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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

US-Ärzte haben Menschen bei Gehirn-Operationen Musik vorgespielt – und danach anhand der Hirnströme wieder hörbar gemacht. Das Ergebnis hört ihr hier.

Der Sound klingt seltsam und auch ein bisschen unheimlich: Wie von weit her erklingt verwaschen der berühmte Refrain von Another Brick in the Wall von Pink Floyd aus dem Jahr 1979. Das Verrückte daran: Die Musik kommt aus dem Kopf eines Patienten.

Ärzte haben ihm bei einer Operation am offenen Gehirn (er ist Epileptiker) den Song vorgespielt und dabei seine Hirnströme gemessen. Anschließend haben sie aus den Hirnströmen mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) das Lied rekonstruiert. Und so hört sich das an:

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Nachrichten So klingt „Another Brick in the Wall“ im Gehirn...

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Verwaschen, düster, aber erkennbar...

Zum Vergleich das Original, das dann am Ende wieder in die Aufnahme aus den Gehirnwellen übergeht:

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Nachrichten „Another Brick in the Wall“ im Original

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Am Ende gibt es einen Schnitt in die „Brainwaves-Version“.

Künstliche Intelligenz machte Musik im Kopf hörbar

Die Patienten hatten bereits zuvor aus medizinischen Gründen Elektroden ins Gehirn eingesetzt bekommen, mit deren Hilfe sie ihre epileptischen Anfälle überwachen konnten. Die Elektroden maßen die Hirnströme beim Musikhören dann aus.

Mehrere KI-Modelle überprüften dabei unter anderem, wie das Gehirn beispielsweise auf Änderungen beim Rhythmus oder in der Melodie reagiert. Ein anderes KI-Modell setzte die Signale dann wieder zusammen.

Schon zuvor hatten die Neurologen festgestellt, dass der für die meisten Menschen sehr eingängige Pink-Floyd-Song bei vielen besonders starke Reaktionen im Gehirn hervorrief.

Hier hört ihr alles über die Geschichte des Songs (das ganze Lied gibt es am Ende des Artikels):

Musik aus dem Gehirn soll unter anderem Menschen helfen, die nicht mehr sprechen können

Der Sinn des Ganzen: Die Neurowissenschaftler des Albany Medical Center in New York und der Berkeley University in Kalifornien wollen herausfinden, wie Musik im Kopf stattfindet – und wie man das, was im Kopf ist, wieder hörbar machen kann.

Das könnte beispielsweise auf die Dauer Menschen, die beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls oder einer Krankheit nicht mehr sprechen können, dazu verhelfen, sich wieder auszudrücken.

Die Musik spielt dabei eine besondere Rolle. Denn: Ähnlich wie hier spielen auch bei der normalen Sprache Tempo- und Stimmwechsel eine große Rolle.

Mehrere Jahre haben sie daran geforscht und die Tests bei 29 Patientinnen und Patienten gemacht. Erst dann schafften es Computer-Experten aus Berkeley, einen Algorithmus zu entwickeln, der die Hirnströme hörbar macht – einigermaßen jedenfalls. In dieser Woche haben sie ihre Ergebnisse veröffentlicht.

The reconstruction is a “technical tour de force” that provides new insight into how the brain understands music. https://t.co/8OG9WBe9cK

Können Wissenschaftler bald Gedanken lesen?

Schon zuvor war es Forschern gelungen, einzelne, lediglich gedachte, Wörter hörbar zu machen, die Patientinnen und Patienten mit Hirnimplantaten gehört hatten. Wieder andere haben bereits einzelne Bilder aus Hirnscans reproduzieren können – darunter Landschaftsfotos, aber auch menschliche Gesichter.

Immer näher kommen die Mediziner dadurch dem Gehirn, seiner Funktionsweise und vor allem seinen Inhalten. Können Wissenschaftler bald Gedanken lesen? Das erklärt Anja Braun aus der SWR-Wissenschaftsredaktion:

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Nachrichten „Der Forschungsbereich entwickelt sich rasant“

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SWR-Wissenschaftsredakteurin Anja Braun zur Musik aus dem Hirn-Scan.

Ok, aber jetzt zurück zur reinen Musik. Hier für alle Pink-Floyd-Fans zur Belohnung nochmal das ganze Lied im Original:

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Science ist eine Fachzeitschrift mit Veröffentlichungen US-amerikanischer Wissenschaftler.

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