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Dennis Tinat
SWR3 Moderator Dennis Tinat (Foto: SWR3)
Jessica Schnellbach
Jessica Schnellbach (Foto: SWR3)

Zehn bis 15 Prozent aller Mütter leiden unter einer postpartalen Depression – auch Wochenbettdepression genannt. Wie erkennt man sie und wie vielversprechend ist die neue Pille zur Behandlung?

Ich habe ständig geweint und konnte keinen Grund dafür nennen. Entweder ich war traurig oder ich habe gar nichts gefühlt“, erzählt Monja aus dem SWR3 Mama-Podcast Chaos². Bei ihr begann die Wochenbettdepression am vierten Tag nach der Geburt ihres ersten Kindes. Bei manchen Müttern beginnt sie erst sechs bis 12 Monate danach oder schon während der Schwangerschaft. „Ich habe überlegt, ob ich das Kind vielleicht im Krankenhaus lassen kann und einfach gehe. Meine größte Angst war, dass es an mir liegt. Dass ich vielleicht einfach nicht fürs Muttersein gemacht bin - und dann kamen die Schuldgefühle“, berichtet Monja.

Symptome einer Wochenbettdepression

Monja hatte die typischen Symptome. Konnte sich über nichts mehr freuen, schon gar nicht über das Kind – sie war müde, fühlte sich kraft- und wertlos und konnte nicht schlafen.

Ich habe gelebt wie ein Zombie. Ich habe nur funktioniert, habe mein Kind versorgt und so kam ein monotoner Tag nach dem anderen.

Einmal sei sie vor Erschöpfung auf dem blanken Teppich eingeschlafen, während ihr Sohn auf dem Sofa lag. Hilfe zu suchen, fiel ihr schwer. „Man hat Angst, dass dir jemand sagt: ‚Du bist eine schlechte Mutter, man kann dir nicht helfen'. Obwohl das ja eigentlich absurd ist, weil man es lernen kann.“ Ihr Partner und die Familie waren mit der Situation genauso überfordert: „Die hatten dadurch glaube ich, noch mehr Angst als ich, dass ich keine Mutter sein kann.

Häufig haben die betroffenen Mütter auch Selbstmordgedanken oder Angst, ihrem Kind etwas antun zu können“, sagt Dr. Anja Agyemang, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Freiburg.

Weitere Symptome einer Wochenbettdepression:

  • Ein Stimmungstief, das anhält
  • Ausbleibende Freude über Dinge, die zuvor Freude ausgelöst haben
  • Ängstlichkeit
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Selbstzweifel
  • Gedanken das Baby oder sich selbst zu verletzen

Test: Habe ich eine Wochenbettdepression?

Einen Hinweis darauf, ob eine Wochenbettdepression vorliegt, gibt ein Screening-Fragebogen – die Edinburgh Postnatal Depression Scale – kurz EPDS-Test. So einen Test können Mütter auch selbst im Internet machen. Wer hier auf über zehn Punkte kommt oder die letzte Frage mit mindestens einem Punkt bewertet, sollte sich Hilfe bei einer psychologischen Beratungsstelle oder einem Psychiater suchen. Denn es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten, die einen schnellen Erfolg versprechen.

Wie kann eine Wochenbettdepression behandelt werden?

Oft helfen bereits stützende Gespräche mit Hebammen oder den Schwestern im Krankenhaus. Angst und Schuldgefühle sind dabei die größte Hürde für den Beginn einer erfolgreichen Behandlung, ihrer Freiburger Kollegin Dr. Anja Agyemang ist es daher wichtig klarzustellen: „Die Frauen können nichts dafür und es ist kein Zeichen dafür, dass sie ihr Kind nicht lieben oder keine gute Mutter wären.

Selbst bei schweren Symptomen können hier betroffene Mütter schnell Hilfe finden. Behandelt wird dann meist medikamentös. „Oft helfen entsprechende Antidepressiva schon nach zehn Tagen bis spätestens drei Wochen, schlaffördernde Mittel lassen die Mutter zur Ruhe kommen“, so Psychiaterin Hornstein.

Pille soll erstmals bei Wochenbettdepression helfen

Antidepressiva haben den Nachteil, dass sie oft erst nach Wochen ihre volle Wirkung zeigen. Mutter und Kind verlieren so wertvolle Zeit, um eine Bindung aufzubauen. In den USA wurde erstmals eine Pille zugelassen, die eine schnelle Behandlung bei Wochenbettdepression verspricht. Warum manche von einem Gamechanger sprechen, wie das Medikament wirkt und welche Nebenwirkungen auftreten können, erfahrt ihr hier. 👇

Mutter und Neugeborenes liegen im Bett, die Mutter liegt weg gedreht vom Baby und hält sich ihre Hand an die Stirn. (Foto: IMAGO, IMAGO / photothek)

Medizin Erste Pille gegen Wochenbettdepressionen in USA zugelassen

Dauer

Wochenbettdepressionen sind eine ernste Angelegenheit für betroffene Frauen, Antidepressiva oder Psychotherapie helfen oft erst nach Wochen. Ein neu zugelassenes Medikament in den USA hilft schneller, belegen Studien, aber es gibt auch Kritik.

Was kann Mann bei Wochenbettdepression tun?

Wichtig sei auch, dass der Partner die Mutter von Anfang an entlastet. Ihr Schlaf ermöglicht, in dem er das Kind mit abgepumpter Milch oder durch Zufüttern versorgt und ihm das gibt, was die Mutter durch die Wochenbettdepression nicht mehr leisten kann. Es Liebe und Nähe spüren lassen, es auf den Arm nehmen, streicheln und mit Ammensprache beruhigen. Denn sonst könne ein Teufelskreis für Mutter und Kind entstehen. „Schreikinder sind oft ein Ergebnis der Depression der Mutter“, sagt Dr. Christiane Hornstein, Psychiaterin aus Heidelberg.

Und sie hat noch einen Tipp: „Viele wissen nicht, dass sie in solchen Fällen zur Entlastung eine Haushaltshilfe verschrieben bekommen können. Übernimmt diese Rolle der Mann, zahlt die Krankenkasse einen Teil des Verdienstausfalls.

Warum bekommen manche Mütter eine Wochenbettdepression?

Was eine Wochenbettdepression auslöst, ist weitgehend unbekannt. Als Ursache werden die hormonellen Schwankungen durch die Schwangerschaft angenommen, auch genetische Veranlagungen können eine Rolle spielen.

Mütter mit perfektionistischen Persönlichkeitszügen sind öfter betroffen, weil sie das auch auf das Muttersein übertragen.

Frauen, die von Angststörungen oder Depressionen betroffen waren oder sind, können anfälliger für eine Wochenbettdepression sein. Auch das soziale Umfeld, die Beziehung zum Partner und das Stresslevel während der Schwangerschaft spielen eine Rolle.

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