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Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)
Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)
Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Die letzte Ehre für Peter de Vries: In Amsterdam war der Sarg des ermordeten Kriminalreporters aufgebahrt. Einige standen stundenlang an, um ihn ein letztes Mal zu sehen.

Ich denke, er war ein ganz besonderer Mann“, sagt Marieke Los. Sie ist eine von den vielen Tausend Menschen, die dem erschossenen Kriminalreporter Peter de Vries die letzte Ehre erweisen wollten. Sein Sarg stand im Königlichen Theater „Carré“, umgeben von Blumen und einem Rahmen mit einem Trikot des Fußballclubs Ajax Amsterdam. An der Fassade hing ein großes Porträt von ihm mit der englischen Aufschrift: „On bended knee is no way to be free“, was sich mit „auf Knien gibt es keine Freiheit“ übersetzen lässt. Einige standen Stunden vor dem Amsterdamer Theater an.

De Vries starb nach mehreren Tagen im Krankenhaus

Nach dem Anschlag auf den prominenten Reporter war der 64-Jährige im Krankenhaus in Amsterdam verstorben. Dies berichtete seine Familie am Donnerstag vor einer Woche dem Fernsehsender RTL. Demnach erlag er seinen schweren Verletzungen.

Peter hat bis zuletzt gekämpft, aber er hat den Kampf verloren. Peter lebte nach seiner Überzeugung: „auf Knien zu sein ist nicht der Weg, frei zu sein“. Wir sind unglaublich stolz auf ihn und zugleich untröstlich.

Der Journalist war am Dienstag vor zwei Wochen mitten in Amsterdam beim Verlassen eines Fernsehstudios niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Laut der Polizei kam er mit zwei Kopfschüssen ins Krankenhaus.

Zwei Verdächtige nach dem Anschlag festgenommen

Insgesamt wurden schon kurz nach der Tat drei Männer festgenommen – einer ist wieder auf freiem Fuß. Er habe mit den Schüssen auf den Reporter nichts zu tun, heißt es von der Polizei in Amsterdam.

Die beiden anderen Männer gelten dagegen als dringend tatverdächtig: Ein 35 Jahre alter Mann mit polnischer Staatsangehörigkeit aus dem Ort Maurik bei Utrecht und ein 21-Jähriger aus Rotterdam.

Die beiden Festgenommenen wurden dem Haftrichter vorgeführt. Sie stehen unter dem Verdacht des versuchten Mordes. Der Richter ordnete an, dass sie streng von der Außenwelt abgeschirmt festgehalten werden. Sie dürfen nur Kontakt mit ihrem Anwalt haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Peter de Vries bei einer Pressekonferenz am 23. Juni 2021. (Foto: IMAGO, imago images/ANP)
Peter de Vries bei einer Pressekonferenz im Juni 2021. imago images/ANP

Steckt das organisierte Verbrechen hinter dem Attentat auf Peter de Vries?

Bei Hausdurchsuchungen in Maurik, Rotterdam und Tiel seien Computer und Munition sichergestellt worden, teilte die Polizei mit. Weitere Einzelheiten über die Hintergründe der Tat und die Motive der mutmaßlichen Täter gibt es von der Polizei aber bisher nicht. Vieles deutet jedoch daraufhin, dass das organisierte Verbrechen dafür verantwortlich ist. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf das Umfeld des berüchtigten Bandenführers Ridouan Taghi, berichteten Medien unter Berufung auf Polizeiquellen. Zurzeit ist De Vries die Vertrauensperson des Kronzeugen in einem großen Prozess gegen die Bande. 2019 war bereits der Anwalt des Kronzeugen und auch dessen Bruder erschossen worden.

Bekannt für Berichte über die niederländische Unterwelt

De Vries ist einer der prominentesten Kriminaljournalisten der Niederlande. Seine Berichte über das organisierte Verbrechen haben internationale Reichweite. Der 64-Jährige tritt regelmäßig auch als Sprecher von Opfern oder Zeugen bei Prozessen auf. Der Tatort des Anschlags ist inzwischen zu einer Gedenkstätte geworden. Bürger legten Blumen nieder und stellten Kerzen auf.

Attentat auf Peter de Vries: Journalistenverband entsetzt

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) ist entsetzt: „Mit dem Attentat sollte kritischer und mutiger Journalismus mundtot gemacht werden“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. „Das war der gezielte Versuch, Journalistinnen und Journalisten einzuschüchtern, die über organisierte Kriminalität berichten.

Der DJV sieht sogar die Pressefreiheit in Gefahr: „Es ist zu befürchten, dass das milliardenschwere Drogen- und Waffengeschäft nicht nur in den Niederlanden gnadenlos zuschlägt, wenn es sich durch journalistische Recherchen gestört fühlt“, sagte Überall. „Umso wichtiger ist es, dass Journalisten mit Themenschwerpunkt „Organisierte Kriminalität“ umfassend geschützt werden.

Im Namen aller 30.000 DJV-Mitglieder wünsche Überall de Vries von ganzem Herzen „schnelle und vollständige Genesung von dem feigen Attentat“.

Wir sind unfassbar schockiert über den feigen Anschlag auf unseren niederländischen Kollegen Peter R. de Vries. Auch ein Anschlag auf den #Journalismus und die #Pressefreiheit. Wir hoffen, dass er es schafft, und wünschen seiner Familie viel Kraft! https://t.co/r4fTMkGObT

Das ist ein Angriff auf einen mutigen Journalisten und damit ein Angriff auf die Pressefreiheit.

Entsetzen nach Mordanschlag auch in der Politik

Auch Politiker mehrerer Parteien reagierten entsetzt auf den Mordanschlag auf de Vries. Auch König Willem-Alexander und seine Frau Máxima, die zur Zeit Deutschland einen Staatsbesuch abstatten, sind „tief schockiert“, wie sie auf Facebook schrieben: „Journalisten müssen ohne Bedrohung und frei ihre wichtige Arbeit tun können.

“Het bericht dat journalist Peter R. de Vries is neergeschoten heeft ons diep geschokt. Hij en allen die hem dierbaar...Posted by Het Koninklijk Huis on Tuesday, July 6, 2021

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