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Leo Eder
Leo Eder
Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele

Während die Polizei nach dem Motiv für die Messerattacke in Würzburg sucht, trauert die Stadt um die Opfer des Angriffs. Nun zeigt sich: Der mutmaßliche Täter war offenbar schon einmal auffällig geworden.

Gegen 17 Uhr am Freitagnachmittag geht der Notruf bei der Polizei ein: Messerangriff am Würzburger Barbarossaplatz. Ein Mann taumelt barfuß durch die Innenstadt – in der Hand ein Messer mit einer langen Klinge. Das ist auf Videosequenzen zu sehen, die im Internet kursieren.

Das Messer soll er zuvor aus der Auslage eines Kaufhauses genommen und dort offenbar wahllos auf die Leute in nächster Nähe eingestochen haben. Drei Frauen tötet er so. Anschließend greift er weitere Menschen in einer Bank und auf der Straße an. Drei Frauen, ein elf Jahre altes Mädchen und ein 16 Jahre alter Jugendlicher werden schwer, eine weitere Frau und ein Mann leicht verletzt. Die leichtverletzte Frau stammt aus dem Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Sie sei nach dem Angriff am Freitag auf der Straße gefunden worden.

Passanten versuchen Täter zu bremsen

Die Polizeibeamten rücken mit einem Großaufgebot aus und sperren Teile der Innenstadt. Da haben mehrere Passanten bereits versucht, den Angreifer zu überwältigen. Ein Mann geht mit einem Besen auf ihn los, andere sind in Videoclips mit Holzstühlen in der Hand zu sehen.

Ein großer Dank und Respekt für das beherzte Eingreifen vieler Bürger, die sich dem mutmaßlichen Angreifer entschlossen entgegenstellten. Und allen Rettungskräften für ihren Einsatz vor Ort. #würzburg

In der Tat sind da auch couragierte Würzburger Bürger hier eingeschritten und haben versucht, den Täter zu bremsen. Und das hat möglicherweise dann auch dazu beigetragen, um weitere Opfer zu verhindern

Der Täter verschwindet in einer Seitengasse, viele Passanten rennen ihm nach. Ein Streifenwagen nimmt die Verfolgung auf. Wenig später stoppen Polizisten den Angreifer durch einen gezielten Schuss in den Oberschenkel.

Fakten statt Spekulationen: durch den Angriff eines 24-jährigen Somalier kamen drei Menschen zu Tode, weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Der in Würzburg wohnenede Mann wurde durch eine Polizeikugel getroffen, befindet sich aber außer Lebensgefahr. #WUE2506

Verdächtiger war in psychiatrischer Behandlung

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 24-jährigen Somalier, der seit 2015 in Deutschland lebt und als Asylbewerber zur Zeit in einer Würzburger Obdachlosenunterkunft wohnt. Nach einem Zwischenfall dort Anfang des Jahres, bei dem er Mitbewohner und Verwalter mit einem Messer bedroht haben soll, sei er vorübergehend in eine psychiatrische Einrichtung gebracht worden, sagte der Generalstaatsanwalt von Bamberg, Wolfgang Gründler. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Beleidigung ein, ein psychiatrisches Gutachten steht aber noch aus.

Nach der Messerattacke in der Würzburger Innenstadt wurde nun Haftbefehl gegen den Mann erlassen. Er sitzt wegen dreifachen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs weiteren Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall in Untersuchungshaft. Die Beamten gehen nach wie vor von einem Einzeltäter aus.

Verdächtiger war schon 2015 in Sachsen auffällig

Der Somalier lebte von 2015 bis 2019 in Sachsen und geriet bereits damals ins Visier der Ermittlungsbehörden. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz ermittelte wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes Sachsen am Montag sagte. Es habe sich um eine körperliche Auseinandersetzung in einer Asylunterkunft gehandelt. Die Ermittlungen seien eingestellt worden, da die Betroffenen den Tathergang unterschiedlich dargestellt hätten.

Herrmann bekräftigt Möglichkeit einer islamistisch motivierten Tat

Das Motiv für die Messerattacke am Freitagnachmittag ist allerdings noch unklar. Die Ermittler sprechen zum einen von einer psychischen Störung, zum anderen könnte eine extremistische Einstellung mitursächlich für den Angriff sein. „Es schließt sich auch nicht unbedingt gegenseitig aus“, meinte Landesinnenminister Herrmann. Ein Augenzeuge gab zu Protokoll, dass der Verdächtige bei der Tat „Allahu Akbar“ gerufen haben soll. Auch das Wort „Dschihad“ soll gefallen sein.

In dem Obdachlosenheim, in dem der Somalier wohnte, fanden die Ermittler Hassbotschaften. Diese wie auch Nachrichten auf zwei Handys müssten aber erst noch ausgewertet werden, sagte der Leitende Kriminaldirektor Armin Kühnert.

