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AUTOR/IN
Désirée Kast
Tamara Trunk
Tamara Trunk (Foto: privat)

Schon vor einem halben Jahrhundert wurde der erste Organspende-Ausweis ausgestellt und trotzdem wissen viele Menschen nur wenig über die Organspende. Wir klären die wichtigsten Fakten.

Niemand muss, aber jeder darf: Es gibt keinen Zwang zur Organspende

Ob eine Person sich für oder gegen die Organspende nach dem Tod entscheidet, ist ihre persönliche Entscheidung. Ebenso persönlich sind auch die jeweils ausschlaggebenden Gründe, die es zu akzeptieren gilt. Viele Menschen geben aber auch an, sich bisher zu wenig mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt zu haben, um eine Entscheidung fällen zu können.

Für alle, die bisher noch unsicher sind, offene Fragen haben, oder sich nochmal informieren möchten, haben wir die häufigsten Fragen an den Transplantationsexperten und leitenden Oberarzt an der Universitätsklinik in Homburg Philipp Lepper weitergegeben. Er beantwortet sie, ohne euch für oder gegen eine Organspende überreden zu wollen.

Wer kann Organspender werden?

Tatsächlich dürfe jeder Organspender sein, so Lepper. Man muss keine bestimmten Voraussetzungen erfüllen – und es gibt auch keine Altersgrenze. Das heißt, auch wenn man zum Beispiel Medikamente nehmen muss oder raucht, darf man einen Organspendeausweis besitzen. Ob die Organe schlussendlich für eine Transplantation geeignet sind, wird in jedem Fall einzeln geprüft. Wer Probleme mit der Lunge hat, kann trotzdem mit anderen Organen als Spender in Frage kommen.

Professor Dr. Philipp Lepper (Foto: Professor Dr. Philipp Lepper)
Leitender Oberarzt Professor Dr. Philipp Lepper ist transplantationsbeauftragter Arzt an der Universitätsklinik in Homburg.

Was kann ich spenden?

Gespendet werden können Organe wie Herz, Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Darm oder Gewebe wie Hornhaut der Augen, Blutgefäße oder Haut.

Wann gelte ich als tot?

In Ländern wie Deutschland muss ein irreversibler Funktionsausfall des Gehirns, also ein Hirntod festgestellt werden, damit die Organe transplantiert werden dürfen. In anderen Ländern wie Spanien ist die Organentnahme auch nach einem Herzstillstand erlaubt. Um in Deutschland die Diagnose „Hirntod“ zu bekommen, müssen laut Lepper einige Kriterien nachgewiesen werden. Dafür müssen zwei speziell ausgebildete Ärzte – davon ein Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie – viele neurologische Untersuchungen und Prozesse durchführen. Das kann bis zu drei Tagen dauern, so der Arzt.

Das ist keine Hoppla-Hopp-Entscheidung.

Wer bekommt meine Organe?

Ist entschieden, dass bestimmte Organe gespendet werden können, müsse laut Lepper alles relativ schnell gehen. Je länger der Prozess dauert, desto schneller nimmt die Qualität der Organe ab. Denn die könne nicht ewig erhalten werden.

Wer die Organe bekommt, entscheidet die Vermittlungsstelle Eurotransplant. Dafür gibt es eine bestimmte Rangliste und zusätzliche Kriterien wie Blutgruppe oder Körpergröße müssen erfüllt werden.

Eine Spenderlunge von einem zwei Meter großen Mann passt zum Beispiel nicht in den Körper einer schlanken, jungen Frau unter 1,60 Meter.

Werden persönliche Daten des Spenders preisgegeben?

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) informiert die Familie des Organspenders, welche Organe des Verstorbenen transplantiert wurden und gibt ungefähre Angaben, an wen.
Zum Beispiel, dass das Herz an eine 30-jährige Frau aus Rheinland-Pfalz ging. Ansonsten ist das Spenden anonym.

Was passiert mit meinem Körper nach der Organtransplantation?

Nach der Organentnahme kann der Körper ganz normal bestattet werden. Übrigens: Die Hornhauttransplantation sehe man dem Verstorbenen nicht an, erklärt der Arzt. Die geschlossenen Augen sind genauso ausgefüllt, wie auch ohne Hornhauttransplantation.

Wie bekomme ich einen Organspendeausweis?

Den Organspendeausweis bekommt man kostenlos bei der Krankenkasse, manchmal auch bei bestimmten Ärzten oder Apotheken oder im Netz. Hier kann übrigens auch festgehalten werden, dass man ausdrücklich wünscht, keine Organe zu spenden.

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