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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)
Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)

Mit „Artemis“ soll es zuerst wieder zum Mond gehen – und dann zum Mars. Momentan will es mit der Technik aber nicht so klappen.

Es sollte der Auftakt zu einer neuen Ära der NASA werden: Die US-Raumfahrtbehörde wollte mit der „Artemis“-Mission nach 50 Jahren endlich wieder auf den Mond. Am Samstagabend ab 20:17 Uhr unserer Zeit hätte es ein Zeitfenster für den Start der Testrakete gegeben. Aber: Zum zweiten Mal musste der verschoben werden. Grund war ein Treibstoffleck. Mehrere Versuche, dieses Problem während des Betankens mit flüssigem Wasserstoff zu lösen, waren gescheitert.

.@NASA leaders will discuss today's launch attempt of the #Artemis I mission no earlier than 4 pm ET (20:00 UTC) on Saturday, Sept. 3. Teams encountered a liquid hydrogen leak while loading the propellant into the rocket’s core stage. https://t.co/wm8j3n5cT1

Technische Probleme: „Artemis“-Raketenstart verschoben

Schon der erste Startversuch am vergangenen Montag (29. August) war keine halbe Stunde vorher verschoben worden. Ein Triebwerk der Rakete konnte nicht auf Betriebstemperatur gebracht werden, schrieb die NASA auf Twitter. Außerdem hatte es auch da schon ein Tankleck gegeben – wenn auch nicht so groß wie das am Samstag.

The launch of #Artemis I is no longer happening today as teams work through an issue with an engine bleed. Teams will continue to gather data, and we will keep you posted on the timing of the next launch attempt. https://t.co/tQ0lp6Ruhv https://t.co/u6Uiim2mom

Nächstes Startfenster für Testrakete Ende September

Ursprünglich hätte es noch ein Startfenster nach dem Wochenende gegeben – das steht jetzt aber nicht mehr zur Debatte. Die NASA hat einen dritten Versuch in den nächsten Tagen ausgeschlossen, so NASA-Manager Jim Free am Samstag. Die nächstenMöglichkeiten wären vom 19. September bis zum 4. Oktober und vom 17. bis 31. Oktober.

„Artemis 1“ im All tracken: Hier fliegt die Rakete gerade

Jahrelang hat die NASA Bodentests durchgeführt, jetzt steht der erste Testflug an – unbemannt. „Artemis 1“ soll vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida abheben. Anschließend soll sie den Mond umkreisen und nach etwa 40 Tagen im Pazifik landen. Wenn sie dann im All ist, könnt ihr hier beobachten, wo die „Artemis 1“ gerade unterwegs ist.

Besatzung von „Artemis 1“: Zohar, Helga – und Snoopy

Außerdem wisst ihr dann auch, wo sich gerade Snoopy befindet. Denn der kleine Plüschhund darf auch mitfliegen – und das im schicken Astronautenanzug. Das ist eine Anspielung auf die Apollo-10-Mission, bei der 1969 Teile der Rakete nach der Comicfigur und seinem Freund Charlie Brown benannt wurden.

Neben Snoopy werden bei der „Artemis 1“ Zohar und Helga mit an Bord sein. Die beiden Puppen wurden in Deutschland entwickelt und ahmen den weiblichen Körper mit Knochen, Weichteilen und Geschlechtsorganen nach.

#WeAreGoing! 🚀 Die Rückkehr zum #Mond steht kurz bevor, und Deutschland ist mit an Bord! Die zwei Strahlungs-Messpuppen Helga & Zohar von DLR und @ILSpaceAgency befinden sich in der Raumkapsel @NASA_Orion, das europ. Service Modul (ESM) treibt sie an: https://t.co/xCyW2kFzkW 🇪🇺 https://t.co/13cTVzY73Z

Eine der beiden Puppen wird eine vom israelischen Start-up Stemrad entwickelte Schutzweste tragen, die besonders den weiblichen Körper vor gefährlicher Weltraumstrahlung schützen soll. Strahlungsdetektoren in den Torsos der Puppen sollen zeigen, wie groß die Belastung innerer Organe von Astronautinnen auf einer Mondreise wäre.

Die Strahlenexposition im #Weltraum ist ca. 700x so hoch wie auf der Erde. 📈 Das Strahlenfeld im All ist zudem so komplex, dass es nicht simuliert werden kann. Unser Experiment MARE misst bei der Mission #Artemis I den kosmischen Einfluss auf die Crew: 👩‍🚀 https://t.co/Yb0Xqmq35Z

Der Start der „Artemis 1“ hat sich immer wieder verzögert, weil neue technische Probleme auftraten. Außerdem haben die Entwicklung und der Bau des Raketensystems länger gedauert und wurden teurer als angenommen. Zum Einsatz kommen sollen hauptsächlich die Schwerlastrakete „Space Launch System“ und die Kapsel „Orion“. NASA-Chef Bill Nelson nannte sie auf einer Pressekonferenz die „stärkste Rakete, die je gebaut worden ist“, und die derzeit „einzige Rakete, die mit Crew zum Mond fliegen kann“.

