen bei Trennung oder Scheidung kümmert. Dieses Beratungsangebot beruht auf den Regelungen des Sozialgesetzbuches (SGB VIII, Achtes Buch Kinder- und Jugendhilfe). Unter anderem ist darin festgehalten, dass das Jugendamt oder der Soziale Dienst bei der Sorge um Kinder unterstützen soll, zum Beispiel auch bei Umgangsregelungen.

Familiengerichte und Sozialer Dienst arbeiten gemeinsam am Wohl des Kindes

Geht es um das Sorgerecht oder das Umgangsrecht, so landen diese Fälle vor dem Familiengericht. Dieses muss das zuständige Jugendamt informieren, welches dann Unterstützung leisten muss. Darunter fällt beispielsweise auch die Beratung hinsichtlich einer Einigung der Eltern: Wer hat das Sorgerecht für das Kind? Wo wohnt das Kind? Wie oft sieht das Kind den anderen Elternteil? All diese Frage werden mithilfe des Jugendamtes erörtert und die Eltern erhalten Unterstützung bei der Lösung eines Weges, das vor allem für das Kind von Vorteil ist.

Entsprechend der Beratung ist das Jugendamt oder der Soziale Dienst auch bei Gerichtsverhandlungen anwesend. Auch bei Scheidungen, bei denen Kinder mit involviert sind, tritt das Jugendamt in Erscheinung. Das Jugendamt wird vom Familiengericht darüber informiert und setzt sich dann mit den Eltern separat in Verbindung. Eltern erhalten so ein Beratungsangebot und gegebenenfalls weitere Unterstützungsangebote.

Auch freie Träger, die mit dem Jugendamt meist zusammenarbeiten, können für diese Belange von den Eltern kontaktiert werden.

Wie sieht das Angebot des Sozialen Dienstes aus?

Der Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes in Karlsruhe sagt, dass die grundsätzliche Beratung immer dem Jugendamt obliegt. Die rund 70 Mitarbeiter in Karlsruhe kümmern sich um die Anfragen der Eltern beziehungsweise der Familiengerichte. Ziel ist in erster Linie ein Gespräch, in dem zunächst die Elternteile separat die Möglichkeit haben, ihr Anliegen zu schildern. Anschließend versuche der Soziale Dienst, ein gemeinsames Gespräch zu vermitteln, sodass sich die Eltern Gedanken machen können, wie sie die Erziehung des Kindes gemeinsam fortführen wollen. Meist finden hierzu ein bis fünf Gespräche statt. Sollten diese Termine nicht ausreichen und die Eltern haben große Meinungsverschiedenheiten, so können weitere Familienberatungsstellen oder auch eine Familientherapie vermittelt werden. In weiteren zehn bis 15 Stunden haben die Eltern so die Möglichkeit, an einer Lösung zu arbeiten, die dem Wohl des Kindes entspricht. Die Kosten für diese Beratung werden vom Jugendamt übernommen.

Eine reguläre Therapie sei oft wenig hilfreich, da diese nicht von den Krankenkassen abgerechnet werden kann. Denn für eine Therapie muss der Therapeut zunächst eine Diagnose stellen: Die Trennung allein als Grund ist hier nicht ausreichend.

Eine positive Entwicklung stellt Stephan Weismann in den letzten zehn bis 15 Jahren fest: Eltern seien stärker bemüht, auf der Paarebene sich um das Wohl des Kindes auszutauschen und eine Einigung zu finden. Zudem seien Kinder mittlerweile an unterschiedliche Familienmodelle gewöhnt, sodass es für die Kinder selbst leichter zu verarbeiten ist, wenn sich die Eltern trennen.

Dafür, dass sich so viele scheiden lassen oder trennen, läuft vieles auch gut. Auch die Gesetzesreform der elterlichen Sorge hat da viel dafür getan.