Herrmann bekräftigte den Anfangsverdacht am Sonntag bei Bild Live: „Es spricht sehr viel angesichts dessen, was wir aufgefunden haben, dafür, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handeln könnte.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Bluttat als Amoklauf. Auch die Bundesregierung spricht von einem Amokläufer.

Die Ermittlungen werden ergeben, was den Amokläufer von #Würzburg antrieb. Sicher ist: Seine entsetzliche Tat richtet sich gegen jede Menschlichkeit und jede Religion. Alle Gedanken und Gebete sind heute bei den Schwerverletzten und den Familien der Opfer in ihrem Schmerz.

Bis auf den Jungen handelt es sich bei allen Opfern um Frauen. Ob das nur Zufall ist oder der Angreifer absichtlich Frauen ausgewählt hat, ist der Polizei zufolge noch unklar.

Hier gibt's die Pressekonferenz von Samstag, unter anderem mit Landesinnenminister Herrmann, der Polizei und dem Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU):

Würzburg trauert

Am Tag nach der Bluttat legten Menschen in der Nähe des Tatorts Blumen nieder und stellten Kerzen in Gedenken an die Opfer auf. Würzburgs Oberbürgermeister Schuchardt wendet sich in einem offenen Brief an die Bürgerinnen und Bürger. Darin mahnt er, die ausländische Bevölkerung nun nicht unter Generalverdacht zu stellen. Die Verbrechen Einzelner seien niemals auf Bevölkerungsgruppen, Religionen oder Staatsangehörigkeiten zurückzuführen. An öffentlichen Gebäuden in Bayern wurde Trauerbeflaggung gehisst.

Am Sonntag wurde im Würzburger Kiliansdom mit einem Trauergottesdienst der drei getöteten Frauen gedacht. Ministerpräsident Söder warnte in einer Ansprache davor, diese „hasserfüllte Tat“ mit Hass oder Rache zu beantworten. Klischees und Vorverurteilungen würden den Opfern und Angehörigen nicht helfen, sondern nur noch weitere Wunden reißen. Er wies darauf hin, dass nicht nur der Angreifer einen Migrationshintergrund habe, sondern auch Bürger mit Migrationshintergrund geholfen hätten, diesen zu stoppen.

Bayern zeigt Solidarität: Wir trauern um die Opfer von Würzburg und beten für alle Verletzten. Es ist ein so brutales und sinnloses Verbrechen. Wir alle stellen die Frage nach dem Warum. Gut und Böse sind keine Frage von Religion oder Nationalität. Der Hass darf niemals siegen. https://t.co/XueXgAI62B

Ruf nach besseren Vorkehrungen für psychisch auffällige Migranten

Der Vorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, verlangte eine bessere Ausstattung des psychiatrischen Bereichs. 35 Prozent der zwischen 2000 und 2015 allein handelnden Attentäter seien psychisch erkrankt gewesen, sagte er der Funke-Mediengruppe.

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert eine stärkere Beobachtung von psychisch auffällig gewordenen Asylbewerbern. Man werde nicht immer alle Attacken verhindern können. „Aber man kann durchaus bessere Vorkehrungen treffen, dazu zählt, psychisch auffällige Migranten besser in den Blick zu nehmen und die psychiatrischen Kliniken besser in die Möglichkeit zur Unterbringung von Menschen zu versetzen, von denen erkennbar eine Gefahr ausgeht“, sagte der Vorsitzende Rainer Wendt. Diejenigen, die wegen Gewaltdelikten auffällig werden, müssten unverzüglich in Auslieferungshaft genommen werden.

Bayerns Landesinnenminister Herrmann plädierte bei Bild Live für eine Überprüfung des Flüchtlingsrechts. Nach der Bundestagswahl müsse die Bundesregierung darüber nachdenken, ob der subsidiäre Schutz für Flüchtlinge „auf Dauer so bleiben“ könne. Ihm liege am Herzen, dass „Personen, die hier schwere Straftaten begehen oder als Gefährder eingeschätzt werden, wieder außer Landes bringen“ gebracht werden könnten.

Vor fünf Jahren: Islamistische Attacke in Zug nahe Würzburg

Bereits vor knapp fünf Jahren gab es in der Nähe von Würzburg einen islamistischen Angriff, als ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling in einer Regionalbahn mit einer Axt und einem Messer Passagiere attackierte. Vier Menschen wurden damals, am 18. Juli 2016, schwer verletzt. Der Täter griff auf der Flucht eine Spaziergängerin an und wurde schließlich von der Polizei erschossen.

Wir bitten darum, uns Bilder und Videos von Tat und Täter unter folgendem Link zur Verfügung zu stellen. Herzlichen Dank! https://t.co/RKBPe0Pg5c #WUE2506 https://t.co/TMOJJ01Oa8

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