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Amelie Heß
Amelie Heß (Foto: SWR)

Mehr als 100.000 Menschen in den USA haben in den letzten Jahren eine Allergie gegen Fleisch entwickelt. Warum das mit einer Zecke zu tun hat, hier lesen!

Dass Zecken Borreliose oder FSME übertragen können, ist bekannt. Gegen letzteres gibt es auch Impfungen, die vor einer Erkrankung schützen. Aber dass Zeckenbisse eine Fleischallergie auslösen können, ist relativ unbekannt. Das könnte sich in den USA allerdings ändern. Denn dort gibt es immer mehr Fälle.

Mehr als 100.000 Menschen von Fleischallergie durch Zeckenbiss betroffen

Die Symptome beschreiben Patienten als heftig: Magen-Darm-Probleme, Nesselsucht, Atembeschwerden, Schwindel, Schwellungen der Zunge, des Rachens oder der Augenlider. Immer mehr Menschen in den USA zeigen diese Symptome nach dem Verzehr von Fleisch oder Milchprodukten.

Ein jetzt veröffentlichter Bericht des Centers for Disease Control and Prevention spricht von mehr als 100.000 Menschen, bei denen die Allergie seit 2010 nachgewiesen wurde. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass bis zu 450.000 Amerikaner von der Allergie betroffen sein könnten, ohne es zu wissen. Damit wäre es die zehnthäufigste Lebensmittelallergie in den USA.

New report: Suspected cases of alpha-gal syndrome (AGS), a tick bite-associated allergic condition, have substantially increased since 2010. Between 2010-2022, CDC identified more than 110,000 people suspected of living with #AGS. Read more: https://t.co/B8fOpYfdsz pic.twitter.com/ZqEYb79KP0

Lebensmittelallergie durch einen Zeckenbiss?

Auslöser dieser Lebensmittelallergie, die erst Stunden nach dem Fleischverzehr auftritt, ist wohl ein Zeckenbiss. Genauer durch einen Zucker Alpha-Gal, der in rotem Fleisch enthalten ist. Beißt die Zecke ein Säugetier, nimmt sie das Alpha-Gal in ihren Stoffwechsel auf. Anschließend kann sie ihn bei einem weiteren Biss durch ihren Speichel an das nächste Säugetier abgeben. Wenn der Zucker über die Haut in den Körper gelangt, bildet der Körper Immunglobulin E, kurz IgE.

Wird man durch einen Zeckenbiss gegen Alpha-Gal sensibilisiert, erklärt Sabine Schnadt, Expertin zum Thema Nahrungsmittelallergie beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (daab) gegenüber SWR3, kann es – muss es aber nicht – beim anschließenden Essen von rotem Fleisch, also beispielsweise Rind-, Schweine-, oder Wildfleisch, zu einer allergischen Reaktion kommen – das sogenannte Alpha-Gal-Syndrom.

Forscher bringen die Allergie in den USA vor allem mit der Lone-Star-Zecke in Verbindung. Die ist überwiegend im Nordosten und Süden der USA verbreitet. Da die Fälle an erkrankten Menschen aber steigen, gehen Experten davon aus, dass sich die Zecken in andere Regionen ausbreiten. Allerdings wird vermutet, dass beinahe jede Zecke Alpha-Gal im Speichel trägt. Einige Zeckenarten sollen Alpha-Gal-haltige Proteine auch in ihren Speicheldrüsen nachbilden können.

Fleischallergie durch Zeckenbiss auch in Deutschland?

Auch in Deutschland sind Fälle von Patienten, die an dem Alpha-Gal-Syndrom erkrankt sind, bekannt. Laut dem European Center for Allergy Research Foundation (Ecarf) gab es 2019 in Deutschland etwa 100 Fälle. Vor allem im Süden und unter Waldarbeitern trete das Syndrom auf. Je häufiger man von Zecken gestochen werde, desto größer scheint das Risiko für eine Fleischallergie zu werden, so das European Center auf seiner Webseite.

Sabine Schnadt vom daab bestätigt, dass es „definitiv“ in Deutschland Fälle gibt. Wie viele sei allerdings nicht bekannt, auch weil die Dunkelziffer vermutlich hoch sei. Sie spricht von einer „allergologischen Detektivstory“, bis auf die Verbindung zwischen der Allergie und einem Zeckenbiss überhaupt gestoßen wurde. Zudem habe die Fleischallergie, ausgelöst durch Alpha-Gal, drei Besonderheiten:

Zum einen wird sie nicht wie alle bisher bekannten anderen IgE vermittelte Allergien durch einen Eiweißbestandteil (Proteinkomponente) ausgelöst, sondern durch einen Zucker, kurz Alpha-Gal –, zum anderen treten allergische Reaktionen verzögert auf, sie äußern sich erst mehrere Stunden nach dem Verzehr. Normalerweise werden IgE vermittelte allergische Reaktionen als Sofort-Typ-Allergien bezeichnet, da sich Symptome meist unmittelbar oder kurze Zeit nach dem Verzehr zeigen. Die dritte Besonderheit ist, dass die Sensibilisierung nicht durch das Lebensmittel selbst erfolgt, sondern über einen Zeckenbiss. 

Wer also nach dem Verzehr von rotem Fleisch, auch Stunden danach, allergische Reaktionen feststellt und womöglich zuvor einen Zeckenbiss hatte, sollte dies auf jeden Fall bei einem Arzt oder Allergologen abklären lassen. Der daab berät auch Patienten zu dem Thema und vermittelt Ansprechpartner zur Diagnose oder Umsetzung einer Ernährungstherapie.

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