🟢 Engines 🟢 Solid Rocket Boosters 🟢 Core Stage 🟢 Launch Vehicle Stage Adapter 🟢 Interim Cryogenic Propulsion Stage 🟢 Orion Stage Adapter Get familiar with all the parts of the SLS rocket before launch by checking out our "Clickable Rocket" >> https://t.co/r8FgfdcDQm https://t.co/iD5kohW8h5

Von der Europäischen Weltraumagentur ESA kommt mit dem Servicemodul eine wichtige Komponente des „Orion“-Raumschiffs. Der Auftrag für das Mondlandegerät ist noch nicht vergeben: Momentan wetteifern darum SpaceX von Elon Musik und Blue Origin von Jeff Bezos.

„Artemis“: ein umfangreiches Mond-Programm

Die griechische Göttin des Mondes, Artemis, gibt der komplexen Mission den Namen. Nicht nur Menschen sollen wieder auf dem Mond landen, auch ein Rover soll mitkommen. Außerdem sollen sowohl auf der Oberfläche, als auch in der Umlaufbahn Außenposten der Menschheit entstehen. Dort soll unter anderem erforscht werden, wie sich Sonnen- und Nuklearenergie produzieren lassen.

Der Crew soll auf jeden Fall eine Frau und ein nicht-weißer Mensch angehören. Auch ein kanadischer Astronaut und möglicherweise europäische Astronauten sollen mitfliegen können. Mehr Infos gibt es derzeit nicht, nur, dass alle momentanen Astronauten der US-Raumfahrtbehörde mögliche Kandidaten seien.

30 Milliarden Dollar sind veranschlagt. Neben der NASA und der ESA sind auch Raumfahrtagenturen anderer Länder beteiligt. Im Jahr 2024 soll „Artemis 2“ Astronauten in eine Umlaufbahn um den Mond bringen. Die Landung könnte dann 2025 mit „Artemis 3“ erfolgen. Ab „Artemis 3“ plant die NASA, etwa einmal pro Jahr Missionen mit Besatzung zu starten.

Basis auf dem Mond: Österreichisches Unternehmen präsentiert Pläne

Zwar sind keine Menschen an Bord des Testfluges – aber wenn eines Tages die ersten internationalen Astronauten der „Artemis“-Mission auf dem Mond landen, dann haben sie die Aufgabe, die erste Mondstation der Geschichte aufzubauen.

Wie große Hügel mit Riesenspiegeln: So könnte eine Raumstation auf dem Mond möglicherweise aussehen. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA hat ein Bild zu einer Studie veröffentlicht. Die österreichische Firma Pneumocell hat eine Raumstation entworfen.

In zum Teil eingegrabenen, aufblasbaren Ringelementen sollen demnach Gewächshäuser entstehen, die durch Tunnel miteinander verbunden sind. Große bewegliche Spiegel sollen das Sonnenlicht in Krater leiten und von dort mit weiteren Spiegeln in die Gewächshäuser leiten. Auch Arbeits- und Wohnbereiche aus zweilagiger, aufblasbarer Folie sind vorgesehen.

Ein Entwurf der Mondbasis (Foto: ESA)
Die österreichische Firma Pneumocell hat einen Entwurf für eine mögliche Mondbasis veröffentlicht. ESA

Zuerst zum Mond, dann zum Mars

Ursprünglich war der Mars das Ziel der Mission. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump legte den Fokus aber auf den Mond – angeblich, weil er sich US-Astronauten noch während seiner Präsidentschaft auf dem Erdtrabanten wünschte, was er als seinen Erfolg hätte feiern können. Trump wurde abgewählt, der Mond blieb trotzdem erstes Etappen-Ziel von „Artemis“ – als Vorbereitung auf eine bemannte Mars-Landung vom Mond-Außenposten „Gateway“ als Basiscamp.

Wir fliegen zurück zum Mond für wissenschaftliche Entdeckungen, wirtschaftlichen Nutzen und zur Inspiration einer neuen Generation von Entdeckern.

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Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

Die AFP (Agence France-Presse) ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel dpa, Reuters, AP und SID.

Wenn Personen, Vereine oder Unternehmen Neuigkeiten direkt kommunizieren, dann ist das eine Nachrichten-Quelle für uns. Das können zum Beispiel exklusive Interviews oder Pressemitteilungen sein. In der Regel kennzeichnen wir bereits im Text, auf welche Quelle wir uns konkret beziehen – vor allem dann, wenn es keine zweite unabhängige Bestätigung zu der Neuigkeit gibt.

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