Hilfe bei Trennung mit Kindern: andere Anlaufstellen

Neben dem Allgemeinen Sozialen Dienst gibt es weitere Angebote und Anlaufstellen, die Familien in schwierigen Situationen unterstützen können:

Familientherapie zu Hause

In Karlsruhe, aber auch in anderen Städten, gibt es Hilfsangebote für Paare mit Kindern, die sich trennen wollen. Dominik Haag arbeitet als Familientherapeut für die Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe (AWO). Dort gibt es das Angebot Familientherapie zu Hause (FATZ). Es kann von Familien genutzt werden, die im Alltag therapeutische Unterstützung benötigen.

Das Angebot wird über den allgemeinen sozialen Dienst des Jugendamtes finanziert und umfasst zwischen fünf und 20 Sitzungen. Der Fokus bei der systemischen Therapie, der hier verfolgt wird, liegt auf dem Kind, das unter der Trennung der Eltern oftmals stark leidet. Gerade ein Problem taucht bei Dominik Haag immer wieder auf: Über den Partner wird im Beisein des Kindes negativ gesprochen. Dies sei für Kinder oftmals nicht nachvollziehbar, so Dominik Haag. Er rät dazu, sich in den jeweils anderen Partner hineinzuversetzen: Wenn das Kind über das Wochenende bei dem Partner war und die Übergabe sich verspätet, sollte man versuchen, den Ärger nicht am Kind auszulassen: Vielleicht gab es Stau oder das Kind wollte sich nicht anziehen, weshalb die Verspätung zustande kam? Solche Fragen könnten helfen, um den Ärger zu mindern.

Eine andere Situation, die Dominik Haag oft erlebt: Die Eltern beschweren sich über das Kind, da er nach einem Besuch beim anderen Elternteil beispielsweise aufgedreht ist oder das Kind schläft schlechter. Eltern können versuchen, sich in diesen Situationen auch einmal in das Kind hineinzuversetzen: Vielleicht vermisst es den anderen Elternteil oder hat viele Dinge erlebt, die es verarbeiten muss. Das sei nicht unbedingt ein Anzeichen dafür, dass es dem Kind schlecht geht. Hier sei auch die Kommunikation mit dem Kind notwendig und wicht, so Dominik Haag.

In der Familientherapie werden die Eltern in diesem Prozess begleitet und gemeinsam mit dem Kind wird nach Lösungen gesucht beziehungsweise erarbeiten alle gemeinsam an Wegen, mit der Situation besser zurechtzukommen.

Wer nicht in Karlsruhe wohnt, kann sich auch über das zuständige Jugendamt informieren, ob es ein vergleichbares Angebot in der Nähe gibt.

Hilfe bei der Suche nach Therapeuten

Wer auf der Suche nach einem Therapeuten ist, kann sich an die Kassenärtzliche Vereinigung wenden. Diese vermitteln freie Therapieplätze in der Nähe. So erhält man eine erste Probesitzung meist zeitnah und kann mit dem Therapeuten gemeinsam entscheiden, ob eine Therapie infrage kommt und ob man auch zusammen an der Problemlösung arbeiten kann. Denn: Nicht jeder Therapeut passt zu jedem Patienten und andersherum. Die Kassenärtzliche Vereinigung wird über das zugehörige Bundesland organisiert. Zudem kann man über verschiedene Portale nach Therapeuten suchen, die dort aufgelistet sind.

Trennung mit Kindern – Thema auch im Podcast Lebenslänglich

In Lebenslänglich – der Mama-Podcast geht es um Trennungen und wie Eltern damit umgehen, besonders auch um das Vergleichen mit anderen. Was Anneta und Monja darüber denken, könnt ihr euch hier noch einmal anhören:

Chaos² – Der Mama-Podcast (Foto: SWR3)

Lebenslänglich – der Mama-Podcast Vorzeigetrennungen und Angst vor Urlaub

Dauer

Monja hat zudem über verschiedene Trennungsgründe gesprochen. Sie kann es nicht nachvollziehen, wenn sich Paare trennen, die selbst über ihre Beziehung sagen, dass sie ein eingespieltes Team seien.

Welche Trennungsgründe habt ihr selbst schon erlebt oder von anderen Menschen mitbekommen?Posted by SWR3 on Wednesday, July 20, 2022

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