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Stefan Scheurer
Stefan Scheurer (Foto: SWR3)
SWR3

Es knistert und kriselt zwischen Kommissar Bukow und Kollegin König. Das alleine würde für einen Polizeiruf reichen, aber die beiden müssen ja auch noch einen Hooligan-Mord klären. Warum das 90 Minuten lang spannend sein kann, erklärt Stefan Scheurer.

Direkt an der Autobahn bei Rostock prügeln sich die Hooligans zweier Clubs. Als die Polizei kommt, flieht einer der Schläger auf eine Autobahnraststätte. Dort wird er vor einen LKW geschubst und ist mausetot. Ein Fall für den heruntergekommenen Kommissar Bukow und seine nicht minder verzweifelte Kollegin König. Der Fall führt die beiden direkt in die Untiefen der Hooligan-Szene, in der Gewalt und Mythos und ständige Prügeleien regieren. Es erinnert alle Beteiligten an die Schlacht im Teutoburger Wald.

Szenenbilder Polizeiruf Rostock (Foto: NDR)
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Alexander Bukow im Gespräch mit der Ehefrau des Polizisten Kauschau, der bei einer Auseinandersetzung mit Ultras schwer verletzt wurde. NDR Bild in Detailansicht öffnen
Ankunft der Kommissare bei einem Verdächtigen. NDR Bild in Detailansicht öffnen
Die Ex-Ultra Doreen und ihr Sohn haben sich mit Patrick Timmermann eine neue Existenz aufgebaut. NDR Bild in Detailansicht öffnen
Das Verhältnis der Kommissare Bukow und König beginnt wieder Risse zu zeigen. NDR Bild in Detailansicht öffnen

Liebe und Ehre, Verrat und Integrität

Bukow und König wurschteln sich durch alle möglichen Verdächtigen. Zeugenbefragungen sind mal lustig und mal ernst, wie man es von den Beiden kennt. Der tote Hooligan war Zahnarzt, seine Helferin zeigt sich vom Tod ihres Chefs amüsiert: „Jetzt muss ich mir wohl nen neuen Job suchen.“ Die Szene ist so skurril, dass allen Beteiligten klar wird: Die war's nicht und weiß nix, will nur lustig sein.

Besser mal jemand anderen hart verhören: Die Friseurin beispielsweise, die bis vor kurzem selbst in der Hooligan-Szene aktiv war, in der Liebe und Ehre, Verrat und Integrität das Miteinander ordnen. Das Verhör ist hart und laut und etwas eklig, eben weil alle Beteiligten selbst auf Gossensprachen-Niveau unterwegs sind.

Ja, der neue Polizeiruf ist ganz schön schroff. Alle in diesem Krimi liegen auch irgendwie sozial am Boden oder sind kurz davor. Das gilt auch für Bukow und Kollegin König, die gemeinsam in einer Kneipe komplett abstürzen, immer sauer aufeinander, aber mehr und mehr auch ein bisschen verliebt: „Wir tun uns nicht gut, Bukow“.

Nicht alleine schauen!

Das alles sind starke Szenen in dem Rostocker Polizeiruf. Bukow alias Charly Hübner spielt grandios, wie alle anderen auch. Der Krimi ist glaubhaft, atemberaubend. So echt, dass man in jeder Szene mitfiebert. Nur am Schluss habe ich als Zuschauer die Übersicht verloren. Kapiert habe ich es nur, weil mir meine Frau das Ende nochmal erklärt hat, also mein Tipp: Auf keinen Fall alleine anschauen.

Trotz der Komplexität am Ende, es bleibt ein grandioser Polizeiruf. 4 von 5 Elchen.

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