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Leo Eder
Leo Eder

Die Corona-Pandemie hat den Menschen viel abverlangt und tut es noch immer. Offensichtlich haben dadurch auch wieder mehr Menschen zur Zigarette gegriffen. Das zeigt eine Studie zum Rauchverhalten in Deutschland.

In Deutschland liegt der Anteil der Raucher bei Menschen über 14 Jahren bei fast 33 Prozent. Das geht aus einer repräsentativen Langzeitstudie hervor. Dabei fällt vor allem der deutliche Unterschied zu vor der Corona-Pandemie auf. So rauchten in dieser Gruppe Ende 2019 und Anfang 2020 nur 26 bis 27 Prozent. Ende 2021 war die Quote dann schon auf 30,9 Prozent gestiegen.

Studien-Leiter: Steigende Raucherquote wohl Corona-Spätfolge

Der Epidemiologe Daniel Kotz nennt das eine erschreckende Entwicklung. Er leitet den Sucht-Forschungsschwerpunkt am Centre for Health and Society an der Uni-Klinik Düsseldorf und ist Studien-Leiter der „Deutschen Befragung zum Rauchverhalten“ (Debra).

Aktuellste Daten der #DEBRA Studie zum Konsum von Tabak und E-Zigaretten in 🇩🇪 stehen jetzt auf der Studienwebseite https://t.co/t1EbYSArev. Scheint, als sei der Anteil der Rauchenden in der Bevölkerung weiter gestiegen, auf 33% im Januar/Februar 2022. #Weltnichtrauchertag https://t.co/9jxaSVgLO8

Wahrscheinlich handele es sich bei der wieder steigenden Raucherquote allgemein um eine Auswirkung der Pandemie, schätzt Kotz. Es sei eine sogenannte Corona-Spätfolge, dass die Leute vermehrt zu Tabakprodukten griffen.

Kotz: „Corona hat bei vielen zu Stress geführt“

Wie die Pandemie ehemalige Raucher rückfällig werden lässt, welche Unterschiede es bei der Anzahl Kippen pro Tag gibt und wie Raucher es schaffen, wieder zu Ex-Rauchern zu werden – darüber sprach SWR3-Moderator Stefan Hoyer in den Topthemen am Mittag mit Daniel Kotz:

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Nachrichten Kotz: „Jeder Versuch bringt den Einzelnen näher ans Ziel ran“

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Professor Daniel Kotz im Interview in den „Topthemen am Mittag" mit SWR3-Moderator Stefan Hoyer.

2020: 75.000 Tote durch Tabak in Deutschland

In Deutschland sind im Jahr 2020 rund 75.000 Menschen an den Folgen des Rauchens gestorben. Krebserkrankungen waren dabei mit Abstand die häufigste Todesursache. Das teilte das Statistische Bundesamt anlässlich des heutigen Weltnichtrauchertags mit.

Rund 75 500 Menschen sind 2020 in Deutschland an den Folgen einer #raucher|spezifischen Erkrankung gestorben. Bei Frauen ist das Risiko, an einer solchen Krankheit zu sterben, binnen 20 Jahren deutlich gestiegen. Mehr dazu unter: https://t.co/wPXD4dutfn #Weltnichtrauchertag https://t.co/67b4nLT2ye

Der Konsum von Zigaretten habe zwar in den letzten Jahrzehnten abgenommen, durchschnittlich rauchte jeder Erwachsene in Deutschland im vergangenen Jahr aber trotzdem noch über tausend Glimmstängel.

Der Zigarettenverbrauch in Deutschland hat sich seit 1991 halbiert. Allerdings konsumierte nach vorläufigen Zahlen jede erwachsene Person im Jahr 2021 im Schnitt noch 1 033 #Zigaretten. Mehr Daten zum Tabakkonsum: https://t.co/AstwMO8iNZ #Weltnichtrauchertag #WorldNoTobaccoDay https://t.co/mAvnMuK3sK

Forderung zum Weltnichtrauchertag: Tabakfrei bis 2040

Bis zum Jahr 2040 sollen in Deutschland weniger als fünf Prozent der Erwachsenen und weniger als zwei Prozent der Jugendlichen Tabakprodukte oder E-Zigaretten konsumieren. Dieses Ziel fordern über 50 Gesundheits- und zivilgesellschaftliche Organisationen von der Politik ein. In einem Strategiepapier, das zum Weltnichtrauchertag 2021 veröffentlicht wurde, nennen die Herausgeber – das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Deutsche Krebshilfe und das Aktionsbündnis Nichtrauchen – zehn konkrete Maßnahmen zur Tabakkontrolle.

Zu diesen zählen zum Beispiel eine jährliche Erhöhung der Tabaksteuer, ein Verbot von Werbung für Tabakprodukte, neutrale Verpackungen sowie die Verfügbarkeit von Tabakprodukten deutlich zu reduzieren.

Vor einem Jahr gab das DKFZ gemeinsam mit der @Krebshilfe_Bonn und dem Aktionsbündnis Nichtrauchen die Strategie für ein tabakfreies Deutschland 2040 heraus. @D_Tabakfrei2040 erinnert an die Notwendigkeit, die #Tabakprävention in Deutschland zu stärken. https://t.co/Dtk0p6aYtj

WHO: Tabakindustrie verursacht enorme Umweltschäden

Rauchen ist nicht nur schädlich für den eigenen Körper und die Gesundheit anderer, sondern auch für den Planeten. Die Tabakindustrie schade der Umwelt enorm, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem neuen Bericht, den sie zum heutigen Weltnichtrauchertag veröffentlicht hat.

Demnach werden für Herstellung und Konsum jährlich unter anderem 600 Millionen Bäume gefällt, 22 Milliarden Tonnen Wasser verbraucht sowie rund 84 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt. Die CO2-Menge entspreche dem Ausstoß von etwa 17 Millionen benzinbetriebenen Autos jährlich.

Die WHO weist zudem darauf hin, dass die Tabak-Müll-Beseitigung die Bürger zahlten. Die Industrie müsse dabei stärker in die Pflicht genommen werden.

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