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Leo Eder
Leo Eder
Ulrike Till (SWR-Wissenschaftsredaktion)

Kein Puls mehr heißt offenbar nicht automatisch, dass der Patient nicht mehr mitkriegt, was mit ihm und um ihn herum passiert. Eine Studie hat sich mit Nahtoderfahrungen befasst.

Im Spielfilm „Flatliners“ versetzen sich Medizin-Studenten gegenseitig in den Zustand des klinischen Todes, nur um sich kurze Zeit später zu reanimieren – ein fragwürdiges und gefährliches Experiment, um selbst Nahtoderfahrungen zu sammeln.

Weniger reißerisch, dafür umso realer ist eine Studie in der Fachzeitschrift Resuscitation, in der es um das Bewusstsein nach einem Herzstillstand geht. Ein Ergebnis daraus: Das Gehirn einiger Patienten auf der Intensivstation war danach noch hochaktiv.

Nahtoderfahrungen bei Herzstillstand

Das Team um den US-Kardiologen Sam Parnia hat insgesamt 567 Menschen begleitet, die im Krankenhaus einen Herzstillstand hatten und wiederbelebt wurden. Nur etwa einer von zehn überlebte. 24 Männer und 4 Frauen konnten die Forscher befragen.

Zwei Tests, bei denen Bilder oder Wörter nachgewiesen werden sollten, die während der Reanimation per Kopfhörer oder Tablet eingespielt wurden, liefen zwar ins Leere. Viele der Überlebenden erinnerten sich vier Wochen später aber an andere Eindrücke oder Erlebnisse, die meisten an Nahtoderfahrungen – zum Beispiel, wie sie ihren eigenen Körper verließen und im Raum schwebten. Jeder fünfte Überlebende berichtete davon. Manche erinnerten sich auch an die schmerzhafte Wiederbelebung.

Gehirn noch während Herzstillstand aktiv

Die Forscher maßen auch die Hirnströme der Probanden. Auch zwanzig Minuten nach dem Herzstillstand waren die Werte bei 75 Prozent noch normal oder nahezu normal. Bei einigen Überlebenden wurden vor allem Delta- oder Thetawellen gemessen – typisch für tiefen Schlaf und Meditation.

Das Forscherteam interpretiert die EEG-Daten als „biologische Marker“ für Bewusstsein. Normalerweise filtere eine Art Bremssystem weite Teile der Hirnaktivität aus dem Bewusstsein heraus. Dieses System sei aber während des Sterbens abgeschaltet – so habe der Sterbende bewussten Zugang zu Erinnerungen. Damit erklären sich die Forscher Nahtoderfahrungen wie Erinnerungen an die Kindheit, die erneut durchlebt werden, oder das Wiedertreffen von verstorbenen Verwandten oder Freunden.

Aber ob die gemessenen Hirnwerte tatsächlich ein Beweis für Bewusstsein sind, ist unklar; hier ist immer noch weitere Forschung nötig.

Muss sich jetzt etwas an der Wiederbelebung ändern?

Was die Erkenntnisse aus der Studie für die Notfallmedizin bedeuten könnten – damit hat sich Caro Knape im SWR3 Topthema beschäftigt:

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