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Veronika Simon
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Stefan Scheurer
Stefan Scheurer

Für wen ist die Grippeschutzimpfung geeignet? Bringt sie überhaupt etwas? Und warum ist das jedes Jahr anders? Die wichtigsten Tipps und Infos für die Saison 2023/2024 haben wir hier zusammengefasst.

Reicht es nicht langsam mal mit Impfungen? SWR-Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann und Veronika Simon aus der Wissenschaftsredaktion geben uns einen Durchblick:

Wie gut wirkt der Impfstoff gegen die Grippeviren?

Da sich das Grippevirus verändert und sich Impfstoff-Produzenten schon vor einem halben Jahr festlegen mussten, wie dieser Impfstoff aussieht, hängt die Wirksamkeit des Impfstoffes davon ab, wie gut dieser zu den aktuellen Grippeviren passt. Die kann auch mal weniger gut sein und bei 20 bis 60 Prozent liegen. 

 

Schwangere bei einer Impfung.
Schwangeren wird aus zwei Gründen zur Grippe-Impfung geraten: Bei ihnen sind Grippeverläufe häufig härter, ausserdem können sie im Krankheitsfall nicht jedes beliebige Medikament nehmen.

Noch ist es zu früh, um die Wirksamkeit des Impfstoffs 2023/2024 bei uns einzuschätzen. Es gibt positive Hinweise von der Südhalbkugel: In den Ländern südlich des Äquators wurden in den letzten Monaten (während des dortigen Winters) zum Teil die gleichen Impfstoffe angewendet. In einer Auswertung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC zeigte sich vor allem bei Kindern eine hohe Schutzwirkung von etwa 70%. Insgesamt hatte die Impfung eine Schutzwirkung von 55%. Laut CDC hat die Impfung dabei geholfen, Krankenhausaufenthalte aufgrund einer Grippeerkrankung zu reduzieren.  

Allerdings sind diese Erkenntnisse nicht ohne Weiteres auf die kommende Grippewelle auf der nördlichen Halbkugel übertragbar. Zum Teil ändert sich die Zusammensetzung der kursierenden Grippeviren im Laufe des Jahres und damit auch die Wirksamkeit der verwendeten Impfstoffe. Außerdem empfiehlt die WHO bei uns, zum Teil andere Impfstoffe zu verwenden. Für die liegen noch keine Daten vor.  

Grippeschutzimpfung: Für wen ist sie geeignet?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Menschen, bei denen es wahrscheinlicher ist, dass eine Grippe-Infektion schwerer verläuft und so gefährlich werden kann: Das sind alle ab 60 Jahren, Schwangere und Menschen, die an chronischen Erkrankungen leiden. Hinzu kommen Bewohner und Bewohnerinnen von Alten- und Pflegeeinrichtungen. 

Außerdem empfiehlt die STIKO, sich gegen Influenza impfen zu lassen, wenn man viel Kontakt mit Menschen hat, die ein hohes Risiko haben, zu erkranken: zum Beispiel auf der Arbeit oder weil man im gleichen Haushalt wohnt. 

Botox-Injektionen ins Gesicht
Wenn es so aussieht wie hier, sollte man misstrauisch werden. Die STIKO empfiehlt grundsätzlich die Impfung in den Oberarm. Und merke: Botox-Injektionen ins Gesicht werden nicht im Impfpass eingetragen.

Eine allgemeine Empfehlung für alle gibt es von der STIKO nicht, weil gesunde Kinder und Erwachsene unter 60 Jahren meist keine schweren Komplikationen haben, wenn sie an Grippe erkranken. Doch das Robert-Koch-Institut schreibt auf seiner Internetseite: „Dass die Ständige Impfkommission die Influenza-Impfung nur für bestimmte Personengruppen empfiehlt, bedeutet jedoch nicht, dass die STIKO von einer Influenzaimpfung anderer Personen abrät.“

Grippeimpfung: Warum sie nicht nur für Ältere sinnvoll ist

Das sieht auch SWR-Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann so: Ich würde die Grippeimpfung eigentlich jedem empfehlen, denn dieser Pieks, der tut nicht sonderlich weh.“ Denn man dürfe die Grippe nicht unterschätzen: Wir dürfen nicht vergessen: Wir hatten 2017/2018 eine Grippewelle, bei der allein in Deutschland 25 000 Menschen aufgrund der Grippe verstorben sind. Da muss man sich überlegen: Soll ich nicht einmal zur Grippeimpfung gehen, oder soll ich ein Risiko eingehen?

Diese Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen: Eine Pflicht gibt es nicht. Ein Argument dafür oder dagegen kann die Wirksamkeit der Impfung sein. Noch mehr Mythen rund um die Grippeschutzimpfung gibt es hier:

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